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Führungskonflikt: IG Metall droht Porsche-Chef

Die IG Metall droht Porsche-Chef Wendeling Wiedeking mit einem Großkonflikt, sollte dieser die Mitbestimmung bei Volkswagen antasten. Vorher hatte Wiedeking den Haustarif infrage gestellt und erklärt, es dürfe keine "heiligen Kühe" geben.

Die IG Metall hat gereizt auf einen Vorstoß von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking reagiert, der unverhohlen den Haustarifvertrag bei VW in Frage gestellt hatte. Der niedersächsische IG Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine sagte: "Die IG Metall lässt am Haustarifvertrag nicht rütteln. Ich warne auch davor, weil damit der Porsche-Chef einen Großkonflikt mit den VW-Mitarbeitern produziert. Wir sind kurzfristig kampfbereit".

Wiedeking will heilige Kühe schlachten

Wiedeking hatte in einem Interview mit der der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe) gesagt, dass das eine oder andere bei VW überdacht werden müsse, falls Porsche eines Tages eine Mehrheitsbeteiligung an Volkswagen halten sollte. Im Zusammenspiel zwischen Management und Betriebsrat müssten klare Regeln gelten. Auf die Frage nach dem VW-Haustarifvertrag und der hervorgehobenen Rolle des Betriebsrates hatte er außerdem von "heiligen Kühen" gesprochen und von "Themen, die auf die Tagesordnung kommen".

Wiedeking lässt wenig Zweifel daran, dass Porsche seine Position bei VW ausbauen will. "Wir halten noch weitere Optionen auf VW- Aktien, werden aber zunächst die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zum VW-Gesetz abwarten", sagte er. "Danach werden wir entscheiden, ob wir die Optionen ziehen oder nicht." Solange das VW-Gesetz gilt, ist Porsches Stimmrechtsanteil auf 20 Prozent begrenzt. Der EuGH urteilt voraussichtlich bis Ende des Jahres, ob die Regelung gegen EU-Recht verstößt.

Gewerkschaft will Abbau der Mitbestimmung nicht hinnehmen

"Wir werden Angriffe auf den Haustarifvertrag bei Volkswagen und die Mitbestimmung nicht hinnehmen. Wer das in Frage stellt, muss mit erheblichem Widerstand der Beschäftigten rechnen", konterte Meine. Einen Abbau der Mitbestimmung bei VW habe schon einmal jemand versucht und sei damit "kläglich gescheitert", setzte Meine hinzu. Der IG-Metall-Bezirkschef wies damit indirekt auf den früheren VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hin, der die Kernmarke saniert hatte. Bernhard hatte versucht, unprofitabel arbeitende Komponentenwerke zu schließen und zu verkaufen. Im Rahmen eines Tarifabschlusses hatte die IG Metall dies verhindert, musste im Gegenzug aber eine längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich akzeptieren.

Meine sagte der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" dazu, diese Aussagen "ziehen mir wirklich die Schuhe aus". Wiedeking solle sich "um den Bau von Autos in Süddeutschland kümmern und nicht um Tarifverträge bei VW". Porsche ist mit 31 Prozent größter VW-Aktionär und will seine Beteiligung laut Wiedeking ausbauen. Zwischen Porsche und dem VW-Betriebsrat herrscht seit längerer Zeit Spannung, unter anderem wegen der Besetzung des Aufsichtsrates der geplanten Porsche-Holding.

"Veränderung ist Bestandteil unseres Denkens"

Am Donnerstag hatte Porsche Kritik von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh an den Wiedeking-Aussagen zurückgewiesen. Porsche habe bereits vor 15 Jahren damit begonnen, sich intensiv um schlanke Prozesse zu bemühen und sei damit schon sehr weit gekommen. "Aus diesem Verständnis heraus haben die Führungskräfte und Mitarbeiter bei Porsche keine Angst vor Veränderung. Im Gegenteil: Veränderung ist Bestandteil unseres Denkens. Da es nach meiner Überzeugung im VW-Konzern noch viel Potenzial gibt, muss auch dieses Denken gefördert werden", hatte Wiedeking den "Stuttgarter Nachrichten" gesagt.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters