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Firmenchef wagt Job-Experiment: Fünf Stunden arbeiten bei vollem Gehalt - und es funktioniert

Alle Mitarbeiter einer Paddel-Board-Firma arbeiten nur noch fünf Stunden - und das bei vollem Gehalt. Allerdings stellte der Chef eine Bedingung: Wer seinen Job in der Zeit nicht schafft, wird gekündigt. Das Resultat überrascht.

5-Stunden-Job bei vollem Gehalt

5-Stunden-Job bei vollem Gehalt: Die Mitarbeiter von Tower Paddle Boards haben immer um 13 Uhr Feierabend. 

Acht Stunden, jeden Tag - wenn's gut läuft. Stapeln sich Projekte, Anträge und Anfrage, wartet noch eine Präsentation, dann müssen Überstunden her. In Deutschlands Job-Landschaft sieht es finster aus, in vielen Firmen gehört es für Karrierehungrige dazu, Überstunden zu schieben. Was allerdings gerne vergessen wird: Der Arbeitstag ist voll von unproduktiven Phasen. Die Energie von Mitarbeitern lässt sich kaum in acht Stunden gleichermaßen aufrecht halten. 

Das dachte sich auch Stephan Aarstol aus San Diego. Der Gründer von Tower Paddle Boards entschied sich vor einem Jahr zu einem radikalen Schritt. Er verordnete seinen Angestellten den 5-Stunden-Arbeitstag - und das bei vollem Lohnausgleich. „Ich möchte euch euer Leben zurückgeben“, zitiert die "F.A.Z." Aarstol. Um sie zusätzlich zu motivieren, steckte er Unternehmensgewinne in die Bezahlung der Mitarbeiter. So konnte eine Angestellte ihren Verdienst erstaunlich gut steigern: Aus 20 Dollar wurden locker 38 Dollar. Doch Aarstol knüpfte eine Bedingung an die neue Strategie: Nach fünf Stunden Arbeitszeit ist Schluss. Wer glaubt, seine Arbeit nicht auch in fünf Stunden erledigen zu können, dem würde gekündigt. 

Der 5-Stunden-Job

Ob tatsächlich jemand das Unternehmern verlassen musste, ist nicht bekannt. Für Aarstol war der Strategieschwenk 2015 gefährlich: Höhere Ausgaben und Mitarbeiter mit einer 25-Stunden-Woche. Konnte das gut gehen?

Ganz sicher war sich Aarstol offenbar nicht, denn er beschränkte zunächst das Experiment auf die Sommermonate. Doch inzwischen arbeitet sein Unternehmen ganzjährig nur fünf Stunden pro Tag. Denn: Seit der Umstellung sind die Umsätze um 40 Prozent gewachsen und auf der Liste der 5000 am schnellsten wachsenden US-Unternehmen steht seine Paddel-Firma aktuell auf Rang 1121, berichtet "Impulse". In diesem Jahr plant Aarstol einen Jahresumsatz von rund neun Millionen Euro - mit gerade einmal zehn Mitarbeitern.

Tatsächlich bestätigen auch einige Studien die Strategie von Aarstol. So fanden Forscher der Uni Melbourne heraus, dass die kognitiven Fähigkeiten von Probanden mit jeder Arbeitsstunde ansteigen, bis 25 erreicht waren. Jede weitere Stunde ließ die Fähigkeiten sinken. Allerdings traf das wohl nur auf Menschen ab 40 Jahren zu. 

Weniger arbeiten, um produktiver zu werden

In Schweden haben einige Behörden und Firmen die reduzierte Stundenzahl eingeführt. So gibt es eine Klinik und ein Altenheim und ein Göteborger Toyota-Werk, dass Mitarbeiter nur noch täglich sechs Stunden arbeiten lässt.

Aarstol selbst bezieht sich auf Henri Ford. Der Automobil-Pionier hatte 1914 den 8-Stunden-Arbeitstag eingeführt - und wurde von seinen Zeitgenossen für so viel soziale Verantwortung nur milde belächelt. Damals war es üblich, dass täglich bis zu 16 Stunden gearbeitet wurde. 

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kg
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