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Firmenimperium schrumpft: Banken gewähren Merckle Notkredit

Er hat sich an der Börse böse verzockt, nun muss er beträchtliche Anteile an seinen Firmen abgeben: Adolf Merckle wird unter anderem Teile von HeidelbergCement und Ratiopharm an die Banken verlieren. Diese wiederum gewähren einen Notkredit. Dies bringt Zeit, die zur Sanierung genutzt werden soll.

Der in Finanznot geratene Unternehmer Adolf Merckle muss einem Zeitungsbericht zufolge Anteile an seinem Firmenimperium verkaufen. Er einigte sich nach wochenlangem Ringen mit seinen Gläubigerbanken auf einen Sanierungsplan, wie die "Süddeutsche Zeitung" erfahren haben will.

Firmenanteile gehen an die Banken

Merckle müsse große Teile seiner Unternehmensgruppe an die Banken abgeben, heißt es in dem Bericht. Zum Verkauf komme seine Mehrheit an dem Zement-Hersteller HeidelbergCement. Auch von Teilen des Pharmahändlers Phoenix und des Generikaherstellers Ratiopharm müsse er sich möglicherweise trennen. Eine Merckle-Sprecherin sagte am Dienstag, die Gespräche dauerten an. Zum Stand machte sie keine Angaben.

Die drei wichtigsten Unternehmen der Merckle-Gruppe - Ratiopharm, HeidelbergCement und Phoenix - haben etwa 100.000 Mitarbeiter und machen jährlich insgesamt 30 Milliarden Euro Umsatz. An HeidelbergCement hält der Merckle-Clan rund 80 Prozent der Anteile.

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge unterzeichneten die Banken und Merckle-Vertreter am Dienstag ein neues Stillhalteabkommen. Die 30 Gläubigerinstitute unter der Führung der Royal Bank of Scotland, der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Landesbank Baden-Württemberg gewähren Merckles Holding VEM Vermögensverwaltung dem Bericht zufolge einen Überbrückungskredit für einige Monate. In dieser Zeit solle ein Sanierungsplan für die Unternehmensgruppe ausgearbeitet und ein längerfristiger Kredit ausgehandelt werden. Hätten sich beide Seiten nicht geeinigt, hätte VEM noch vor Weihnachten Insolvenz anmelden müssen, heißt es laut Zeitung in den Verhandlungskreisen.

Fehlspekulationen mit VW-Aktien

Merckle geriet in Bedrängnis, weil einige seiner Firmen hoch verschuldet sind und im Zuge der Finanzkrise drastisch an Wert verloren. Außerdem verspekulierte er sich mit Volkswagen-Aktien. Die Banken verlangten daher mehr Sicherheiten für ihre Kredite. Über die VEM kontrolliert Merckle sein weit verzweigtes Firmenimperium.

Der Milliardär hatte im Kampf um sein Imperium mit der Insolvenz seiner Beteiligungsgesellschaft gedroht. Der 74-Jährige engagierte unter anderem den auf Insolvenzen und Sanierungen spezialisierten Anwalt Eberhard Braun, der nun als Verhandlungsführer der Familie dient. Die Gespräche zwischen der VEM und den Banken dauerten mehrere Wochen. Das Vermögen des Unternehmers werde auf mehr als sieben Milliarden Euro geschätzt, hieß es in dem Bericht. Es stecke überwiegend in seinen Firmen.

AP / AP