HOME

Finanzkrise: Kreditwirtschaft will IKB verkaufen

Die Mittelstandsbank IKB ist durch die US-Immobilienkrise in Turbulenzen geraten. Nun zieht die deutsche Kreditwirtschaft nach einer Krisensitzung die Notbremse - jedoch nicht auf die Art und Weise, die viele erwartet hatten.

Angesichts der sich zuspitzenden Krise bei der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB zieht die deutsche Kreditwirtschaft die Notbremse. Das Düsseldorfer Geldinstitut solle verkauft werden, teilte die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) am Donnerstag nach einer Krisensitzung des sogenannten Bankenpools mit. "Die Arbeit am Gesamtkonzept, das in einen erfolgreichen Verkauf der IKB münden soll, wird vorangetrieben", sagte ein KfW-Sprecher. Damit trat er Gerüchten entgegen, wonach der IKB die Schließung droht. Die staatliche KfW-Bankengruppe ist mit 37,8 Prozent größter Anteilseigner.

Zuvor hatte der Bankenpool ein neues Paket zur Rettung der IKB mit einem Volumen von 350 Millionen Euro geschnürt. Dadurch sollen Kreditlinien abgesichert werden, die andere Banken der IKB gewährt haben. In der Vergangenheit hatte unter anderem die Commerzbank Interesse an einer Übernahme der IKB bekundet. "Sicher interessieren wir uns für die IKB, aber bis ein Verkauf spruchreif ist, vergehen noch Monate. Und der ganz große Wurf wäre dies angesichts einer Bilanzsumme von 53 Milliarden Euro auch nicht", hatte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller im Oktober gesagt. Am Donnerstag wollte sich die Commerzbank nicht äußern.

IKB verschiebt Bilanzveröffentlichung

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte bereits Ende Oktober erklärt, dass sein Haus nicht interessiert sei. Die IKB war die erste Bank in Deutschland, die wegen der Krise auf dem US-Immobilienmarkt in schwere Turbulenzen geriet. Bereits Ende Juli sprang die KfW der Mittelstandsbank mit einer Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro zur Seite. Sie übernahm auch 2,5 Milliarden Euro einer Risikoabschirmung, die ein Volumen von damals insgesamt 3,5 Milliarden Euro hatte. Die bundeseigene KfW musste zudem Anfang der Woche ihre Risikovorsorge um 2,3 Milliarden Euro auf 4,8 Milliarden Euro erhöhen. Die IKB verschob die für Freitag geplante Veröffentlichung ihrer Halbjahreszahlen. Nach Auswertung eines Sondergutachtens würden bilanzielle Veränderungen vorgenommen, besonders die Berücksichtigung der IKB-Zweckgesellschaft Rhineland Funding. Dies sei extrem aufwendig angesichts von mehr als 30 Gesellschaften mit eigenen Jahres- und Zwischenabschlüssen.

Die erfolgsverwöhnte Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) teilte unterdessen mit, sie müsse wegen der Finanzmarkt-Turbulenzen eine Belastung von 800 Millionen Euro hinnehmen. Ein Großteil des Betrags werde allerdings ergebnisneutral verbucht. Im dritten Quartal sei das Ergebnis vor Steuern um 14,9 Prozent auf 656 Millionen Euro gesunken. Trotz aller Turbulenzen haben sich die deutschen Kreditinstitute laut Bundesbank insgesamt gut behauptet. Das deutsche Finanzsystem habe seine volle Funktionsfähigkeit und Stabilität bewahrt, erklärte Bundesbankvizepräsident Franz-Christoph Zeitler bei der Präsentation des Finanzmarktstabilitätsberichts 2007. Zeitler rechnet angesichts der Finanzmarkt-Turbulenzen mit Wertberichtigungen bei deutschen Banken und einer Verteuerung der Kredite am Kapitalmarkt, mit denen sich Institute refinanzieren. Das Risiko, dass daraus nennenswerte negative Folgen für die Konjunktur entstünden, sei jedoch gering. Allerdings räumte Zeitler ein, dass die Unsicherheit am Finanzmarkt anhalten dürfte. Wegen des Weiterverkaufs von Krediten sei derzeit unklar, bei welchem Finanzinstitut welche Risiken lägen. Zeitler mahnte eine verbesserte Transparenz an.

Matthias Armborst/AP / AP