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Berufliche Qualifikation: Seminare, Lernplattform oder Uni-Kurs? So finden Sie die passende Weiterbildung

Weiterbildung im Job ist wichtig: Die Technik verändert sich schnell, die Geschäftsmodelle auch - und somit die Anforderung an Mitarbeiter. Doch welche Formen der Weiterbildung werden angeboten? Und welche Förderungen gibt es?

Weiterbildung im Job

Weiterbildung im Job: Diese Angebote gibt es

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Die Lehre beendet, die Uni erfolgreich abgeschlossen - und damit alles fürs berufliche Leben gelernt? Sicherlich nicht, denn der technische Fortschritt, neue Soft- und Hardware und veränderte Anforderungen haben Einfluss auf den Arbeitsalltag. Wer nicht weiterlernt, wird abgehängt. Und: Zusätzliche oder vertiefende Qualifikationen erhöhen die Karrierechancen.

Weiterbildung ist also ein wichtiger Baustein in der Arbeitswelt. Und doch nutzen viele diese Möglichkeiten nicht. Das liegt wohl auch an der Unübersichtlichkeit der Angebote. Zig Anbieter veranstalten Kurse, auch Seminare beim Arbeitgeber werden angeboten. Und dann gibt es auch noch Hochschulen mit Lehrgängen.

Wer sich für eine Weiterbildung interessiert, sollte sich zunächst hinterfragen: Was will ich erreichen? Eine zusätzliche Qualifikation, die nützlich im Arbeitsalltag ist? Oder möchte ich mich beruflich weiterentwickeln, um ein Themenfeld zu beackern, für das bislang die Qualifikation fehlte? 

Die Stiftung Warentest hat einen "Weiterbildungsguide", gefördert vom Bundesbildungsministerium, entwickelt. Dort müssen Interessierte zunächst einige Fragen klären:

1. Wo stehe ich

2. Was ist mein Ziel?

3. Was brauche ich?

4. Wie will ich lernen?

5. Wo finde ich Angebote?

6. Welches Angebot passt zu mir?

Die ersten Schritte zur Weiterbildung

Diese und ähnliche Fragen sollten Mitarbeiter beantworten, bevor sie sich auf die Suche nach Weiterbildungsangeboten machen. Denn sonst wird die Qualifizierungsmaßnahme zum Reinfall. Entweder man ist schnell überfordert (mit sich oder dem zeitlichen Aufwand, der durch Weiterbildung ensteht), man langweilt sich (weil der Kurs eher für Anfänger geeignet ist) oder man entscheidet sich für einen Kurs, der schlichtweg nicht passt (weil er beispielsweise nur online angeboten wird). Daher sollte man verorten, wo man steht, was man kann - und welches Ziel man verfolgt. 

Welche Portale helfen?

Die Suche nach dem richtigen Kurs ist mühsam. Eine ganze Reihe von Suchmaschinen im Netz listet die Weiterbildungsangebote lediglich auf. Das Bildungsministerium hat eine eigene Suchmaschine entwickeln lassen. Das hilft bei der ersten Orientierung, denn die Plattform "IWWB" ist unabhängig. Wer an einer Hochschule berufsbegleitend studieren will, wird beim Hochschulkompass fündig.

Weiterbildung beim Arbeitgeber

Der leichteste Weg ist wohl, beim eigenen Arbeitgeber eine Weiterbildung zu absolvieren. Gerade größere Unternehmen bieten verschiedene Kurse für ihre Mitarbeiter an. Training von neuen PC-Programmen oder Kurse, um bessere Vorträge halten zu können, zählen dazu. Viele Konzerne qualifizieren ihre Mitarbeiter inzwischen auch, wenn es um neue Arbeitsmodelle geht. 

Für wen sich das Angebot lohnt: Wer nicht viel Zeit erübrigen und auch nicht selbst in die Weiterbildung investieren möchte, fährt mit diesem Angebot gut. Allerdings muss auch klar sein, dass diese Kurse lediglich kleinere Wissenslücken füllen und keine weitreichenden neuen Qualifikationen mit sich bringen.

Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer

Die Industrie- und Handelskammern haben ihre Weiterbildungsmöglichkeiten gebündelt. Dort finden Interessierte nicht nur Angebote, sondern können sich auch beraten lassen, welche Weiterbildung passt. Ob nun die Grundlagen der Gehaltsbuchhaltung, Zeitmanagement oder das Meisterprogramm im Kraftverkehr - in der Datenbank wird eine Vielzahl an Kursen angeboten. Je nach Länge und Intensität der Kurse kosten sie auch: Wer den Kurs "Datenschutz in der Tourismusbranche" in Berlin besucht, zahlt für das eintägige Seminar rund 350 Euro. Der Abendkurs in Teilzeit mit dem Ziel Wirtschaftsfachwirt IHK geht über ein Jahr und kostet rund 4900 Euro.

Für wen sich das Angebot lohnt: Die einfachen, günstigen Kurse sind für viele Berufsgruppen lohnenswert. Der Kursfinder ermöglicht die Suche nach dem Wohnort. Bei den intensiveren Kursen richtet sich das Angebot eher an Handwerker oder kaufmännische Berufe. 

Azubi-Report: Von Handwerker bis Pfleger - in diesen Branchen sind Azubis am zufriedensten
Vergleichsweise unzufrieden sind die Azubis im Bereich Gastronomie und Tourismus. 28 Prozent gaben an, dass sie ihre persönlichen Interessen nicht auf der Arbeit einbringen können - der höchste Wert aller Branchen. Zudem ist die branchenübliche Bezahlung mies: Nur zwei von zehn Befragten können mit ihrem Azubi-Gehalt den Lebensunterhalt alleine finanzieren.

Vergleichsweise unzufrieden sind die Azubis im Bereich Gastronomie und Tourismus. 28 Prozent gaben an, dass sie ihre persönlichen Interessen nicht auf der Arbeit einbringen können - der höchste Wert aller Branchen. Zudem ist die branchenübliche Bezahlung mies: Nur zwei von zehn Befragten können mit ihrem Azubi-Gehalt den Lebensunterhalt alleine finanzieren.

Berufliche Weiterbildung an Universitäten und Hochschulen

Auch Deutschlands Unis bieten Weiterbildungsmöglichkeiten an - denn das Geschäft ist lukrativ. Die berufsbegleitenden Zertifikatkurse oder Masterstudiengänge richten sich an Arbeitnehmer, die sich entweder eine weitere Qualifikation verschaffen wollen oder durch ein weiteres Studium dem Berufsleben eine neue Richtung geben möchten. Studiert wird per Fernstudium, in Teilzeit am Abend oder an den Wochenenden. Welche Kurse angeboten werden, ist leider recht aufwendig herauszufinden. Denn jede Uni hat ihr eigenes Angebot. Die Hamburger Uni bietet derzeit ein berufsbegleitendes Masterstudium Gesundheitsmanagement an. Wer sich interessiert, muss allerdings wissen: Das Studium dauert 18 Monate plus weitere 12 Monate für die Masterarbeit. Der Zeitaufwand beträgt 640 Stunden in drei Semestern. Kostenpunkt: 13.800 Euro. Auch an der Uni Bayreuth wird ein MBA Health Care angeboten. Dort zahlen Interessierte 4300 Euro.

Für wen sich das lohnt: Zugegeben - die Kursgebühren an den Hochschulen sind mitunter happig. Dafür erringt man dort einen (international) anerkannten Abschluss. Das ist vor allem für Menschen, die eine Berufsausbildung gemacht, aber keine Hochschule besucht haben, interessant. Interessierte sollten sich Fördermöglichkeiten genau ansehen. Auch Ratenzahlung bieten viele Unis inzwischen an. 

Weiterbildung bei privaten Bildungsträgern

Neben Unis gibt es weitere Bildungsträger, die Weiterbildungen anbieten. Die Volkshochschulen zählen dazu. Aber auch der TÜV Nord bietet Kurse an - hier werden auch Interessierte fündig, die sich umschulen lassen möchten. Weitere Anbieter listet die Bundesagentur für Arbeit und auch die Stiftung Warentest auf. Denn: Rund 600.000 Weiterbildungsangebote gibt es in Deutschland.

Weiterbildung online erledigen

Das Internet macht's möglich: Wer wenig Zeit hat oder im Schichtdienst arbeitet, kann die Fortbildung auch einfach online erledigen. Auf Lernplattformen können Kurse gewählt werden, ein virtuelles Klassenzimmer und Chats ersetzen die Gruppendynamik. Angeboten werden die Kurse von vielen Anbietern, darunter auch die IHK oder die Fernuni Hagen. Das Wirtschaftsmagazin "Business Punk" empfiehlt zehn Anbieter. Dort finden Interessierte auch Kurse, die nicht unbedingt als klassische Weiterbildung gelten - die aber den eigenen Horizont in der Arbeitswelt erweitern. 

Für wen sich das lohnt: Nicht jeder ist der Typ für Online-Kurse. Denn sie funktionieren nur, wenn der Mitarbeiter eine gewisse Verantwortung übernimmt. Zwar sparen sie Zeit - dafür muss man diszipliniert arbeiten. Ob man das schafft, kann man durch den den Selbsttest des Weiterbildungsguide ausprobieren.

Staatliche Förderprogramme nutzen

Je nach Dauer und Aufwand gehen auch die Weiterbildungskurse ins Geld. Allerdings gibt es einige staatliche Förderprogramme: Das Aufstiegsbafög unterstützt diejenigen, die einen weiteren Abschluss erringen möchten und das unabhängig vom Alter. Bis zu 15.000 Euro sind als Finanzierung möglich, allerdings werden 40 Prozent der Förderung über einen günstigen KfW-Kredit angeboten.   

Die Bildungsprämie ist für Menschen, die sich aufgrund des schmalen Gehalts keine Weiterbildung leisten können. Das gilt für Menschen, die im Jahr nicht mehr als 20.000 Euro verdienen. Aber auch Mütter und Väter in Elternzeit oder Personen in Pflegezeit können einen Prämiengutschein bekommen, mit dem "die Hälfte der Veranstaltungsgebühr bis maximal 500 Euro" übernommen wird.

Das Weiterbildungsstipendium ist für junge Talente unter 25 Jahren, die eine berufliche Ausbildung abgeschlossen haben. "Die Förderung umfasst Zuschüsse für die Kosten von fachlichen oder berufsübergreifenden Weiterbildungen in Höhe von insgesamt maximal 7200 Euro, verteilt auf drei Förderjahre. Die Weiterbildung muss grundsätzlich berufsbegleitend durchgeführt werden", heißt es beim Bundesbildungsministerium.   

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