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Studie: Home-Office ist das neue Rauchen: Macht uns die Arbeit krank?

Unsere Arbeitswelt steht vor einem Wandel - das Home-Office wird für viele Firmen wichtiger. Doch Forscher warnen: Allein arbeiten kann negative Folgen haben. Denn soziale Einsamkeit macht krank.

Home Office macht einsam, glauben Forscher

Home Office macht einsam, glauben Forscher

Für viele Angestellte ist es das Paradies - das Home-Office. Es soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern, das selbstständige Arbeiten fördern. Mitarbeiter sollen eigenständig festlegen, wann und wo sie arbeiten wollen. Morgens früher anfangen, um nachmittags zum Elternsprechtag zu gehen? Kein Problem. Abends die Präsentation noch fertig machen und dafür am nächsten Morgen erst später in den Arbeitstag starten? Na klar! Auch Firmen profitieren, denn sie sparen sich durch Mitarbeiter im Home-Office teure Büroflächen. 

In Deutschland arbeiten nur rund elf Prozent der Angestellten ab und an von zu Hause. Dabei würde es jedem vierten Mitarbeiter gut gefallen, wenn er nicht ins Büro kommen müsste. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland der Entwicklung hinterher. In Skandinavien arbeiten rund 28 Prozent im Home-Office. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ist sich sicher: "Homeoffice ermöglicht es viel mehr Paaren, sich die Kinderbetreuung aufzuteilen." Und bei Microsoft gehört das Arbeit von zu Hause aus längst zum Alltag. "Für uns ist die Zukunft die volle Flexibilität der Mitarbeiter", sagt eine Microsoft-Sprecherin kürzlich dem stern.


Einsamkeit macht krank

Doch Forscher warnen nun: Das Arbeiten im Home-Office kann gefährlich sein. Denn es isoliert von den Kollegen. Mitarbeiter würden viel allein arbeiten. "Einsamkeit hat einen komplizierten Effekt auf die Sterblichkeit. Die Auswirkungen sind genauso stark oder nur etwas weniger stark wie bei Fettleibigkeit und beim Rauchen", sagt Dhruv Khullar "Fast Company", Arzt am Massachusetts General Hospital, der über die Auswirkungen von sozialer Isolation und Einsamkeit geschrieben hat.

Anonymisierte Leben

Das Problem: Schon der Alltag ist weniger sozial geprägt wie früher. Statt in Vereinen oder Kirchen aktiv zu sein, vereinsamen wir inzwischen auch in der Freizeit, leben viel häufiger allein - und das in anonymisierten Städten. Das Home-Office entfremdet noch stärker. "Menschen arbeiten immer stärker isoliert - und dass rund die Hälfte ihres Tages. Das ist eine verpasste Chance, um miteinander zu interagieren", sagt Chullar. "Ich glaube, dass wir im Laufe der Zeit negative Auswirkungen durch die Heimarbeit, das Allein-Arbeiten, das digitale Arbeiten auf die Gesundheit der Menschen erleben werden."

Ein kürzlich in Großbritannien veröffentlichter Bericht beziffert die Kosten für die Auswirkungen des isolierten Arbeitens auf 3,1 Milliarden Dollar pro Jahr. Sie entstehen durch Produktivitätsverluste und krank geschriebene Mitarbeiter. Eine Meta-Analyse, die kürzlich in der Zeitschrift "Perspectives on Psychological Science" veröffentlicht wurde, analysierte eine Reihe von mehrjährigen Studien zu diesem Thema. Forscher stellten fest, dass soziale Isolation das Risiko der Sterblichkeit um 29 Prozent erhöhen kann. Wer allein lebt, erhöht das Todesrisiko um 32 Prozent. Timothy Smith, Psychologie-Professor an der Brigham Young University, macht klar: Einsamkeit ist nicht selbst ein Killer, aber kann zu einer Reihe von mentalen Erkrankungen führen, wie Depressionen oder Angstzuständen. Aber auch Schlafstörungen oder ein angegriffenes Immunsystem können Folgen der Vereinsamung sein.

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Home-Office vs. Einsamkeit

Ist das Home-Office also doch nicht das Allheilmittel für Arbeitgeber und Angestellte? Die Antwort ist ein klares "Jein", denn die Arbeit nach Hause zu verlagern, macht natürlich nicht krank. Vielmehr geht es um einen Lebensstil, um eine gesellschaftliche Entwicklung: Soziale Isolation ist eine gesellschaftliche Epidemie, schrieb schon die "New York Times" im vergangenen Dezember. Menschen vereinsamen. Freunde, Familie, Menschen, mit denen man ein Hobby teilt? Fehlanzeige. Die Zahl der erwachsenen US-Amerikaner, die sich einsam fühlen, hat sich seit den 1980er Jahren verdoppelt. Und Deutschland ist von dieser Entwicklung gar nicht so weiter entfernt. Rund 40 Prozent der Menschen hierzulande lebt allein - eine der Grundvoraussetzungen, um sich zumindest einsam zu fühlen. 

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Platz 11: Diensthandy  Viele wollen offenbar lieber nicht von Chef und Kollegen unterwegs belästigt werden. Nur 6,27 Prozent der Befragten wünschen sich ein Diensthandy. Dagegen bieten fast 32 Prozent der Arbeitgeber ein solches Gerät an. 

Platz 11: Diensthandy

Viele wollen offenbar lieber nicht von Chef und Kollegen unterwegs belästigt werden. Nur 6,27 Prozent der Befragten wünschen sich ein Diensthandy. Dagegen bieten fast 32 Prozent der Arbeitgeber ein solches Gerät an. 

Sozial isoliert und dann auch noch abseits der Kollegen arbeiten - das klingt ungesund. Muss es aber nicht unbedingt sein, sagen Experten zu "Fast Company". Denn die modernen Kommunikationsmittel könnten vor Vereinsamung schützen. "Nur weil du allein bist, heißt das nicht, dass du nicht via Instand Messenger oder in Foren kommunizieren kannst", sagt die Karriere-Spezialistin Brie Reynolds. Zwar legen neuste Studien auch nahe, dass Facebbok und Co. zur sozialen Isolation beitragen. Doch dabei bezogen sich die Forscher auf unsere Freizeit. Wer beruflich skypt oder chattet, hat zwar immer noch nicht die wahrhaftige Begegnung mit Kollegen. Aber zumindest den inhaltlichen Austausch. 

Brie Reynolds ermuntert darüber hinaus Home-Office-Nutzer dazu, selbst für sozialen Ausgleich zu sorgen. Wer allein arbeitet, könne sich einer Bürogemeinschaft anschließen oder zumindest die Mittagspause in geselliger Runde verbringen. Manchmal würde es schon reichen, die Arbeit einfach in das nächste Café zu verlagern, um etwas unter Leute zu kommen. 

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