Flugzeugbauer Boeing will Airbus stoppen


Der US-Luftfahrtkonzern Boeing will die Niederlage gegen den Konkurrenten EADS nicht hinnehmen: Das Unternehmen will gegen die Vergabe des Milliarden-Auftrag der US-Luftwaffe an EADS formell Protest einlegen. Auch in der amerikanischen Politik regt sich Widerstand.

Der US-Flugzeugbauer Boeing wird sich gegen die Vergabe eines milliardenschweren Auftrags durch die US-Luftwaffe an den europäischen Konkurrenten EADS wehren. Das Unternehmen werde am Dienstag bei der zuständigen US-Behörde einen formellen Protest einlegen, teilte das Unternehmen in Seattle mit.

Ende Februar hatte die US-Luftwaffe völlig überraschend den 40-Milliarden-Dollar-Auftrag zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen an die Airbus-Mutter vergeben. Als große Überraschung wurde gewertet, dass das europäische Unternehmen bei einem so großen militärischen Projekt den Vorzug bekam. Vor allem Politiker aus dem Bundesstaat Washington, wo Boeing produziert, hatten protestiert.

Die Präsidentin des US-Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, forderte jüngste eine Untersuchung durch den US-Kongress. Die Entscheidung werfe "ernsthafte Fragen auf", so müssten etwa die Auswirkungen auf die nationale Sicherheit der USA untersucht werden. "Mit Blick auf die Konsequenzen dieser Entscheidung für die Vereinigten Staaten muss die Luftwaffe dem Kongress erläutern, wie sie die langfristigen Bedürfnisse unserer Streitkräfte und des amerikanischen Volkes erfüllt."

Ausschreibung nach Bestechungsskandal

Selbst Insider hatten zuvor Boeing als Favorit angesehen. Boeing beliefert die US-Streitkräfte seit 50 Jahren mit den Spezialflugzeugen. Die US-Luftwaffe hatte das Ausschreibungsverfahren nach einem Bestechungsskandal in Gang gesetzt, in dessen Folge ein Boeing-Spitzenmanager und eine Beschaffungsbeamtin der Luftwaffe ins Gefängnis mussten.

US-Militärs hatten betont, die EADS-Flugzeuge hätten den Vorzug erhalten, weil sie geeigneter seien: Sie seien größer als die von Boeing angebotenen Modelle und könnten mehr Treibstoff und mehr Passagiere transportieren, zudem hätten sie mehr Lazarettplätze. Außerdem würden die Airbus-Flugzeuge in den USA gemeinsam mit dem amerikanischen Partner Northrop Grumman gebaut. Northrop werde die Maschinen militärisch montieren, somit würden auch Arbeitsplätze in den USA geschaffen.

Fast 500 Millionen Euro Verlust

Unteressen teilte EADS mit, im vergangenen Jahr wegen tiefroter Zahlen seiner Tochter Airbus in die Verlustzone gerutscht zu sein. Der Nettoverlust betrage 446 Millionen Euro nach einem kleinen Gewinn von 99 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der Verlust, für den EADS vor allem den schwachen Dollar verantwortlich machte, fiel damit noch höher aus als von Analysten erwartet. Dennoch will der Konzern eine Dividende in Höhe der Vorjahresausschüttung von zwölf Cent je Aktie zahlen. Für 2008 erwartet EADS bei über 40 Milliarden Euro Umsatz einen operativen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro. 2007 setzte der Konzern mit rund 39 Milliarden Euro in etwa so viel um wie 2006, verdiente dabei operativ aber nur 52 Millionen Euro nach 399 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Lio/ DPA/ Reuters DPA Reuters

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