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FLUGZEUGBAU: Airbus und Boeing mit gefüllten Auftragsbüchern

Die weltweite Luftfahrtkrise beutelt derzeit gerade kleinere Airlines und Herstellerfirmen ordentlich durcheinander. Nur die ganz großen scheinen sich noch über die Runden zu retten.

Die Luftfahrtkrise hat weltweit viele Fluggesellschaften und Herstellerfirmen in Bedrängnis gebracht. Die Fairchild-Dornier-Misere ist dafür auf der Herstellerseite in Deutschland sichtbarster Ausdruck. Die Cargolifter-Probleme sind vergleichbar. Und einigen kleineren Airlines wie beispielsweise Augsburg Airways geht es auch miserabel.

Auf der anderen Seite signalisieren viele renommierte Flugsellschaften, die nach den Terroranschlägen vom 11. September auch starke Verluste und Einbußen hinnehmen mussten, wieder einen deutlichen Aufschwung der Branche. Das gilt hier zu Lande vor allem für die Deutsche Lufthansa. Sie hat die allgemeine Krise viel besser als die meisten anderen Fluggesellschaften überstanden und bereits die ersten in Marana im US-Bundesstaat Arizona »eingemotteten« Jets zurückholt, weil sie sie dringend benötigt.

Dass die Luftfahrt eine Wachstumsbranche bleibt, wird am deutlichsten an den jüngsten Flugzeugbestellungen sichtbar, die Woche für Woche bei den beiden dominierenden Herstellerfirmen eingehen. Airbus und Boeing mussten im letzten halben Jahr aber auch zahlreiche Abbestellungen und Stornierungen hinnehmen, weil mehrere Airlines bankrott oder in großen finanziellen Schwierigkeiten waren. Doch waren einige Gesellschaften wie beispielsweise die einst so renommierte Swissair bereits vor dem 11. September angeschlagen. Die Terroranschläge in den USA und ihre weltweiten Folgen haben ihren Untergang nur noch beschleunigt.

Dass British Airways jetzt sechs Airbus A318-Bestellungen zurückzog, lag nicht an der Luftfahrtkrise, sondern daran, dass die PW6000-Triebwerke für den kleinen Airbus zu wenig Leistungen bringen. Auf der anderen Seite aber haben Airbus und Boeing trotz einer Reihe von Abbestellungen einen Auftragsbestand, der beiden Flugzeugherstellern gute Beschäftigung für die nächsten Jahre sichert.

Die europäische Airbus Industrie hat - abzüglich aller Annullierungen - derzeit einen Auftragsbestand über 1567 Flugzeuge im Wert von rund 138,6 Milliarden US-Dollar (rund 154 Mrd Euro). Bei dem US-Unternehmen Boeing liegt der Auftragsbestand immerhin auch noch bei 1368 Flugzeugen im Wert von 79,5 Milliarden Dollar. Dabei ist anzumerken, dass Boeing die Krise stärker getroffen hat, weil die nordamerikanische Luftfahrt stärker unter den Folgen des 11. Septembers gelitten hat als Europa oder Asien.

Airbus profitiert wertmäßig stark davon, dass die Fluggesellschaften EMIRATES (22) und Lufthansa (15) allein 37 doppelstöckige Airbus A380 im Wert von jeweils 265 Millionen US- Dollar geordert haben. Eine A340-600 oder eine Boeing 747-400 kosten in etwa viermal so viel wie eine herkömmliche Boeing 737 oder ein kleiner Airbus, der je nach Ausstattung zwischen 45 und 55 Millionen Doller kostet.

Aber auch kleinere Maschinen bringen gutes Geld. Billigflieger Ryanair bestellte bei Boeing allein 100 Boeing 737-800 zum Preis von jeweils knapp 60 Millionen-US-Dollar und Midwest Expreß orderte erst vor wenigen Tagen 25 Boeing 717, die noch knapp 40 Millionen US- Dollar kosten. Selbst angesichts der Tatsache, dass im Grunde keine Airline mehr die offiziellen Listenpreise bezahlt, weil der Konkurrenzkampf der Hersteller untereinander härter denn je ist, stehen kaum noch vorstellbare Milliardenbeträge in den Auftragsbüchern von Airbus und Boeing.

Allein bei Airbus sind seit dem 11. September 108 Flugzeugbestellungen im Wert von 16,4 Milliarden Dollar eingegangen. Bei Boeing sind es 278 Aufträge über 20 Milliarden US-Dollar. Dabei sind die bereits angekündigten Aufträge von EMIRATES über 25 zweistrahlige Langstreckenriesen Boeing 777 und von KLM über acht Boeing 777-200ER und drei Boeing 747-400ERF noch gar nicht berücksichtigt.