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Finanzsektor: Deutsche Bank will bei Sal. Oppenheim einsteigen

Die Deutsche Bank plant eine Beteiligung an Europas größter Privatbank Sal. Oppenheim. Der deutsche Branchenprimus hat bereits ein unverbindliches Angebot für einen Einstieg vorgelegt. Angeblich ist sogar die Übernahme der Mehrheit im Gespräch.

Die Deutsche Bank steht vor einem Einstieg bei der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim. Der deutsche Branchenprimus und Sal.Oppenheim bestätigten am Mittwoch Gespräche über eine strategische Partnerschaft. Hierzu habe man ein unverbindliches Angebot hinsichtlich einer Kapitalbeteiligung abgegeben, teilte die Deutsche Bank mit. Die Privatbank öffnet den Frankfurtern auch ihre Bücher für eine genaue Prüfung (Due Diligence).

Finanzkreisen zufolge geht es zunächst um einen Minderheitsanteil von weniger als 50 Prozent. Die spätere Übernahme einer Mehrheit sei aber auch im Gespräch, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Auch bei der Postbank hatte sich die Deutsche Bank parallel zu ihrem Einstieg Optionen für weitere Anteile gesichert. Strukturelle Veränderungen seien bei beiden Häusern nicht geplant, berichtet Reuters. Zur Höhe des möglichen Investments war zunächst nichts zu erfahren.

Ein Einstieg der Deutschen Bank wäre ein Einschnitt in der 220-jährigen Geschichte des Privatinstituts, das bisher vollständig in Familienbesitz ist. Ziel der Partnerschaft sei es, die Position der Deutschen Bank im gehobenen Privatkundengeschäft in Deutschland zu stärken, erklärten die Frankfurter. Die Kunden von Sal. Oppenheim wiederum würden Zugang zum globalen Netzwerk der Deutschen Bank erhalten.

Erstmals rote Zahlen in der Nachkriegszeit

Sal. Oppenheim war im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg in die roten Zahlen gerutscht. Für 2008 musste das 1789 gegründete Traditionshaus einen Verlust von 117 Millionen Euro ausweisen.

Seit geraumer Zeit halten sich Spekulationen, dass Sal. Oppenheim eine weitere Finanzspritze benötigt, obwohl die Familiengesellschafter bereits 200 Millionen Euro zugeschossen hatten. Die Finanzmarktkrise, aber auch die Beteiligung an dem insolventen Handelskonzern Arcandor hatten Sal. Oppenheim in die Bredouille gebracht.

Die Deutsche Bank und Sal. Oppenheim hatten in der Vergangenheit bereits bei strategischen Projekten zusammengearbeitet. So beteiligten sich die Institute gemeinsam an der chinesischen Hua Xia Bank.

Ap/Reuters / Reuters