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Streit um Vokswagen-Führung Winterkorn gewinnt Machtkampf gegen Piech


Die Entscheidung war mit Spannung erwartet worden: Nach einer Woche Machtpoker bei Volkswagen gibt der Konzern bekannt: Vorstandschef Martin Winterkorn bleibt - womöglich sogar für länger.

Im seit einer Woche schwelenden Machtkampf an der Volkswagen-Spitze haben Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn einen Burgfrieden geschlossen. Das Präsidium des Aufsichtsrats werde dem Kontrollgremium vorschlagen, Winterkorns Ende 2016 auslaufenden Vertrag zu verlängern, hieß es am Freitag in einer knappen Mitteilung. Ob der bestbezahlte Dax-Manager danach in den Aufsichtsrat wechseln soll, blieb offen.

Der sechsköpfige Kern des Kontrollgremiums ließ erklären: "Das Präsidium legt großen Wert darauf, dass Herr Professor Dr. Winterkorn seine Funktion als Vorsitzender des Vorstands auch weiterhin so aktiv und erfolgreich wie bisher verfolgt und hat hierbei die uneingeschränkte Unterstützung des Gremiums."

Bis zu der Mitteilung stand Winterkorn erheblich unter Druck. Piech hatte ihm vor einer Woche überraschend das Vertrauen entzogen und Europas größten Autobauer damit in eine Führungskrise gestürzt. Daraufhin war am Donnerstag das Präsidium des VW-Aufsichtsrats am Sitz des 78-jährigen Firmenpatriarchen in Salzburg zusammengekommen, um eine Lösung zu finden. Auch Winterkorn war mit von der Partie. Bei dem Sondertreffen in Salzburg ging es nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA auch um strategische Fragen rund um den Kurs des Vorstands. VW hat derzeit etwa massive Probleme auf dem wichtigen US-Markt.

"Wir werden weitere Aktionen von Piech sehen"

Nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer ist der Machtkampf bei VW mit dem Festhalten an Winterkorn aber nicht zu Ende. "Die Schlacht ist noch lange nicht geschlagen", sagte der Experte von der Uni Duisburg-Essen. Es sei lediglich ein "Etappensieg" für Winterkorn und von VW ein "Signal, um zunächst einmal wieder Ruhe in den Konzern zu bringen". Wie es nun mittelfristig weitergehe, müsse sich erst noch zeigen.

"Noch ist ja kein Vertrag unterzeichnet, das ist nur eine Willensbekundung", sagte Dudenhöffer. "Piëch wird sich das bis dahin weiter genau angucken." Winterkorn sei noch immer angezählt und stehe unter genauester Beobachtung Piëchs. Piech gehe systematisch vor. Deshalb sollte niemand, der mit ihm zutun habe, zu schnell sagen, er habe verloren. "Er arbeitet sehr systematisch und geht langfristig Schritt für Schritt. Wir werden sicher in den kommenden Monaten weitere Aktionen von ihm sehen, die Veränderung an der Spitze von VW einzuleiten."

Das Aufsichtsratspräsidium bereitet entscheidende Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor. Das Sextett bilden: Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (Vize-Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs, Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Osterloh-Vize Stephan Wolf.

Winterkorn galt bis zu der Piëch-Kritik als gesetzter Nachfolger des VW-Patriarchen als Chefkontrolleur. Mit der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und den zwei Vertretern des VW-Großaktionärs Niedersachsen auf der Kapitalseite hatte sich aber eine Allianz zu Winterkorn bekannt. Der Sprecher des Porsche-Familienzweigs, Wolfgang Porsche, hatte Piëchs Äußerungen als "Privatmeinung" bezeichnet. Einen Treueschwur für Winterkorn sprach Wolfgang Porsche aber nicht aus.

mad/DPA/Reuters DPA Reuters

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