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MÄRKTE: Der Tag der Quartalszahlen

Die Indizes zeigen nach oben: Deutliche Kursgewinne bei der Lufthansa und Metro zogen den Dax nach anfänglichen Verlusten wieder ins Plus.

Die Indizes wurden von den meist guten Ergebnissen nach oben geschubst: Der Dax stieg am Mittwoch um 1,1 Prozent auf 3.924 Zähler, während am Neuen Markt der Auswahlindex Nemax50 nahezu unverändert bei 553 Punkten tendierte. Der Nebenwerte-Index MDax lag ebenfalls rund ein Prozent im Plus bei 3.482 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx50 der größten europäischen Aktien zog um 2,3 Prozent auf 2784 Zähler an.

Lufthansa-Aktie steigt kräftig

Die Lufthansa-Aktie ist am Mittwoch nach der Anhebung der Gewinnerwartungen für dieses Jahr mit einem kräftigen Aufschlag in den Handel gestartet. Rund eine Stunde nach Handelsbeginn stieg das Papier um 5,6 Prozent auf 12,62 Euro. Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley hatte der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« vom Mittwoch gesagt, dass die Lufthansa nun eher von einem operativen Gewinn von 500 Millionen Euro ausgeht. Bei der Hauptversammlung vor gut einem Monat war noch ein operatives Ergebnis von 400 Millionen Euro angekündigt worden. Außerdem wird die Lufthansa die Ziele beim Schuldenabbau dank reduzierter Investitionen auch schneller erreichen, hatte Kley weiter gesagt.

Metro-Konzern spürt Konsumflaute

Deutschlands größter Handelskonzern, die Düsseldorfer Metro AG, rechnet im Jahresverlauf mit einer Normalisierung des Kundenverhaltens im deutschen Einzelhandel. Der Metro-Konzern erwarte für das Gesamtjahr 2002 ein Umsatzplus von 5,5 bis sechs Prozent. In den ersten sechs Monaten bekam der Handelskonzern allerdings die Kaufzurückhaltung zu spüren. Der Umsatz stieg zwar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,4 Prozent auf 23,87 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen sank jedoch von 206,5 Millionen Euro auf 175,9 Millionen Euro. Das Umsatzwachstum des Handelsriesen beruhte vor allem auf den um knapp zehn Prozent auf 10,95 Milliarden Euro gestiegenen Umsätzen im Ausland. Das Vertriebsnetz des Konzerns wurde in den ersten sechs Monaten insgesamt um 45 Standorte erweitert. Zum 30. Juni 2002 war der Metro-Konzern weltweit an 2.294 Standorten präsent.

Epcos sieht keine Erholung

Der Bauelemente-Spezialist Epcos sieht nach einem schwachen abgelaufenen Quartal noch keine Anzeichen für eine spürbare Erholung. Die jüngsten Auftragseingänge deuteten auf eine weitere »Seitwärtsbewegung des Geschäfts« hin, ließ die Epcos AG aus München wissen. Daher soll der Sparkurs fortgesetzt werden. Die beschlossenen Restrukturierungsmaßnahmen werden das Ergebnis im laufenden Quartal mit etwa 30 Millionen Euro einmalig belasten. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 (30. September) erzielte das Unternehmen überraschend einen Verlust von 9,3 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 2,2 Millionen Euro Gewinn). Zu den Maßnahmen zur Restrukturierung gehört 2003 die Streichung von 300 weiteren Stellen in Europa.

Conti mit deutlichem Gewinnzuwachs

Der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental AG hat trotz der schwachen Autokonjunktur im ersten Halbjahr seinen Umsatz gesteigert und das Ergebnis deutlich verbessert. Der Umsatz stieg um 2,9 Prozent auf 5,659 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) legte um 70 Prozent auf 347 Millionen Euro zu und übertraf damit die Erwartungen der Analysten erheblich. Diese hatten im Durchschnitt mit einem Ebita von 301 Millionen Euro gerechnet. Für das Gesamtjahr zeigte sich Conti weiter zuversichtlich, den Umsatz leicht zu steigern, das Ergebnis aber gegenüber dem schwachen Vorjahr deutlich anzuheben. Finanzvorstand Alan Hippe teilte mit, dass die Finanzschulden im ersten Halbjahr um 540 Millionen Euro auf 2,681 Milliarden Euro gesenkt wurden.

Hugo Boss mit leichtem Umsatzplus im ersten Halbjahr

Das Modeunternehmen Hugo Boss hat den Umsatz trotz des schwachen Inlandgeschäftes im ersten Halbjahr leicht steigern können. Die Erlöse wuchsen um drei Prozent auf 535 Millionen Euro, in Deutschland gingen sie allerdings um fünf Prozent zurück, teilte das Metzinger Unternehmen mit. Der Herren- und Damenausstatter hatte zuvor bereits die Gewinnerwartung für 2002 deutlich nach unten korrigiert, der Halbjahresüberschuss war um fast die Hälfte auf 30 Millionen Euro geschrumpft.

Aventis mit starkem Gewinnanstieg

Der Chemie- und Pharmakonzern Aventis (Straßburg) hat seinen Gewinn im 1. Halbjahr bei sinkendem Umsatz kräftig erhöht und damit die Erwartung von Analysten übertroffen. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse glaubt das Unternehmen auch die Wachstumsziele für das Gesamtjahr zu erreichen. Der Gewinn vor Steuern stieg von 1,49 Milliarden Euro in der 1. Hälfte 2001 auf 2,52 Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Der Gewinn je Aktie kletterte im selben Zeitraum von 0,93 auf 1,87 Euro, während sich die Halbjahresumsätze im Jahresvergleich von 11,65 auf 11,30 Milliarden Euro verringerten. Seit der Gründung von Aventis 1999 durch die Fusion der deutschen Hoechst AG und der französischen Rhône-Poulenc erreichte Aventis übrigens das zehnte Quartal in Folge seine Ziele für Umsatz und Ergebnis.

Villeroy & Boch steigert Umsatz und Gewinn

Bein Keramikspezialisten Villeroy & Boch kletterten Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr 2002. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9,7 Prozent auf 16,9 Millionen Euro, der Halbjahresumsatz stieg um 1,1 Prozent auf 497,7 Millionen Euro. Vor allem der Unternehmensbereich Tischkultur entwickelte sich gut. Die Zahl der Beschäftigten stieg um knapp 200 auf fast 11.000.

Unilever-Gewinn im zweiten Quartal gefallen

Der Gewinn des Waschmittel- und Lebensmittelkonzerns Unilever sank im zweiten Quartal 2002 um 25 Prozent auf 658 Millionen Euro. Der Umsatz erreichte aber mit 13,35 Milliarden Euro das Vorjahresniveau, teilte das niederländisch-britische Unternehmen am Mittwoch in Rotterdam mit. Grund für den Rückgang im Vergleich sind nach Unilever-Angaben die im Vorjahr gebuchten hohen Veräußerungsgewinne. Im gesamten ersten Halbjahr 2002 blieb der Reingewinn mit 1,12 Milliarden Euro gegenüber 2001 unverändert . Der Umsatz sank um ein Prozent auf 25,64 Milliarden Euro. Das Programm zur Konzentrierung des Geschäfts auf etwa 400 führende Marken - von Knorr-Suppen bis Omo-Waschpulver - verläuft plangemäß . Diese Marken sollen bei einem Wachstum zwischen 4,5 und 5 Prozent zum Jahresende 90 Prozent der Unilever-Geschäftstätigkeit ausmachen.

Intershop verringert Verluste

Der Sparkurs des Jenaer Software-Konzerns Intershop zeigt Wirkung: Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sank der Verlust auf 5,8 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Damit wurde der Nettoverlust im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2002 mehr als halbiert. Im Zuge der andauernden Krise der Softwareindustrie stagnierte der Quartalsumsatz bei rund zwölf Millionen Euro. Nach Vorstandsangaben ist Intershop mit nur noch rund 500 Beschäftigten »auf dem Weg in die Gewinnzone«. Das Softwareunternehmen rechnet im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres mit einem ausgeglichenen Ebitda.

EM.TV-Sanierung durch Kirch-Pleite erschwert

Die Sanierung des angeschlagenen Medienkonzerns EM.TV bereitet Firmenchef Werner Klatten überraschend große Probleme. »Ich gestehe, dass diese Aufgabe schwieriger ist, als ich vor einem Jahr dachte«, sagte der Vorstandschef auf der Hauptversammlung am Mittwoch in München. Die Restrukturierung wirde durch die Kirch-Pleite und die folgende Neuordnung der Medienbranche erschwert. Gemeinsame Beteiligungen können nicht wie geplant entflochten werden. Außerdem will das Medienunternehmen notfalls gerichtlich gegen die von der Bayerischen Landesbank angekündigte Ausübung des Pfandrechts auf seinen Anteil an der Formel 1 vorgehen. Ansonsten kommt die Sanierung dem Firmenchef zufolge aber gut voran. Der Konzern hat einige Beteiligungen abgestoßen, sich auf das Kerngeschäft Rechtehandel und Merchandising konzentriert und die aufgeblähten Kosten gesenkt. Im Jahr 2004 strebt der Medienkonzern ein positives Ergebnis an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 schrieb der einstige Börsenstar EM.TV erneut hohe Verluste. Der Fehlbetrag lag bei 374 Millionen Euro, nach 1,35 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 722 Millionen Euro.

Post schreibt erstmals seit 1996 rote Zahlen

Die Deutsche Post blickt pessimistischer in die Zukunft als noch vor einem Monat. Nach der Brüsseler Beihilfe-Entscheidung und wegen erster Vorboten der angeordneten Portosenkung wird das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Jahr 2002 binnen Jahresfrist um zehn bis 15 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro sinken, kündigte Postchef Klaus Zumwinkel in Frankfurt an. Bei der Hauptversammlung Anfang Juni hatte er noch einen Zuwachs in Aussicht gestellt. Der Jahresüberschuss wird noch stärker sinken. Die Post hatte zuvor erstmals seit 1996 einen Quartalsverlust von 257 Millionen Euro bekannt gegeben. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Plus von 505 Millionen Euro unterm Strich gestanden. Das diesjährige Minus resultiert fast vollständig aus den 850 Millionen Euro Rückstellungen, die die Post wegen der von der EU-Kommission beschlossenen Rückzahlungen staatlicher Beihilfen bilden muss. Insgesamt ging der Konzerngewinn im ersten Halbjahr binnen Jahresfrist von 1,0 Milliarden Euro auf 155 Millionen Euro zurück. Der Umsatz legte um 15 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro bedingt durch die erstmalige Einberechnung der Expresstochter DHL zu.