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Ergebnisse des Stresstests: Deutsche Banken für Krisen offenbar gerüstet

Für die europäischen Banken ist heute der Tag der Wahrheit. Die Ergebnisse der Banken-Stresstests werden veröffentlicht. Auch 14 Institute aus Deutschland nehmen daran teil, bis auf eines haben offenbar alle die fiktive Belastungsprobe bestanden. Anders sieht es in Spanien aus.

Die deutschen Privatbanken erwarten durch die Ergebnisse des europäischen Stresstests ein positives Signal für Branche und Märkte. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Manfred Weber, sagte am Freitagmorgen im Deutschlandfunk, er sei zuversichtlich, dass die heimischen Institute bei der Belastungsprobe "insgesamt gut" abschneiden werden. Auch das europäische Bankensystem werde besser abschneiden als von vielen erwartet. "Wir sind auf gutem Weg, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen", sagte Weber.

Er wies zugleich Vorwürfe zurück, der Test sei zu lasch ausgefallen. Von einer "weich gespülten" Belastungsprobe könne nicht die Rede sein. Wenn Banken den Test bestehen, hätten sie tatsächlich genügend Kapital, um schwierige Situationen zu überstehen. Weber äußerte sich überzeugt, dass der Stresstest ein "beruhigender Beitrag" für die Finanzmärkte sein werde.

HRE wohl durchgefallen

An dem Test haben europaweit 91 Banken teilgenommen, davon 14 aus Deutschland. Die Ergebnisse sollen in Abstimmung mit den europäischen Bankenregulierern ab 18 Uhr veröffentlicht werden. Geprüft wurden die Auswirkungen eines fiktiven Konjunktureinbruchs sowie eines Kursverfalls von Staatsanleihen auf die Bankbilanzen.

Der Test gilt als bestanden, wenn die Kernkapitalquote der Bank in den Szenarien nicht unter sechs Prozent rutscht. Von den teilnehmenden deutschen Instituten dürften dies Finanzkreisen zufolge nahezu alle geschafft haben, nur der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ist nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters durchgefallen. Weber wollte sich dazu nicht äußern. "Berichte zu einzelnen Häusern will ich nicht weiter kommentieren", sagte er.

Der HRE würde ein Durchfallen vermutlich wenig anhaben können: Sie ist sowieso schon verstaatlicht und lagert ihre Schrottpapiere gerade in eine sogenannte Bad Bank aus. Zudem hat sie bereits weiteren Kapitalbedarf in Milliardenhöhe angemeldet.

Stress für spanische Sparkassen

In Spanaien sieht die Lage hingegen anders aus. Einem Zeitungsbericht zufolge haben mehrere Sparkassen den Banken-Stresstest nicht bestanden. Eine kleine Gruppe der 18 Sparkassen des Landes bräuchte mehr Kapital, sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern, berichtet die Zeitung "El Pais" unter Berufung auf Finanzkreise. Darunter seien auch Institute, die vom spanischen Staatsfonds bereits Mittel erhalten hätten.

Die Veröffentlichung der Stresstests geht auf einen Beschluss der europäischen Staats- und Regierungschefs zurück, welcher Mitte Juni auf Druck Spaniens zustande kam. Auch die zunächst skeptische Bundesregierung lenkte ein, um die unruhigen Finanzmärkte zu beruhigen. Ob dies nun gelingt, wird sich zeigen.

joe/Reuters/AFP/DPA / DPA / Reuters