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Teamwork ohne Team: Ein Chef lässt Mitarbeiter nicht ins Büro kommen – und schweißt so das Team zusammen

Wirklich effektiv waren die zwei Teams eines Unternehmens in Baltimore nicht. Bis die Chefs Menschen einstellten, die nicht im Büro sitzen. Das Zugehörigkeitsgefühl wuchs - und auch die Produktivität. Ein Lehrstück über die Chancen neuer Arbeitswelten. 

Arbeiten, wo man will

Team-Work ohne Teams: Wie Menschen zusammenarbeiten, wenn sie nicht zusammen sitzen.

Egal, ob wir in der IT oder in der Personalabteilung arbeiten, ob wir neue Geschäftsfelder entwickeln oder Controller sind - eine Frage eint alle: "Wollen wir zusammen Mittag essen?" Die Mittagspause ist ein festes Ritual. Allerdings nicht bei dem Personalunternehmen Traitify aus in den USA. "Es ist nicht so, dass wir nicht essen oder Zeit zusammen verbringen, aber es ist physikalisch für das Team nicht möglich, zur selben Zeit am selben Ort zu sein", berichtet der Chef der Firma, Dan Sin, in einem Gastbeitrag für "Fast Company". Inzwischen würden rund 60 Prozent der Mitarbeiter seiner Firma mobil und ortsungebunden arbeiten. Das "Remote Arbeiten" war die Rettung für die Unternehmenskultur und die Effizienz der Mitarbeiter.

Spaltung von Teams

Zuvor arbeitete die Firma in einem Gebäude auf zwei Stockwerken. Unten saß die Entwicklungsabteilung, oben waren die Business- und Daten-Mitarbeiter ansässig. Und ohne dass er oder einer seiner Co-Gründer dies je gewollt hätten, entwickelten sich zwei vollkommen voneinander losgelöste Teams. "Bald bemerkten wir, dass diese beiden Teams voneinander getrennte Kulturen bildeten. Der Raum verursachte buchstäblich eine Spaltung innerhalb unseres Unternehmens. Wir haben versucht, die Teams zu vermischen, aber neue Mitarbeiter nahmen das gleiche Verhalten an wie die, die wir umgesetzt hatten", so Sines. Diese Entwicklung machte den Chefs Sorgen. Sie fürchteten, dass die Spaltung dem Firmenwachstum im Wege stehen könnte. Also suchten sie neue Räumlichkeiten, damit die Teams künftig auf einer Ebene arbeiten konnten. Und: Sie setzten auf Remote-Arbeitskräfte.

Denn Sines und seine Co-Chefs merkten schnell, dass gute Mitarbeiter nicht unbedingt in Baltimore zu finden waren, sondern quer über die . Um dennoch Mitarbeiter zu locken, setzten sie aufs mobile Arbeiten. "Es war ein Risiko angesichts der Kulturprobleme, mit denen wir bereits vor Ort zu tun hatten, aber es hat sich ausgezahlt."

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Im Arbeitsalltag ist ja nicht immer alles ätzend, es kommt uns nur so vor, wenn wir genervt den Laden verlassen. Was hilft: Schreiben Sie jeden Tag drei Dinge auf, über die Sie sich an diesem Tag gefreut haben. Ihre Präsentation lief super? Aufschreiben! Ihr Chef hat Sie gelobt, auch wenn es nur kurz war? Aufschreiben! Sie konnten Kollegen helfen? Aufschreiben! Alle wollen das Gefühl haben, gebraucht zu werden und etwas zu können. Wer diese Momente im Arbeitsalltag reflektiert, nimmt dem Job den Ätz-Faktor. Zumindest ein bisschen.

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Homeoffice festigt Teamgedanken

Doch schon nach wenigen Monaten zeigte sich, dass ausgerechnet die Homeoffice-Mitarbeiter dafür sorgten, dass sich die Spaltung im Unternehmen auflöste. "Die Remote-Mitarbeiter, die wir anheuerten, zeigten ein hohes Maß an Motivation und Verantwortung, waren weniger feindselig und bessere Teamplayer. Mit der Zeit übernahmen diese Eigenschaften auch andere Teammitglieder", so Sines.

Auch die Effizienz wurde geprüft. So waren die Mitarbeiter gerade zu Beginn auf digitale Unterstützung durch die richtigen Messenger angewiesen. Slack, eine Art Whatsapp für Büros, wurde intensiv genutzt. War das Thema größer, wurden schnell Videokonferenzen einberufen. Laut Sines müssten Mitarbeiter, die überall – aber eben nicht im Büro – hocken, ihre Arbeit und die Vernetzung mit anderen Mitarbeitern stärker priorisieren. Das Ergebnis: Die Teams wurden deutlich effizienter.

Nicht alle Mitarbeiter funktionieren im Homeoffice

Doch es gibt auch Herausforderungen für Sines: Mitarbeiter müssen ohne den täglichen Kontakt, ohne das nonverbale Kommunizieren, die Körpersprache und Mimik auskommen. Auch das würde zum Teamgefühl beitragen. Daher gibt es regelmäßig Offsite-Termine und Ausflüge, damit die Mitarbeiter nicht vereinsamen. 

"Wir haben gelernt, dass es einige Positionen, wie zum Beispiel Entwickler, gibt, die gut im Homeoffice arbeiten können. Doch es gibt auch bestimmte Teams – wie der Verkauf und Kundensupport –, die enorm davon profitieren, physisch zusammen zu sein", schreibt Sines. "Dennoch haben wir uns entschieden, dieses Arrangement zu akzeptieren, über das wir anfangs gestolpert waren. Ein physisches "Zentrum" schafft und stärkt das Kernelement der Unternehmenskultur von Traitify – ein Ort, an dem Kunden und Investoren sehen können, wer 'ihr' Unternehmen ist. Um jedoch die besten Talente zu gewinnen, haben wir auch erkannt, dass wir offen dafür sein müssen, Kandidaten außerhalb unserer unmittelbaren Umgebung einzustellen."

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