VG-Wort Pixel

"Cavaliere" tritt Sozialdienst an Berlusconi geht ins Altenheim


An diesem Freitag erlebt Italien, was lange Zeit als schier unmöglich galt: Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi tritt seine Strafe an. Unterdessen wurde einer seiner Ex-Minister festgenommen.

Der wegen Steuerbetrugs zu zehn Monaten Sozialdienst verurteilte frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi beginnt an diesem Freitag seinen Dienst in einem Altenheim bei Mailand. Nach Angaben des Leiters der katholischen Fondazione Sacra Famiglia, Paolo Pigni, beginnt der 77-Jährige seien Dienst um 9.45 Uhr in der Station für Demenzkranke und Alzheimerpatienten.

Berlusconi soll beim Morgenprogramm helfen. Der Ex-Regierungschef muss laut dem Urteil eines Mailänder Gerichts seinen Dienst mindestens vier Stunden pro Woche versehen leisten. Der konservative Politiker und Unternehmer war wegen Steuerbetrugs bei seinem Medienkonzern Mediaset zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Die Haft bleibt ihm wegen seines fortgeschrittenen Alters erspart.

Weggefährte Berlusconis wegen Mafiaverdacht verhaftet

Unterdessen ist ein ehemaliger Minister und langjähriger Weggefährte des "Cavaliere" wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Mafia festgenommen worden. Claudio Scajola wurde am Donnerstag in einem Hotel in Rom gefasst, wie die Staatsanwaltschaft in Reggio Calabria in Süditalien mitteilte. Er stehte unter dem "schweren Verdacht", dem wegen Mafia-Verbindungen verurteilten Unternehmer Amedeo Matacena bei der Flucht geholfen zu haben. Berlusconi erklärte, die Festname Scajolas tue ihm leid.

Matacena war 2010 wegen Absprachen mit dem kalabrischen 'Ndrangheta-Clan letztinstanzlich zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er setzte sich jedoch nach Dubai ab und versuchte Medienberichten zufolge später mit Scajolas Hilfe, in den Libanon zu fliehen. Die Polizei nahm noch mehrere weitere Verdächtige fest, darunter Matacenas Mutter und Scajolas Sekretärin.

Der Minister, der zwei Mal zurücktrat

Scajola galt jahrelang als enger Verbündeter Berlusconis und war zwischen 2001 und 2010 mehrfach Minister. 2002 musste er als Innenminister zurücktreten, nachdem er abfällige Äußerungen über den ermordeten Regierungsberater Marco Biagi gemacht hatte. Er wurde außerdem dafür verantwortlich gemacht, dass Biagi der Personenschutz gestrichen worden war.

2010 musste Scajola nach Korruptionsvorwürfen als Minister für wirtschaftliche Entwicklung zurücktreten. In der Affäre ging es um den Kauf einer Wohnung mit Blick auf das Kollosseum in Rom, für die Scajola offiziell nur 600.000 Euro zahlte. Später tauchten jedoch noch Schecks über 900.000 Euro auf, die ein Unternehmer angeblich ohne Scajolas Wissen für die Wohnung bezahlt hatte.

ono/AFP AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker