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Tagesgeld und Festgeld Klamme Banken locken mit hohen Zinsen


Weil die Banken Geld brauchen, ist der Wettbewerb um Privatkunden voll entbrannt. Private Einlagen sind für die Institute wertvoller denn je. Davon profitieren die Verbraucher: Die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld sind hoch.

Sparen lohnt sich wieder - zumindest machen die Banken verlockende Angebote. Ausgerechnet die IKB lockt gerade mit ungewöhnlich hohen Sparzinsen - und wird prompt Testsieger der Zinsstudie von "Finanztest". Zur Erinnerung: Vor viereinhalb Jahren stand die Mittelstandsbank aus Düsseldorf noch am Abgrund, nur Steuermilliarden konnten sie vor der Pleite bewahren.

Wie die IKB machen es derzeit auch andere Institute: Sie locken Sparer mit Zinsen, die deutlich über dem allgemeinen Zinsniveau liegen. Das scheint auf den ersten Blick paradox, denn die Europäische Zentralbank (EZB) senkte den Leitzins im Euro-Raum im Dezember auf das Rekordtief von 1,0 Prozent. In der Regel reichen Banken Zinssenkungen rasch an die Kunden weiter. Verbraucherschützer machen die Erfahrung, dass die Geldinstitute eine Zinssenkung schneller weitergeben als eine Erhöhung - jedenfalls wenn es um die Guthaben der Kunden geht. Bei Krediten ist es umgekehrt.

"Die verschärften Vorgaben der Bankenaufsicht motivieren die Geldhäuser, neues Geld von Kunden einzuwerben - und dazu sind attraktive Konditionen nötig", erläutert Max Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH, die regelmäßig die Entwicklung auf dem Zinsmarkt erfasst. Hinzu kommt, dass das Vertrauen der Banken untereinander in der aktuellen Krise gering ist und sich die Institute deshalb kaum gegenseitig Geld leihen. Das wird jedoch dringend benötigt.

Neue Vorgaben für mehr Eigenkapital

So verlangt die europäische Bankenaufsicht (EBA) von den Geldhäusern bis Ende Juni 2012 eine Kernkapitalquote von neun Prozent als Puffer für Krisenzeiten. Nach EBA-Berechnungen fehlen Europas Banken dafür rund 115 Milliarden Euro - allein bei großen deutschen Instituten klafft eine Lücke von insgesamt 13,1 Milliarden Euro. Zudem müssen die Institute gigantische Berge an Anleihenschulden tilgen, nach Expertenschätzungen rund 725 Milliarden Euro in diesem Jahr.

Zwar hat die EZB ihre Geldschleusen weit geöffnet, doch die Institute brauchen nicht nur kurzfristig frische Liquidität, sondern auch langfristig eine verlässliche Kundenbasis. Das verlangen die strengeren Bankenregeln (Basel III), die ab 2013 greifen sollen. "Im Zuge von Basel III wächst die Bedeutung von Kundeneinlagen", sagt Bankenexperte Christoph Kaserer von der TU München. "Da müssen Banken versuchen, sich Marktanteile zu sichern - zumal man weiß, dass Privatkunden eher träge sind."

Beim Wechsel zum Tages- oder Festgeldangebot einer anderen Bank sollten Verbraucher aber nicht nur auf die Zinsen, sondern auch auf langfristige Garantien achten. Lockangebote habe es schon immer gegeben, erinnert Kaserer. Langfristig müsse eine Bank aber auch durch entsprechend rentable Geschäfte die hohen Renditen bieten können. "Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen", sagt Kaserer.

Bis zur vier Prozent Zinsen fürs Festgeld

Die besten Tagesgeldkonditionen gibt es derzeit bei den Direktbanken. Spitzenreiter im "Finanztest"-Vergleich: die luxemburgische Advanzia-Bank. Sie bietet aufs Tagesgeld drei Prozent Zinsen im Jahr. Es folgen die niederländische NIBC Direct und die österreichische Denizbank mit jeweils 2,75 Prozent Verzinsung (Stand: 17. November 2011). Wer aktuell bei der IKB Geld für drei Jahre festlegt, dem garantiert das Institut jährlich vier Prozent Zinsen. Da können die Festgeldangebote der anderen 93 von "Finanztest" untersuchten Banken kaum mithalten.

Sind solche Angebote riskant? Nein, meint Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. "Die IKB ist im Einlagensicherungsfonds. Wenn der kein Geld mehr hat, wende ich mich an Frau Merkel." Die Kanzlerin hatte im Herbst 2008, kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die Latte hochgehängt. Um zu verhindern, das panische Anleger die Banken stürmen und ihre Konten plündern, verkündete Angela Merkel eine Garantie für alle privaten Einlagen: "Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind."

Seit Dezember 2010 ist im Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz geregelt: Guthaben auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten, auf Sparbüchern und Sparbriefen sind bis zu einer Summe von 100.000 Euro geschützt - pro Kunde und Bank. Zudem ist etwa die IKB Mitglied im Einlagensicherungsfonds der privaten Banken, der aktuell mindestens 1,5 Millionen Euro pro Kunde und Kreditinstitut absichert. "Da wir diese sehr üppige Einlagensicherung haben, ist das Risiko für Privatkunden relativ gering", bekräftigt Kaserer.

Wechselwillige sollten allerdings die Angebote genau prüfen. So gilt die Einlagensicherung nur für Banken aus EU-Ländern. Branchenkenner erinnern an den Fall der isländischen Kaupthing Bank: Tausende Sparer aus Deutschland ließen sich von den Isländern mit immens hohen Tagesgeldzinsen locken - und mussten nach der Pleite der Bank im Oktober 2008 um ihr Geld bangen.

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pen/DPA DPA

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