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Fernsehen: Berlusconi liebäugelt mit ProSiebenSat.1

Die Interessenten für eine Übernahme von ProSiebenSat.1 stehen Schlange. Unter den Bewerbern ist auch "Mediaset", der Konzern des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Der italienische Medienkonzern Mediaset von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi prüft einen Kauf des größten deutschen TV-Konzerns ProSiebenSat.1. "Mediaset wird am Dienstag in einer Verwaltungsratssitzung entscheiden, ob es ein nicht bindendes Angebot vorlegt", sagte Mediaset-Sprecher Paolo Calvani am Freitag der dpa. Einzelheiten nannte er nicht. "Bisher handelt es sich lediglich um ein vorhandenes Interesse." Nach einem Bericht der römischen Zeitung "Il Messaggero" will Mediaset über ein unverbindliches Angebot für 50,5 Prozent der ProSiebenSat.1-Anteile entscheiden.

Eine ProSiebenSat.1-Sprecherin wollte das Interesse von Mediaset nicht kommentieren. Die Senderkette ist derzeit mehrheitlich im Besitz einer Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban. Sie hatte die Sendergruppe günstig nach der Insolvenz der KirchGruppe erworben. Ein Verkauf an die Axel Springer AG scheiterte an Kartellproblemen. Nun startet laut Branchenkreisen eine neue Verkaufsrunde. Investmentbanken sammeln derzeit die Gebote; ein Verkauf könnte noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Früher bereits Interesse an KirchMedia

Zur Mediaset-Gruppe, die in der Hand der Familie Berlusconis ist, gehören unter anderem die drei größten TV-Privatsender Italiens. Der Medienkonzern war bereits früher an einer Übernahme der KirchMedia interessiert, zu der ProSiebenSat.1 bis zur Pleite der KirchGruppe gehörte.

Laut Branchenkreisen gibt es neben Mediaset eine Reihe von weiteren Interessenten. Dazu gehören vor allem KKR und Permira. Den beiden Beteiligungsgesellschaften gehört bereits der europäische TV- Konzern SBS. Hier wäre eine enge Kooperation mit ProSiebenSat.1 oder sogar eine Zusammenlegung denkbar. Als Kaufkandidaten werden zudem unter anderem Apax und Goldman Sachs genannt, die dem Vernehmen nach gemeinsam bieten könnten.

Die ProSiebenSat.1-Vorzugsaktien konnten angesichts der Nachrichten aus Italien zeitweise um mehr als fünf Prozent zulegen. Allerdings schmolz das Plus rasch zusammen, am Freitagmittag lag der Kurs noch leicht im Plus bei 23 Euro. Die Mediaset-Aktie konnte zeitweise ebenfalls leicht auf 8,80 Euro zulegen.

DPA / DPA