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Kuriose Pläne: Greenpeace will Vattenfall Braunkohlesparte abkaufen

Die schwedische Landesorganisation von Greenpeace hat Interesse an einem Kauf der Braunkohle-Tagebaue des Staatskonzerns Vattenfall in Brandenburg und Sachsen. Die Braunkohle soll dann unter der Erde bleiben.

Greenpeace will auch den Braunkohletagebau in Jänschwald kaufen

Greenpeace will unter anderem den Braunkohletagebau in Jänschwalde von der Vattenfall AG kaufen

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat einen unerwarteten Kaufinteressenten für sein Braunkohlegeschäft in Deutschland gefunden: die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Greenpeace Schweden veröffentlichte am Dienstag auf seiner Website einen Brief an die US-Bank Citigroup, die von Vattenfall mit dem Verkauf beauftragt wurde. "Wir werden mit Vattenfall ernsthaft über die Übernahme reden", erklärte die Präsidentin von Greenpeace Schweden, Annika Jacobson. Die schwedische Regierung dürfe es nicht hinnehmen, wenn ein Käufer dagegen weiter große Kohlemengen verbrenne. "Das ist ein Signal, das Schweden vor der Pariser Klimakonferenz nicht geben kann." Greenpeace kenne sich gut aus mit den Zukunftsfragen des Energiemarktes und der Entwicklung der Klimapolitik.

Durch den Kauf wolle Greenpeace das Wachstum der Kohlebranche begrenzen, erklärte Greenpeace. Wenn das Braunkohlegeschäft an andere Käufer gehe, sei es "wahrscheinlich, dass fünf neue Minen öffnen". Dies werde zu erheblichen CO2-Emissionen führen.

"Jedes ernsthafte Angebot" willkommen

Der Konzern hatte am 22. September den Verkauf seines deutschen Braunkohlegeschäfts gestartet. Eine Vattenfall-Sprecherin sagte am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, es handele sich um einen "offenen Prozess", in dem "jedes ernsthafte Angebot" willkommen sei.

Den Angaben von Vattenfall vom September zufolge steht das gesamte Geschäft der Braunkohleverstromung und des Braunkohletagebaus in Deutschland zum Verkauf: die Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe in Brandenburg, Boxberg und Block R der Anlage Lippendorf in Sachsen sowie die dazugehörigen Tagebaubetriebe in der Lausitz.

Auch zehn Wasserkraftwerke nicht weit vom Braunkohlerevier in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stehen zum Verkauf. Nach Angaben der "Welt" könnte der Buchwert der Braunkohlesparte zwischen drei und fünf Milliarden Euro liegen. Da das Geschäft aber kaum profitabel sei, müsse Vattenfall es möglicherweise „verschenken“. Problematisch für Greenpeace wäre allerdings, dass rund 8200 Arbeitsplätze direkt an den Objekten hängen. Dafür wäre die Umweltschutz-Organisation nach einem Kauf verantwortlich.

Der Energiekonzern Vattenfall, zu hundert Prozent im Staatsbesitz, hatte im vergangenen Oktober den Verkauf seines Braunkohlegeschäfts angekündigt. Hintergrund ist eine politisch gewollte Umorientierung nach dem jüngsten Machtwechsel in Schweden. Dort bilden Sozialdemokraten und Grüne seit knapp einem Jahr eine Minderheitsregierung.

 

mka / DPA / AFP