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Fehler bei Ebay-Überweisung: Wieso eine gebrauchte Hose 500 Euro kostet

Eine Frau kauft bei Ebay für 10 Euro eine Hose, versehentlich überweist sie 1000 Euro. Sie will ihr Geld zurück, die Verkäuferin hat es bereits verprasst. Und nun? Ein Gericht hat entschieden.

Von Christoph Fröhlich

Ebay ist ein Paradies für Schnäppchenjäger: Pro Minute wandern dort Hunderte Klamotten über die virtuelle Ladentheke. Auch eine Frau aus dem Raum München versuchte ihr Glück und ersteigerte eine gebrauchte Kinderhose für 9,50 Euro. So weit, so normal. Handschriftlich füllte sie den Überweisungsträger aus, sie rundete den Betrag auf glatte zehn Euro auf und brachte den Beleg zur Bank. Doch der Automat der Bank, der auf das Einlesen von Überweisungsträgern spezialisiert ist, konnte die Handschrift der Frau offenbar nicht vollends entziffern - mit einem folgenschweren Fehler: Weil der Frau das Komma unter die Betragszeile verrutscht war, überwies die Bank 1000 statt 10 Euro.

"Ich bin gerade ein wenig sprachlos"

Die Verkäuferin der Hose, eine Studentin aus Trier, traute ihren Augen kaum: 1000 statt 9,50 Euro? Für eine gebrauchte Kinderhose? Die Studentin bemerkte den Fehler sofort und schrieb die Käuferin an: "Die Zahlung ist eingegangen, allerdings haben Sie sich vertan. Sie haben mir statt 9,50 Euro sage und schreibe 1000 Euro überwiesen. Wenn ich das nicht als Trinkgeld verstehen soll, schicken Sie mir doch bitte Ihre Bankverbindungsdaten, damit ich Ihnen das Geld zurücküberweisen kann."

Die Frau hatte die E-Mail offenbar nur überflogen, denn trotz der Nachfrage bemerkte sie den Fehler nicht. In der Annahme, die E-Mail bezog sich auf die aufgerundeten 50 Cent, schrieb sie zurück: "Nein, das passt schon so ;-)". Die Studentin konnte ihr Glück kaum fassen, sie schrieb eine zweite Mitteilung an die gönnerhafte Käuferin: "Ich bin gerade ein wenig sprachlos über so viel Großzügigkeit. Ich meine, ich will mich nicht beklagen, ich bin eine arme Studentin und kann das Geld wirklich gut gebrauchen. Aber darf ich den Grund für Ihre Großzügigkeit erfahren?"

Selbst schuld?

Nun bemerkte auch die Käuferin aus München, dass ihr ein Fehler passiert war und sie eine falsche Summe per E-Mail bestätigt hatte. Sie forderte die zu viel bezahlten 990 Euro zurück, doch die Studentin hatte einen Großteil der Summe bereits für Schminkutensilien und Klamotten verprasst. Ist die Käuferin also selbst schuld? Oder hätte die Studentin das Geld gar nicht ausgeben dürfen? Der Fall ging vors Trierer Amtsgericht.

"Grundsätzlich gilt im deutschen Recht: Wer eine Leistung ohne rechtlichen Grund erlangt, muss diese Leistung herausgeben. Hier bestand lediglich ein Vertrag, der die Käuferin zur Gegenleistung in Höhe von 9,50 Euro verpflichtete. Somit hatte sie grundsätzlich einen Anspruch auf die Rücküberweisung der Differenz", sagt Rechtsanwalt Christian Solmecke. "Allerdings ist es so, dass derjenige, der die Leistung zu Unrecht erhalten hat, diese nicht herausgeben muss, wenn sie schlichtweg nicht mehr vorhanden ist und der Empfänger gutgläubig war."

Im hier vorliegenden Fall heißt das: Die Studentin muss nicht das zurücküberweisen, was sie bereits ausgegeben hat, da sie davon ausgehen konnte, dass das Geld durch die Großzügigkeit der Käuferin frei zur Verfügung stand. Die Parteien einigten sich auf einen Vergleich: Die Verkäuferin muss 445 Euro an die Käuferin zurückzahlen. "Hätte die Studentin nicht noch einmal bei der Käuferin nachgehakt, wäre das Urteil mit Sicherheit anders ausgefallen", sagt Solmecke. "Hier ist die Richterin von der Gutgläubigkeit der Studentin aufgrund der erhaltenen Antwort der Käuferin ausgegangen. Ohne diese Mail hätte die Studentin nicht davon ausgehen können, dass das Geld ihr tatsächlich zusteht. In dem Fall hätte sie mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit die gesamte Summe zurücküberweisen müssen."

So verhält man sich bei Überweisungsfehlern

Doch wie sollte man sich im Falle eines Überweisungs-Missgeschicks verhalten? "In so einem Fall ist es wichtig, sich sofort mit dem Vertragspartner in Verbindung zu setzen. Am besten schriftlich", rät Rechtsanwalt Solmecke. Im Fall der Hosenkäuferin erklärt er: "Hier hat die Verkäuferin eigentlich alles richtig gemacht, denn sie hat sich umgehend an die Käuferin gewandt, als sie den Fehler bemerkte. Die Käuferin war beim Lesen der E-Mail einfach unaufmerksam. Ein aufmerksames Lesen aller Dokumente vor und nach Vertragsschluss ist jedoch immer anzuraten."

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