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Euro-Höhenflug: Unternehmen für Dollar-Sturz gerüstet

Der Euro ist in den vergangenen Wochen stark angestiegen. Dennoch hat sich die deutsche Wirtschaft zuversichtlich gezeigt, dass der Dollar-Absturz diesmal nicht so schnell auf die Exporte durchschlägt wie in früheren Phasen. Dafür gibt es einen einfachen Grund.

Von Hubert Beyerle und Martin Kaelble

"Der weitaus größte Teil der deutschen Exporte wird inzwischen in Euro fakturiert", sagte Niels Oelgart, Leiter des Referats Geld und Währung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Nur 13 Prozent der Exporte deutscher Firmen werden in Dollar bezahlt. Dies könnte den Unternehmen zumindest ein paar Monate mehr Zeit geben, sich auf die neuen Währungskurse einzustellen.

Airbus-Chef warnt vor "lebensbedrohlicher" Dollar-Schwäche

Der Euro hat in den vergangenen Wochen erneut dramatisch an Wert gewonnen und liegt derzeit mit 1,48 Dollar nahe des Rekordhochs. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit europäischer Exportfirmen hat sich damit automatisch verschlechtert. Airbus-Chef Thomas Enders hat vergangene Woche gewarnt, die Dollar-Schwäche sei bereits "lebensbedrohlich". Inzwischen hat auch die Bundesregierung angedeutet, bei einem weiterhin so schwachen Dollar ihre Prognose anpassen zu müssen.

Vielen Unternehmen scheint es gelungen zu sein, Verträge in Euro durchzusetzen. "Selbst nach China wird inzwischen hauptsächlich in Euro fakturiert", sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das kann eine kurze Zeit helfen. Kritischer wird es bei Unternehmen, die im direkten Wettbewerb zu Firmen stehen, die in den USA produzieren. Vor allem kleinere Firmen, die sich keine Absicherung leisten, trifft es nun.

Einige geben sich demonstrativ gelassen. "Die momentane Situation hat uns nicht sonderlich überrascht, denn wir haben mit einem weiteren Kursanstieg des Euro gerechnet", sagte Andreas Kempf, Pressesprecher von Bosch. Bosch betreibt eine größere Zahl von Fertigungsstätten in den USA und hat dort im vergangenen Jahr fast neun Milliarden Dollar Umsatz gemacht. "Damit können wir die momentane Situation gut wegstecken", so Kempf.

Verschiedene Strategien zur Währungsabsicherung

Die Verlagerung von Produktion in den Dollar-Raum ist die langfristig sicherste Form der Absicherung gegen die Dollar-Schwäche. Der Autobauer BMW hat jüngst angekündigt, die Produktion im Werk Spartanburg in South Carolina bis 2010 von 140.000 auf 250.000 Autos hochzufahren. Auch der Airbus-Mutterkonzern EADS hat Produktionsverlagerungen angekündigt.

Viele Exportunternehmen haben sich zudem abgesichert, etwa durch Termingeschäfte oder Optionen. Deren Laufzeiten sind allerdings meist begrenzt, in der Regel auf ein Jahr. "Außerdem sind diese Geschäfte nicht billig", sagte Oelgart.

So bezahlte BMW im vergangenen Jahr für seine Absicherung 666 Millionen Euro. Termingeschäfte und Optionen ermöglichen es dem Käufer, einen in Zukunft benötigten Betrag einer Währung zu einem jetzt bekannten Preis zu erwerben.

Geschäfte mit China und Russland helfen

Die Fakturierung in Euro wiederum hat für die Unternehmen den Vorteil, dass sie bei bestehenden Geschäften keine Gefahr für ihre Gewinnmarge darstellt, stattdessen trägt der Käufer die Last. Allerdings ändert das langfristig nichts daran, dass der Preis des Exportgutes aus Sicht des Importeurs im Dollar-Raum steigt. Das spielt aber erst bei Neuaufträgen eine Rolle, die nach monatelanger Verzögerung in den Umsätzen der Unternehmen zu spüren sind.

Dann kommt es darauf an, ob die Unternehmen ihre Euro-Preise senken, um Marktanteile zu halten - auf Kosten der Gewinnmarge - oder ob sie die Marge konstant zu halten versuchen mit der Gefahr, Marktanteile zu verlieren.

Die Maschinenbauer beispielsweise arbeiten in der Regel mit langen Vorlaufzeiten. Zwischen Auftragsvergabe und Lieferung vergehen oft viele Monate. "Erfahrungsgemäß zeigen sich Folgen eines hohen Währungskurses erst mit etwa eineinhalb Jahren Verspätung", sagte Wiechers vom VDMA.

Noch sind die Bücher der deutschen Maschinenbauer prall gefüllt, hauptsächlich durch die starke Nachfrage aus China und Russland. "Diese Nachfrage kompensiert die US-Schwäche derzeit", so Wiechers. Ohnehin sei in den USA derzeit die konjunkturelle Schwäche gegenüber dem schwachen Dollar das größere Problem. Der VDMA rechnet für 2008 mit einem Exportplus der Mitgliedsunternehmen von acht Prozent, nach zwölf Prozent in diesem Jahr.

FTD