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Finanzkrise: Citigroup braucht deutlich mehr Staatshilfe

Die einst größte Bank der Welt hat bereits 45 Milliarden Dollar Finanzhilfe aus Washington erhalten - damit hält die US-Regierung schon jetzt acht Prozent des Kreditinstituts. Doch das reicht der Citigoup offenbar nicht. Medienberichten zufolge könnte der Anteil des Staates auf bis zu 40 Prozent steigen.

Der schwer angeschlagene US-Finanzkonzern Citigroup will sich laut übereinstimmenden Medienberichten durch eine Teilverstaatlichung vor dem Abgrund retten. Die ehemals größte Bank der Welt drängt die US-Regierung demnach zur Aufstockung des Staatsanteils auf bis zu 40 Prozent. Der Schritt soll den lebensbedrohlichen Börsenabsturz der Citigroup stoppen, die mit ihren enormen Milliardenverlusten zu den weltweit größten Verlierern der Finanzkrise zählt.

Der amerikanische Staat hält durch Kapitalspritzen von insgesamt 45 Milliarden Dollar bereits knapp acht Prozent an der Citigroup über Vorzugsaktien. Diese stimmrechtslosen Papiere könnten nach den Plänen in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt werden, berichteten etwa das "Wall Street Journal" und die "Financial Times" am Montag unter Berufung auf Insider. Dies solle das Vertrauen der Märkte in die Bank und ihre Kapitalbasis stärken.

Eine Umwandlung in Stammaktien koste keine neuen Steuergelder, hieß es. Die Anteile bestehender Aktionäre würde dies aber stark nach unten drücken, der Einfluss des Staates würde umgekehrt massiv steigen. Der Schritt des Finanzriesen könnte zudem weitere US-Banken um solche Hilfen bitten lassen. Allerdings erklärte die an der Börse auch schwer unter Druck geratene Bank of America, keine größere Staatsbeteiligung zu diskutieren. Auch sie erhielt bereits staatliche Milliardenhilfen.

Die Citigroup hat den Plan den Berichten zufolge zunächst unter anderem der für die Aufsicht zuständigen US-Notenbank Fed vorgeschlagen. Der Regierung solle er später vorgelegt werden. Washington hatte gerade Spekulationen zur Verstaatlichung in Not geratener Großbanken klar zurückgewiesen. Über die Kapitalspritzen hinaus hatte der Staat über der Citigroup Ende vergangenen Jahres einen enormen Rettungsschirm mit Garantien von mehr als 300 Milliarden Dollar aufgespannt. Wegen der massiven Probleme der Bank wird bereits über eine Ablösung des erst seit gut einem Jahr amtierenden Konzernchefs Vikram Pandit spekuliert.

In einer ersten Börsenreaktion schoss die Citigroup-Aktie am Montag deutlich nach oben, im Frankfurter Handel etwa um rund 30 Prozent. Der Grund sei, dass die Bank entgegen jüngsten Gerüchten doch nicht vollständig verstaatlicht werde, so Analysten. Am Freitag hatten die Verstaatlichungsgerüchte die Aktie auf unter zwei Dollar fallen lassen - so tief wie seit 18 Jahren nicht. Binnen zwölf Monaten büßte die Bank mehr als 90 Prozent ihres Börsenwertes ein. Der dramatische Kursverfall weckt Erinnerungen an den Absturz von US-Banken im vergangenen Herbst, der etwa der Investmentbank Lehman Brothers am Ende das Genick gebrochen hatte. Der Zusammenbruch von Lehman sorgte für einen Höhepunkt der Finanzkrise mit weltweiten Schockwellen, die wiederum zur aktuellen Wirtschaftskrise führten.

Weltweit kommt es in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise zunehmend zu Verstaatlichungen im Bankensektor, die in der Branche bis vor kurzem noch als undenkbar galten. Die Bundesregierung billigte mit Blick auf die Rettung der ums Überleben kämpfenden Hypo Real Estate gerade ein Gesetz, mit dem erstmals in Deutschlands Nachkriegsgeschichte Banken verstaatlicht und ihre Eigentümer enteignet werden können. In Großbritannien hat die Regierung bereits Großbanken weitgehend verstaatlicht. In den USA war in der aktuellen Krise die faktische Übernahme des einst weltgrößten Versicherers AIG im vergangenen Jahr der spektakulärste Fall.

DPA / DPA