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Job: Teufelskreis Gehalt - wer sich unfair bezahlt fühlt, kann krank werden

Gute Ausbildung, engagiertes Arbeiten - und trotzdem ein unterdurchschnittliches Gehalt: Wer das Gefühl hat, zu wenig Gehalt zu bekommen, hat ein hohes Krankheitsrisiko.

Faire Bezahlung

Faire Bezahlung ist wichtig für die Gesundheit der Mitarbeiter.

Getty Images

Was sollte ein Mensch verdienen, der sich um die Alten und Kranken in einer Gesellschaft kümmert? Diese Frage erhitzt derzeit in die Gemüter. Auf der einen Seite geht es um Anerkennung eines wichtiges Berufsstandes - auf der anderen Seite um Kostendruck und Gewinnmaximierung. Dass die Bezahlung in sozialen Berufen ungerecht ist, scheint klar. Eine ganze Berufsgruppe bekommt zu wenig. Was aber, wenn man in einem Büro-Job, als Arzt, Verkäufer oder Kaufmann das Gefühl hat, mies bezahlt zu werden?

Ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, jahrelang keine Gehaltserhöhung, Engagement ohne finanzielle Anreize: Lohnungerechtigkeit ist leider Alltag in Deutschland. Doch unfaire Bezahlung ist nicht nur aus finanzieller Sicht ärgerlich für Mitarbeiter - sie kann auch krank machen, berichtete "Xing".

Depression und Stresserkrankung durch unfaires Gehalt

So fanden Forscher der  Ravensburg-Weingarten heraus, dass Menschen, die sich ungerecht bezahlt fühlen, häufiger unter Stresserkrankungen leiden. Für die Untersuchungen wurden Daten von mehr als 5600 Mitarbeitern ausgewertet. Diese Menschen werden seit acht Jahren regelmäßig zu Jobzufriedenheit und gerechter Einkommenshöhe befragt. Das Ergebnis: Bei denjenigen, die ihr Gehalt als unfair empfinden, liegt das Risiko Depressionen oder anderen Stresserkrankungen zu entwickeln, um 64 Prozent höher.

Eine gefährliche Erkenntnis, denn in Deutschland sind nur wenige Angestellte mit ihrem Einkommen zufrieden. Nur etwas mehr als ein Drittel findet das eigene Gehalt fair, fand die Unternehmensberatung Korn Ferry Hay Group 2016 heraus. Dieser Wert lag 2012 noch bei 40 Prozent - also werden die Deutschen zunehmend unzufriedener mit ihrem Gehalt. 

Unfairer Lohn kann Schlaf beeinflussen

Das hat weitreichende Folgen, wie Christian Pfeifer, Ökonom an der Universität Lüneburg, entdeckte. Er wertete Datensätze zum Schlafverhalten aus, so die "Wirtschaftswoche". Angestellte, die sich unfair bezahlt fühlen, schlafen nach seinen Erkenntnissen weniger und schlechter als Menschen, die sich gut bezahlt fühlen. Dabei ging es nicht um konkrete Stundenlöhne, sondern nur um das Gefühl, ungerecht bezahlt zu werden.


Gefühlte Ungerechtigkeit bei der Entlohnung hat demnach größere Auswirkungen als tatsächliche Ungleichheit, die man auf den Euro genau aufrechnen kann. Allerdings hat das empfundene Ungleichgewicht sehr reale Auswirkungen: Wer sich mies bezahlt fühlt, kann krank werden. Also muss der Mitarbeiter einen Gang runterschalten. Und bringt sich um den beruflichen Aufstieg - und die damit einhergehende bessere Bezahlung. Das kann auch passieren, wenn der Mitarbeiter sich irgendwann fragt, warum er überhaupt noch Gas geben sollte im - lohnt sich ja eh nicht. Das hat am Ende nicht nur Auswirkungen auf den Mitarbeiter, sondern auch auf das ganze Unternehmen.


Wann ist Lohn gerecht?

Doch wann ist ein Gehalt gerecht? Laut dem Bonner Verhaltensökonom Armin Falk geht es weniger darum, wie viel Euro wirklich auf dem Gehaltszettel stehen, als vielmehr um die Unterschiede im Umfeld, schreibt die "F.A.Z.". Verdient man weniger als der Partner, Nachbar oder die Geschwister, fühlt man sich eher ungerecht bezahlt. Aber auch das Wissen, dass ein Kollege in der gleichen Position deutlich besser entlohnt wird, verstärkt das Ungerechtigkeitsempfinden.

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kg
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