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Flixbus schluckt Postbus: Bye bye Wettbewerb: Flixbus ist jetzt die Deutsche Bahn für die Straße

Flixbus hat mit der Übernahme der Postbusse nahezu alle Kontrahenten aufgekauft und sich zum Fernbus-Monopolisten aufgeschwungen. Der einzige verbliebene Konkurrent ist die Bahn. Ist das gut oder schlecht für die Kunden?

Flixbus schluckt Postbus

Künftig keine Konkurrenten mehr: Flixbus schluckt Postbus

Was war das nur für eine Aufbruchstimmung Anfang 2013. Deutschland liberalisierte den Fernbusmarkt und plötzlich konnte jeder für ein paar Euro von Stadt zu Stadt fahren. Es dauerte zwar meist länger als mit der Bahn, doch die Preise waren sensationell günstig. Spätestens in den großen Bahnstreiks lernten die Deutschen die neuen Busse schätzen. Auf der Straße herrschte ein buntes Durcheinander, rund ein Dutzend Anbieter buhlte um Kunden.

Dreieinhalb Jahre später ist auf dem eben noch so wilden Fernbusmarkt Ruhe eingekehrt. Aus dem ruinösen Preiskampf ist ein klarer Sieger hervorgegangen. Flixbus ist auf der Straße jetzt das, was die Deutsche Bahn auf der Schiene ist: ein Monopolist ohne ernsthafte Konkurrenz. Der Zusammenschluss von Flixbus und MeinFernbus formte Anfang 2015 einen unangefochtenen Marktführer. Erst im Juni übernahm der Branchenprimus den Herausforderer Megabus. Und nun schluckt Flixbus auch noch Postbus, die bisherige Nummer zwei der Branche.

War's das mit günstigen Flixbus-Preisen?

Der Flixbus-Marktanteil in Deutschland steigt damit von 70 auf 80 Prozent. Das Kartellamt hat keine Einwände, da das Unternehmen bislang nicht genug Umsatz macht, um eine Prüfung der Fusion zu veranlassen. Dennoch stellt sich die Frage: War's das jetzt, nachdem die Konkurrenz aus dem Feld geschlagen wurde, mit günstigen Fernbuspreisen? Lässt Flixbus die Busse genauso verkommen wie die Bahn ihre Wagen? Fällt im Sommer die Klimaanlage aus und im Winter die Heizung? Immerhin, eine falsche Wagenreihung ist bei einem Bus ja nicht möglich.

Flixbus-Chef André Schwämmlein betont naturgemäß die Vorteile für die Kunden. Bisher parallel fahrende Linien könnten eingespart und dafür neue Verbindungen angeboten werden. "Wir wollen zum Beispiel die Küste häufiger anfahren und den grenzüberschreitenden Verkehr ausbauen, vor allem aber die Regionen stärken", sagte Schwämmlein der DPA. Kleinstädte, die bisher nicht ans Netz angeschlossen sind, sollen künftig erreichbar werden. Die Übernahme der Postbusse, die ab November unter neuer Flagge fahren, soll Flixbus auch helfen ältere Kunden zu gewinnen, die ihre Fahrkarten nicht online, sondern in der Postfiliale kaufen.

Und die Preise? Laut einer Auswertung des Reisevergleichsportals "GoEuro" sind die Preise für Busfahrten seit 2014 bereits um 40 Prozent gestiegen - die aktuelle Übernahme dürfte diesen Trend weiter befeuern. Flixbus-Chef Schwämmlein argumentiert dagegen andersherum: Die günstigen Preise könne Flixbus sowieso nur halten, wenn die Fahrzeuge besser ausgelastet sind, weil weniger Konkurrenz herumfährt. Den fehlenden Wettbewerb zwischen Fernbusanbietern sieht er nicht als Problem: "Der Wettbewerb findet intermodal statt - also mit Bahn, Flugzeug und vor allem mit dem Auto, das immer noch 85 Prozent Marktanteil bei Reisen in Deutschland hat", sagte Schwämmlein dem Manager Magazin

Flixbus setzt die Bahn unter Druck

Tatsächlich könnte ein profitabler Fernbuskonzern für Reisende Vorteile bringen. Denn der einzige verbliebene ernsthafte Kontrahent ist nun die Deutsche Bahn selbst - durch ihre IC-Busse aber auch durch Bahnverbindungen auf derselben Strecke. Die Bahn hat nicht zuletzt durch den Druck von der Straße in den vergangenen Jahren ihr Angebot an Sparpreisen massiv erhöht sowie ins Streckennetz und neue Extras wie Wlan im Zug investiert.

Wenn Flixbus es sich in seiner Monopolstellung nicht gemütlich macht, sondern das Angebot weiter verbessert, erhöht sich der Druck auf die Bahn, ebenfalls besser zu werden. So könnten am Ende Reisende doch von der Entwicklung profitieren.

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