16.000 Angestellte betroffen E-Mail zu früh verschickt: Amazon verrät versehentlich Kündigungspläne

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Der weltgrößte Online-Händler Amazon streicht tausende Arbeitsplätze in der Verwaltung
© Wolf von Dewitz / DPA
Mit einer E-Mail wollte Amazon nicht betroffene Mitarbeiter wegen einer Entlassungswelle beruhigen. Doch die Betroffenen wussten noch gar nichts von ihrer Kündigung.

Wenn man Mitarbeiter entlässt, ist das in keiner Firma eine einfache Situation. Man möchte die Betroffenen vorsichtig darauf vorbereiten, bei den Verbleibenden aber keine Sorge und kein schlechtes Gewissen auslösen. Bei Amazon leistete man sich jetzt einen satten Tritt in den Fettnapf – indem man die Bekanntgabe der Kündigungen zuerst an die Mitarbeiter verschickte, die eigentlich bleiben sollen.

"Veränderungen wie diese sind für jeden schwer", heißt es in der E-Mail, die mehreren Medienhäusern vorliegt. "Diese Entscheidungen sind schwer und wir treffen sie gewissenhaft, während wir unsere Organisation für zukünftige Erfolge vorbereiten." Dann folgt die Ankündigung, dass 16.000 Stellen bei dem Konzern gestrichen werden sollen. Die Betroffenen seien bereits informiert. Doch genau das war noch gar nicht passiert.

Versehentlich versandte Mail

Denn die von Colleen Aubrey, einer hochrangigen Managerin des Konzerns, verfasste Mail hätte offenbar noch gar nicht versandt werden sollen. Genau genommen wurde sie das auch gar nicht: Der Mail-Entwurf war Teil einer Termin-Einladung, die an einige Amazon-Mitarbeiter verschickt wurde. Als die Versender das wenige Minuten später entdeckten und die Einladung zurückzogen, war es aber bereits zu spät. Die Meldung der Kündigungen hatte sich bereits intern rasant über das Chat-Werkzeug Slack verbreitet, die Mail war längst an die Presse durchgestochen worden.

Bei den Mitarbeitern löste das Panik aus. Weil offensichtlich niemand über seine Kündigung informiert worden war, stand quasi für alle Angestellten die Möglichkeit im Raum, dass auch sie betroffen sein könnten. Erst am Mittwochmorgen kam dann die offizielle Bestätigung. Ohne auf die Mailpanne einzugehen, verkündete Personalchefin Beth Galetti die vorher geleakte Nachricht.

Neben dem taktlosen Vorgehen sorgt ein weiteres Detail bei den Angestellten für Verärgerung. Die Mail enthielt den Codenamen, den die Konzernführung offenbar für die Entlassungen nutzt. "Project Dawn" – Projekt Morgengrauen – werden die Massenentlassungen dem Dokument zufolge genannt.

Amazon will Geld sparen

Völlig überraschend kamen die Kündigungen indes nicht. Schon im Oktober hatte Amazon 14.000 Stellen gestrichen, man habe weitere Streichungen bereits seit Wochen erwartet, sagte ein im Oktober entlassener Mitarbeiter der "BBC". Betroffen sind in erster Linie Stellen im organisatorischen Teil der Firma. Hier machen die gestrichenen 30.000 Stellen etwa zehn Prozent der Mitarbeiter aus. Insgesamt hat Amazon weltweit mehr als 1,5 Millionen Mitarbeiter.

Bei den Streichungen gehe es in erster Linie darum, Bürokratie und Managementebenen abzubauen, heißt es in dem Schreiben an die Angestellten. Amazon-Chef Andy Jassy setzt seit der Übernahme des Führungspostens von Gründer Jeff Bezos vor vier Jahren auf eine schlankere Struktur, mehr KI und eine strengere Firmenkultur. Neben früheren Streichrunden führte Amazon unter Jassy etwa als eine von wenigen großen Techfirmen auch wieder eine Anwesenheitspflicht im Büro für fünf Tage die Woche ein.

Amazon will auch an zahlreichen anderen Enden sparen. Selbst Rechnungen von Firmenhandys sollen kontrolliert werden, um die Kosten zu senken. Und der Konzern kündigte gerade an, alle Filialen seiner Fresh-Supermärkte zu schließen.

Quellen: BBC, ABC News

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