EU 60 Prozent weniger Agrarzölle


Um die Verhandlungen bei der Welthandelsorganisation voranzubringen, will die Europäische Union die Agrarzölle um 60 Prozent herunterfahren. Es ist das bislang höchste Angebot der EU. Allerdings will die EU auch von anderen Ländern Angebote hören.

Die Europäische Union ist mit ihrem bisher größten Angebot zur Kürzung von Agrarzöllen in eine Verhandlungsrunde für ein neues Welthandelsabkommen gegangen. EU-Handelskommissar Peter Mandelson sagte zu Beginn einer einwöchigen Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf, die 27 EU-Mitglieder wollten ihre Agrarzöllen um 60 Prozent abbauen, wenn die anderen Teilnehmer ähnlich große Anstrengungen machten.

Bisheriges Angebot bei 54 Prozent

Bisher hatte die EU 54 Prozent geboten. "Wir haben beschlossen, den Verhandlungen in dieser Woche zu einem starken Start zu verhelfen, indem wir die durchschnittliche Kürzung unserer Agrarzölle erhöhen", sagte Mandelson vor Journalisten. Bei dem Angebot handele es sich aber nicht um ein Geschenk. Schwellenländer wie Brasilien, Indien und China müssten ähnliche Zugeständnisse bei den Industriezöllen machen. Das hatte zuvor bereits Bundeswirtschaftsminister Michael Glos gefordert. "Große Schwellenländer wie Brasilien, Indien und China dürfen sich nicht hinter der Bezeichnung Entwicklungsland verstecken", schrieb Glos in einem Beitrag für die "Financial Times Deutschland".

Die Ministerkonferenz in Genf soll die im Jahr 2001 gestartete sogenannte Doha-Runde zur weiteren Handelsliberalisierung einem Abschluss näherbringen. Arme und reiche Länder haben unterschiedliche Erwartungen: Entwicklungsländer fordern einen besseren Zugang zu den Agrarmärkten der Industriestaaten, diese wollen vor allem einen freieren Zugang zu Industrie und dem Dienstleistungssektor.

Auch deutsche Firmen sollen profitieren

"Wenn wir nicht alle dieselbe Anstrengungen machen, werden wir bis zum Ende der Woche nichts erreichen", sagte Mandelson. Die EU müsse erst noch "irgendeine Bewegung oder Flexibilität bei Industriezöllen der schnell wachsenden Länder sehen". Glos erklärte: "Für mich ist unverzichtbar, dass auch die großen Schwellenländer ihrer Verantwortung für das multilaterale Handelssystem gerecht werden. Auch sie müssen reale Marktzugangsverbesserungen gewähren. Verbesserter Marktzugang kann nicht nur eine Einbahnstraße sein."

Auch deutsche Unternehmen müssten Vorteile von der angestrebten Handelsliberalisierung haben. "Wenn beispielsweise die EU ihre Zölle im Automobilbereich wie vorgesehen spürbar senkt, kann die einheimische Automobilindustrie nicht mit leeren Händen dastehen", betonte der Minister.

AP AP

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