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Per Videocall abserviert Firmenchef feuert 900 Mitarbeiter über einen einzigen Zoom-Call – und tritt noch nach

900 Kollegen der US-Firma Better.com ereilte die Kündigung per Videocall (Symbolbild)
900 Kollegen der US-Firma Better.com ereilte die Kündigung per Videocall (Symbolbild)
© svetikd / Getty Images
Ein Anruf, 900 Kündigungen: Der Chef der Kreditplattform Better.com hat kurz vor Weihnachten in fragwürdigem Stil ein Zehntel seiner Belegschaft gefeuert. Und die Betroffenen später auch noch öffentlich als faul beschimpft.

Mit Massenentlassungen kurz vor Weihnachten kann man grundsätzlich keinen Applaus erwarten. Doch die Art und Weise, wie der Chef der US-Kreditplattform Better.com nun einen Teil seiner Belegschaft vor die Tür setzte, wird von vielen als besonders kaltherzig empfunden. Mit einem einzigen Videoanruf feuerte CEO Vishal Garg vergangene Woche mehr als 900 Mitarbeiter.

"Ich habe keine guten Neuigkeiten für euch", beginnt Garg den Call, von dem sich ein abgefilmter Mitschnitt in den sozialen Medien verbreitete. An seinem Schreibtisch sitzend spricht er zunächst von einer schwierigen Entscheidung und wirtschaftlichen Zwängen, um dann umgehend zum Punkt zu kommen. "Wir entlassen 15 Prozent der Mitarbeiter."

Weiter sagt Garg: "Wenn Sie Teil dieses Calls sind, sind Sie Teil der unglücklichen Gruppe, die entlassen wird. Ihr Beschäftigungsverhältnis hier endet mit sofortiger Wirkung." Jeder der Gefeuerten erhalte eine Mail von der Personalabteilung, in denen die Modalitäten der Abfindung erklärt seien. Als Gründe für die Kündigungen nennt Garg neben sich ändernden Marktgegebenheiten auch die Leistung und Produktivität der Mitarbeiter. Auf dem Videomitschnitt ist auch die Reaktion des offenbar gerade entlassen Mitarbeiters zu hören, der sich mit einem "F*ck you, Dude" Luft macht. 

Fette Finanzspritze von Investoren

"Entlassungen durchführen zu müssen, ist schmerzhaft, besonders zu dieser Jahreszeit", sagte Better-Finanzvorstand Kevin Ryan in einer Erklärung gegenüber US-Medien. "Aber eine solide Bilanz und eine reduzierte und fokussierte Belegschaft machen uns bereit, in einem sich radikal verändernden Eigenheimmarkt offensiv zu agieren." Das Unternehmen präzisierte zudem, dass 9 Prozent der Belegschaft gehen müssen, und nicht wie in dem internen Call verkündet 15 Prozent. Diese 9 Prozent entsprechen laut Unternehmen mehr als 900 Beschäftigten.

Besonders schlecht kommt der Mitarbeiter-Kahlschlag in der Öffentlichkeit an, weil das Unternehmen sich zeitgleich eine fette Finanzspritze besorgte. Better.com ist eine aufstrebende Plattform für Immobilienkredite in den USA, die im Frühjahr den Gang an die Börse bekannt gegeben hat. Im Zuge dessen hat die Firma erst in der vergangenen Woche 750 Millionen Dollar von Investoren erhalten, wie unter anderem Forbes berichtet. Die Firmenbewertung liege demnach bei rund 7 Milliarden Dollar. 

Per Blogbeitrag nachgetreten

Nicht besser machte die Sache ein anonymer Blogbeitrag, als dessen Urheber sich später der Better-Chef persönlich outete. "Wisst ihr, dass mindestens 250 der entlassenen Mitarbeiter im Durchschnitt 2 Stunden pro Tag gearbeitet haben, während sie 8 Stunden und mehr pro Tag in der Gehaltsabrechnung verbucht haben?", fragte Garg darin. Die Mitarbeiter hätten die Firma und ihre Kunden "bestohlen". Dem Magazin Fortune sagte Garg als Erklärung, Better.com habe Produktivitätsdaten seiner Mitarbeiter ausgewertet und dabei "einige alarmierende Statistiken" entdeckt. Dabei hatte er in dem Entlassungsvideo noch behauptet, er hoffe, dass er gleich nicht losheulen muss.

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Eine gewisse Reputation im Umgang mit Mitarbeitern hat sich der Better-Chef bereits vor der Massenkündigung erworben. In einer Email aus dem vergangenen Jahr, die Forbes zugespielt wurde, hatte er seine Leute als "Haufen dummer Delfine" beschimpft, die "zu verdammt langsam" seien. "DUMME DELPHINE verfangen sich in Netzen und werden von Haien gefressen. ALSO HÖRT AUF. HÖR AUF. HÖREN SIE SOFORT AUF. IHR BLAMIERT MICH."

Quellen: CNN / Forbes / FortuneTechcrunch

bak

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