HOME

KfW: Milliardenverluste und Ärger mit Ex-Vorständen

Die staatliche Bank KfW will ihre früheren Chefs auf Schadenersatz verklagen. Grund ist die Überweisung an die Pleitebank Lehman Brothers und der daraus resultierende Schaden. Doch die entlassenen Vorstände sind sich offenbar keiner Schuld bewusst: Sie wollen ihrerseits auf Weiterzahlung ihrer Chefgehälter und Pensionen in Millionenhöhe klagen.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) prüft wegen ihrer Überweisungspanne eine Schadenersatzklage gegen die früheren Vorstände Detlef Leinberger und Peter Fleischer. Beide hätten sich fehlerhaft verhalten, sagte KfW-Vorstandschef Ulrich Schröder am Freitag in Frankfurt. Die beiden Vorstände waren bereits fristlos entlassen worden, nachdem die Bank am Tag des Insolvenzantrags von Lehman Brothers mehr als 300 Millionen Euro an die Investmentbank überwiesen hatte.

Wie Schröder weiterhin bekannt gab, erlitt die staatliche KfW-Bankengruppe im vergangenen Jahr einen Verlust von knapp 2,7 Milliarden Euro. 2007 hatte die Staatsbank sogar einen Verlust von 6,2 Milliarden Euro eingefahren. Damals wurde sie vor allem durch die Rettungsmaßnahmen zugunsten ihrer inzwischen verkauften Tochter, der Mittelstandsbank IKB, belastet. Das Engagement bei dem Düsseldorfer Institut habe die KfW insgesamt 8,4 Milliarden Euro gekostet.

Im vergangenen Jahr habe die KfW 1,5 Milliarden Euro auf Wertpapiere abschreiben müssen, berichtete Schröder weiter. Allein die Fehlüberweisung an Lehman Brothers sowie Engagements in Island haben die Staatsbank laut "Financial Times Deutschland" 700 Millionen Euro gekostet.

"Dieser Abschluss ist in Gänze überhaupt nicht befriedigend", räumte Schröder ein. In diesem Jahr wolle die KfW aber wieder in die Gewinnzone zurückkehren. "Wir werden ein deutlich schwarzes Ergebnis hinlegen", sagte Schröder. Die zwei ersten Monate des Jahres seien ermutigend.

Die Verantwortlichen für die Verluste der Vergangenheit pochen indes auf ihre Ansprüche. Vorstandschef Schröder bestätigte, dass mehrere entlassene Vorstände von KfW und IKB auf Weiterzahlung ihrer Chefgehälter und Pensionen in Millionenhöhe klagen. Die Ex-Vorstände Leinberger und Fleischer hätten beim Landgericht Frankfurt/Main Feststellungsklagen erhoben. Sie wollten damit juristisch feststellen lassen, dass ihre fristlosen Kündigungen unwirksam waren und ihre Vorstandsverträge mit je 466.000 Euro Gehalt weiter gelten.

Auch der frühere Vorstandsvorsitzende der finanziell angeschlagenen IKB, Stefan Ortseifen, geht mit einer Feststellungsklage gegen seine Kündigung vor. Ortseifen soll für die Fast-Pleite der Düsseldorfer Bank verantwortlich sein, die nur mit zehn Milliarden Euro Staats- und Bankengarantien gerettet werden konnte. Er verdiente zuletzt 1,6 Millionen Euro im Jahr und hatte einen Pensionsanspruch von 378.000 Euro pro Jahr. Laut Vorstandsvertrag stehen ihm bei einer Kündigung bis zu drei Millionen Euro Abfindung, danach die Pension bis zum Lebensende zu.

AFP/Reuters/DPA / DPA / Reuters