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FRANKREICH: Aktionäre kritisierten Vivendi-Chef Messier scharf

Die Aktionäre des französisch-amerikanischen Medienkonzerns Vivendi Universal übten auf der HV scharfe Kritik an Konzernchef Jean-Marie Messier. Davor hatte der Konzern ein unerwartet gutes Quartalsergebnis vorgelegt.

Anteilseigner, deren Investitionen im Zuge der Expansion des Konzerns nach Hollywood in den vergangenen zwei Jahren rund 70 Prozent an Wert verloren, kritisierten am Mittwoch in Paris die Strategie des Unternehmens und forderten den Rücktritt Messiers. Wütende Aktionäre schrien unter anderem: »Packe die Koffer« und »Tritt zurück Messier«. Andere aufgebrachte Anteilseigner nannten ihn »Pinocchio«. Die Aktionäre verweigerten dem Unternehmenschef ihre Zustimmung zu einem Aktien-Options-Plan, der nach Worten von Messier hoch qualifizierte Manager im Unternehmen halten soll.

Messier: Ergebnisse nicht immer fair bewertet

Messier sagte vor den rund 5.000 Aktionären, die Strategie des Medienkonzerns sei offenbar nicht ausreichend erklärt worden. Die bei der Umwandlung des Wasser-Konzerns in ein globales Medienunternehmen erzielten Ergebnisse könnten nicht mit vergangenen Daten verglichen werden. »Wir haben ein starkes internes Wachstum gezeigt und höhere Margen, aber unsere Ergebnisse sind nicht immer fair bewertet worden, weil es keine Vergleiche mit Vergangenem gibt«, sagte er. »Wir sind zum Teil verantwortlich für diese Situation und müssen mehr tun, um unsere Strategie zu erläutern, die Nummer eins der globalen Medienunternehmen zu werden.« Zuvor hatte Vivendi-Aufsichtsratsmitglied Marc Vienot den Aktionären erklärt, das Board unterstütze Messier und seine Strategie.

Angst vor ausländischem Einstieg

Messier hatte inmitten von Spekulationen über seine eigene Person in der vergangenen Woche überraschend das Ausscheiden des populären Chefs des zum Konzern gehörenden Bezahlfernsehsenders Canal Plus, Pierre Lescure, bekannt gegeben. Der Vorstandschef hatte außerdem Pläne über einen Verkauf der Mehrheit am Energiegeschäft von Vivendi aufgeschoben und damit auf heftige Proteste reagiert. Das Vorhaben hatte Befürchtungen geweckt, ausländische Investoren könnten durch einen Einstieg in das Unternehmen die Wasserversorgung kontrollieren.

Quartalsergebnis als gutes Omen

Messier bezeichnete die besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen auf der Hauptversammlung als Zeichen der guten operativen Verfassung des Konzerns. Mit den Ergebnissen des ersten Quartals hat Vivendi seine eigenen Ziele übertroffen. Die Bilanz wird als Zeichen dafür gedeutet, dass die Strategie des Konzerns richtig ist. Vivendi Universal hatte im ersten Quartal in seiner Medien-Sparte bei Umsatz und Ergebnis die Erwartungen der Analysten übertroffen. Dies lag vor allem an den guten Geschäften im Telekom- und Film-Bereich. Vivendi bekräftigte gleichzeitig seine Ziele für 2002.

Schuldenstand soll weiter sinken

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) der Medien-Sparte stieg im ersten Vierteljahr 2002 um 16 Prozent auf 1,171 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 27 Prozent auf 436 Millionen Euro erhöht. Der Umsatz der Sparte kletterte um zwölf Prozent auf 7,109 Milliarden Euro. Vivendi rechnet nunmehr damit, dass seine Schulden bis zum Jahresende sinken werden und zwar auf weniger als das Dreifache seines Jahres-Ebitda. Im März hatte der Konzern noch angekündigt, die Schulden würden nicht mehr als das Dreifache des Ebitda betragen.

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