FIRMEN Epcos rutscht in die roten Zahlen


Der Geschäftsausblick wird verhalten bewertet, obwohl es teilweise wieder leichte Nachfragebelebung gibt. Es sollen aber weitere 1.000 Stellen gestrichen werden.

»In den ersten beiden Quartalen des Geschäftsjahres 01/02 sehen wir uns mit einer unverändert schwierigen Geschäftssituation konfrontiert«, erklärte Epcos-Chef Gerhard Pegam. Zwar zeigt der Mobilfunk eine Nachfragebelebung. In der Automobil- und Industrieelektronik gibt es aber eine Tendenz zur Abschwächung. Erst im zweiten Halbjahr 01/02 rechnet Epcos mit einer verbesserten Konjunktur.

Auftragseingang legte zu

Im vierten Quartal verbuchte der größte Produzent von passiven Bauelementen in Europa den Angaben zufolge einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 52 Millionen Euro, nach einem operativen Gewinn von 34 Millionen Euro im Vorquartal. In dem Ergebnis sind aber 51 Millionen Euro Restrukturierungskosten enthalten. Nach Steuern ergibt sich ein Fehlbetrag von 25,5 Millionen Euro. Der Umsatz fiel im Vergleich zum Vorquartal um 18 Prozent auf 361 Millionen Euro, der Auftragseingang legte allerdings um 37 Prozent auf 209 Millionen Euro zu. Dank der abgebauten Lagerbestände bei den Abnehmerindustrien und steigender Produktionszahlen in Mobilfunk hält dieser Trend an, hieß es bei Epcos.

Kein Grund zur Euphorie

Die Zahlen lagen eher am unteren Rande der Schätzungen der Analysten, die im Durchschnitt mit einem Umsatz im vierten Quartal von 386 Millionen Euro und einem operativen Verlust von knapp 40 Millionen Euro gerechnet hatten. Positiv war aber, dass die Lagerbestände jetzt abgebaut sind und Epcos im zweiten Halbjahr eine Erholung erwartet, sagte Karsten Iltgen von der WestLB. »Das ist vorsichtig optimistisch.« Michael Bahlmann von M.M. Warburg sah jedoch keinen Anlass zur Euphorie: »Beim Auftragseingang sind plus 37 Prozent gegenüber dem Vorquartal ganz nett, was Epcos aber nicht schreibt: Das sind 62 Prozent unter dem Vorjahresquartal«, sagte er.

Kleinstkomponenten sind überall

Die Kleinstkomponenten, die Epcos herstellt, kommen in nahezu allen elektronischen Geräten wie Handys, Computern, Autos und Haushaltsgeräten vor. Elektronische Komponenten für die Telekommunikationsbranche machen etwa 40 Prozent des Epcos-Umsatzes aus, Industrieelektronik gut 20 Prozent und die Konsumelektronik 14 Prozent. Epcos ist nach eigenen Angaben unter den Herstellern mit einer ähnlich breiten Produktpalette die Nummer zwei hinter dem japanischen Murata-Konzern, aber vor dem ehemaligen Marktführer Matsushita.

Abhängig von Mobiltelefonen

Im Gesamtjahr 2000/2001 (zum 30. September) stieg der Umsatz um drei Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Vor Steuern und Zinsen erzielte Epcos im ganzen Jahr einen Gewinn von 208 Millionen Euro (inklusive 63 Millionen Euro Restrukturierungsaufwand) nach 336 Millionen Euro im Vorjahr, als vor allem die Mobilfunkindustrie noch boomte. Damit lag die Ebit-Marge im Gesamtjahr bei elf Prozent. Epcos hatte ursprünglich für 2000/2001 mit einem Umsatzwachstum von bis zu 35 Prozent und einer Ebit-Marge von 19 Prozent gerechnet, diese Einschätzung aber vor allem wegen des unerwarteten Nachfragerückgangs nach Mobiltelefonen sukzessive zurückgenommen. Letztlich hatte Pegam nur noch eine Umsatzsteigerung um einige wenige Prozent und eine noch zweistellige Ebit-Marge in Aussicht gestellt.

Weltweit 15 % weniger Personal

Epcos hat bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr mit dem Abbau von 15 Prozent des weltweiten Personals und der Kürzung der geplanten Investitionen um 100 Millionen Euro auf 349 Millionen Euro auf die schwierige Geschäftslage reagiert. Zusammen mit Einsparungen beim Einkauf und mit einer Optimierung der Prozesse ergeben sich daraus für das laufende Geschäftsjahr Einsparungen von 200 Millionen Euro. So sollen nochmals 1.000 Stellen gestrichen werden. Dabei sind auch 800 Arbeitsplätze in Deutschland betroffen. Die Stellen sollen in München und Heidenheim entfallen.


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