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Illinois Online-Finanzdienstleister Robinhood nach Suizid eines Nutzers unter Druck

Die App Robinhood auf einem Handy-Display
Der Broker Robinood war zuletzt im Zusammenhang mit den Börsen-Turbulenzen rund um den Computerspielehändler Gamestop in die Schlagzeilen geraten
© Olivier Douliery / AFP
Nach dem Suizid eines jungen Nutzers der App Robinhood hat die Familie des Opfers den US-Finanzdienstleister verklagt.

Der 20 jährige Alex K. nahm sich das Leben, da er glaubte, bei der Finanz-App Robinhood 730.000 Dollar (etwa 600.000 Euro) Schulden zu haben. Seine Familie klagt nun gegen die App-Betreiber. Robinhood ziehe mit "aggressiven Taktiken und Strategien" junge unerfahrene Investoren an, damit diese "große Risiken für den Reiz verlockender Gewinne aufnehmen", heißt es in der am Montag in Santa Clara im Bundesstaat Kalifornien eingereichten Klage. Alex K. hatte sich im Juni vergangenen Jahres das Leben genommen.

Robinhood mit Sitz im Silicon Valley ist eine besonders für Kleinanleger gedachte Handelsplattform, auf der Nutzer schon mit wenig Geld in Finanzprodukte investieren können. Der Broker war zuletzt im Zusammenhang mit den Börsen-Turbulenzen rund um den Computerspielehändler Gamestop in die Schlagzeilen geraten. Es gab Kritik an Robinhood, weil das Unternehmen nach den durch Kleinanleger ausgelösten Kursanstiegen den Kauf der Aktien von Gamestop und weiterer Unternehmen eingeschränkt hatte.

Robinhood-Account seit Schulzeiten

Alex K. hatte noch zu Schulzeiten einen Robinhood-Account eröffnet und später wild mit Finanzprodukten und Optionen gehandelt und spekuliert. Eines Tages fand er seinen Account bei der App in den roten Zahlen vor – dort stand das Minus von über 730.000 Dollar. Er schuldete dem Unternehmen dieses Geld zwar nicht, sei aber zu unerfahren gewesen, um die Mitteilung zu verstehen, heißt es in der Klage, die seine Eltern und seine Schwester einreichten.

Der junge Mann aus Illinois habe anschließend mehrfach versucht, den Kundendienst von Robinhood zu kontaktieren, jedoch nur automatische Antworten erhalten. Er sei schließlich in "komplette Panik" verfallen, weil er dachte, er müsse die komplette Summe an Robinhood zurückzahlen. Seine Familie macht Robinhood für den Tod des Mannes verantwortlich und wirft dem Unternehmen unfaire Geschäftspraktiken vor.

Der Finanzdienstleister vermarkte seine Plattform "wie ein Videospiel" und suggeriere, dass Aktienhandel und Optionen "lustige Wege" seien, um Geld zu machen und sogar reich zu werden, monieren die Kläger. Sie verlangen Entschädigung, die Höhe der geforderten Summe blieb aber unbekannt.

Robinhood erklärte über eine Sprecherin, das Unternehmen sei bereits damals "erschüttert" vom Tod des jungen Mannes gewesen. "Tragischerweise" sei die Kommunikation missverständlich gewesen, denn Alex habe niemandem Geld geschuldet. Robinhood habe in der Folge sein Angebot überarbeitet – vor allem mit mehr Hinweisen an die Nutzer. Robinhood solle weiterhin ein Ort bleiben, an dem Nutzer "verantwortungsvoll investieren" können.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Für Kinder und Jugendliche steht auch die Nummer gegen Kummer von Montag bis Samstag jeweils von 14 bis 20 Uhr zur Verfügung - die Nummer lautet 116 111.

km AFP

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