Finanzkrise Börsen spielen verrückt


Rapides Auf und Ab an der Börse: Zunächst stürzt der Dow-Jones-Index in New York steil ab, dann macht er binnen Minuten 700 Punkte gut, um kurz darauf wieder abzustürzen. Kein Wunder, dass da auch die Dax-Kurve heftige Ausschläge verzeichnet.

Die Angst vor den Folgen der Finanzmarktkrise und einer weltweiten Rezession hat die Anleger am Freitag rund um den Globus in Panik versetzt. Entsprechend heftig waren die Ausschläge: Binnen weniger Minuten nach Handelsbeginn sackte der Dow-Jones-Index in New York um nahezu 700 Punkte unter die 8000er-Marke ab, erholte sich rasant und ging dann wieder auf Talfahrt. Nach den ersten Handelsstunden lag er noch mit 2,8 Prozent im Minus. Der Dax tendierte zeitgleich rund sechs Prozent im Minus.

An den sieben vorherigen Handelstagen hatte das amerikanische Börsenbarometer bereits 2271 Punkte verloren. Händler sprachen von Panikverkäufen. Die Anleger hätten Angst vor einem von der Finanzkrise ausgelösten weltweiten Wirtschaftsabschwung, erklärten Börsianer. "Die Panik und die Angst, die wir sehen, haut einen um."

Auch in Asien und Europa herrschte Endzeitstimmung. Der Deutsche Aktienindex (Dax) stürzte bis zum Nachmittag zeitweise um fast 12 Prozent in die Tiefe. Allein in dieser Woche hat der Dax rund ein Viertel eingebüßt. "Die Aussichten für die Wirtschaft sind düster, wir sehen einen Käuferstreik am Aktienmarkt", sagte ein Händler. "Hier herrscht Untergangsstimmung. Keiner kann sagen, wie weit es noch nach unten geht", beschrieb ein anderer Börsianer die Stimmungauf dem Frankfurter Parkett.

Auch in Paris, London und der Schweiz setzte sich der Ausverkauf fort. An den Börsen in Wien, Moskau, Bangkok und Jakarta wurde der Aktienhandel vorübergehend ausgesetzt. An der Tokioter Börse verlor der Leitindex Nikkei im Handelsverlauf teilweise 11,4 Prozent, er schloss mit einem Minus von 9,6 Prozent. Der Hang Seng in Hongkong sowie Australiens Börse sackten jeweils um gut 8 Prozent ab.

"Wie Bungee Jumping ohne Gummiseil

Analysten zeigten sich angesichts des dramatischen Absturzes fassungslos und ratlos. Marktbeobachter sprachen von Bungee Jumping ohne Gummiseil". "Wir sehen eine Kernschmelze an den Börsen der Welt, ausgelöst durch die wachsende Angst vor einer weltweiten Rezession", sagte Kazuhiro Takahashi vom Versicherer Daiwa Securities SMBC. Investmentexperte Jack Ablin von der Harris Private Bank sprach von extremer Angst und Panik an den Börsen. "Der Trend läuft gegen den Markt und niemand will von diesem Zug getroffen werden."

Die St. Galler Privatbank Wegelin fragte in ihrem Marktbericht ratlos: "Was soll ein Berichtverfasser angesichts solch niederschmetternder Keulenschläge an den Weltbörsen noch von sich geben?" Der Großrückzug der Investoren sei voll im Gang. Die Wertvernichtung des Sieben-Tage-Crashes sei signifikant und dies obwohl oder gerade weil die Regierungen, Notenbanken und Behörden rund um den Globus mit diversen Rettungsplänen und Maßnahmen versucht hätten, gegenzusteuern.

Mit Skepsis beurteilen Investoren das Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten am Wochenende in Washington. "Die Investoren sind sich nicht so sicher, dass die G7 effektive Schritte einleiten werden, um die globale Finanzkrise einzudämmen", sagt Yutaka Miura von der Versicherung Shinko Securities.

GM-Aktie verliert dramatisch

Ein Drama erlebte am Donnerstag der mit Milliardenverlusten kämpfende US-Autobauer General Motors (GM): Die bereits taumelnde Aktie des Opel-Mutterkonzerns stürzte um weitere 31 Prozent auf nur noch 4,76 Dollar ab - sie lag damit so tief wie seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht. Gemessen an dem jetzigen Aktienkurs ist GM nur noch etwa vier Milliarden Dollar wert. Im Vergleich dazu ist sein deutscher Konkurrent Volkswagen mit einer Marktkapitalisierung von rund 130 Milliarden Dollar mehr als 30-mal teurer.

joe/Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

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