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Das gilt bei fehlerhaften Überweisungen: Was tun, wenn man zehn Millionen auf dem Konto findet?

Eine Australierin hat unverhofft zehn Millionen Dollar auf ihrem Konto gefunden. Einen Tag später war sie das Geld wieder los. Wie wäre die Gesetzeslage in Deutschland? Dürfte man das Geld behalten?

Von Daniel Bakir

Augen auf im Zahlungsverkehr!

Augen auf im Zahlungsverkehr!

Die Australierin Sue Lamb wollte eigentlich nur 100 Dollar abheben. Doch als sie ihren Kontostand sah, musste sie erst einmal schlucken. Irgendwer hatte ihr rund zehn Millionen Dollar überwiesen. Das Bild des Kontoauszugs ging um die Welt, doch die Aufregung währte nur kurz. Einen Tag später war das Geld wieder weg. Wer auch immer diesen gigantischen Irrtum begangen hatte, er hatte ihn offenbar bemerkt.

Fehlerhafte Überweisungen kommen auch bei uns immer wieder vor, wenn auch nicht unbedingt in Millionenhöhe. Im vergangenen Jahr sorgte ein Urteil gegen einen Göttinger Professor für Aufsehen. Der Hochschullehrer hatte sich ein Rezept über 50 Euro erstatten lassen wollen. Doch die Beihilfe (Zuschuss zu Krankenkosten bei Beamten) überwies ihm versehentlich rund 25.000 Euro. Jahre später wurde der Fehler entdeckt. Das Verwaltungsgericht Göttingen entschied, der Professor müsse das Geld zurückzahlen (Az: 4 A 32/13).

Dreijährige Verjährungsfrist

Wer größere Summen auf seinem Konto findet, die er nicht zuordnen kann, sollte mit dem Verprassen lieber warten. Denn nur weil die Kohle auf Ihrem Konto ist, gehört sie noch lange nicht Ihnen. Wenn derjenige, der es Ihnen aus Versehen überwiesen hat, seinen Irrtum bemerkt, müssen Sie das Geld wieder herausrücken. Die Banken können für solche Rückholaktionen übrigens Gebühren vom Absender der fehlerhaften Überweisung verlangen.

Wer eine falsche Überweisung empfängt, kann den Irrtum melden oder das Geld einfach zurück an den Absender überweisen. Laut Bankenverband ist man dazu aber nicht verpflichtet. Wer es darauf ankommen lassen will, kann die Füße still halten und darauf hoffen, dass niemand das Geld vermisst. Die Verjährungsfrist liege laut Bürgerlichem Gesetzbuch bei drei Jahren, sagt eine Sprecherin des Bankenverbandes. Die Frist beginne mit dem Ende des Kalenderjahres. Wenn Sie also morgen zehn Millionen auf dem Konto finden, müssen Sie noch bis zum 1. Januar 2019 durchhalten, bis sie wirklich Millionär sind.

Vorsicht vor Kriminellen

Manchmal steckt hinter dem vermeintlichen Versehen auch kriminelle Energie. Der Bankenverband berichtet von einer Masche, bei der Kriminelle zunächst Geld an Unbekannte überweisen. Anschließend fordern sie die Empänger auf, dass Geld zurückzuzahlen - allerdings auf ein anderes Konto. Als Belohnung für die freundliche Kooperation bieten die Kriminellen häufig zehn Prozent der Summe. Aber Vorsicht: Wer das nette Spielchen mitspielt, kann sich der Geldwäsche schuldig machen.

Teurer Kommafehler

Auch Versehen landen immer wieder vor Gericht. Mit einem besonderen Fall von "dumm gelaufen" beschäftigte sich im vergangenen Jahr das Trierer Amtsgericht. Eine Studentin hatte über Ebay eine Hose für 9,50 Euro verkauft. Die Käuferin wollte großzügig 10 Euro überweisen, vergaß aber das Komma und transferierte 1000 Euro. Die Studentin wies auf den Irrtum hin und bot an, das Geld zurückzusenden.

Doch die Käuferin dachte immer noch, es gehe lediglich um die aufgerundeten 50 Cent und erklärte, alles habe seine Richtigkeit. Als sie den Irrtum später bemerkte, hatte die Studentin bereits einen Großteil des Geldes für Schminkutensilien und Klamotten ausgegeben. Da die Shopping-Queen dies im Glauben tat, das Geld geschenkt bekommen zu haben, musste sie schließlich nur 445 Euro zurückzahlen.