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Fusion mit der Dresdner Bank: Sturm im Turm der Commerzbank

Die Übernahme der Dresdner Bank galt als Meilenstein für die Neuordnung der deutschen Finanzlandschaft - und als Coup des neuen Commerzbank-Chefs Martin Blessing. Nun wackelt der Deal. Und der Staat muss einspringen.

Von Nina Luttmer und Tim Bartz

Oben, auf dem Podium im Auditorium des höchsten europäischen Bankenturms, steht das Schild mit seinem Namen in der Mitte: Martin Blessing. Hinter ihm ein Schild mit dem Slogan der Veranstaltung: "Die Commerzbank übernimmt die Dresdner Bank - wir ergreifen eine einmalige Chance". Es ist der 1. September 2008. Und es ist sein großer Tag: Blessing ist erst seit 109 Tagen Chef der Commerzbank. Er hat geschafft, woran sein Vorgänger, sein Vorvorgänger und viele andere deutsche Banker bisher vergeblich gearbeitet haben: Er hat zwei deutsche Großbanken, seine Commerzbank und die Dresdner Bank, zusammengeführt.

Vom Meilenstein zum Mühlstein

Es ist einer der Deals des Jahres, ein Meilenstein für die Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft. Michael Diekmann, Chef der Dresdner-Mutter Allianz, lobt die Verbindung als "Meilenstein in der deutschen Bankenkonsolidierung". Über fünf Milliarden Euro Synergien!, jubelt er. Natürlich nach Abzug der Restrukturierungskosten. Eilig und emsig rechnet der Rivale Deutsche Bank vor, dass er noch immer die größte Bank in Deutschland sei - was als Kompliment zu werten ist. Endlich, es gibt eine zweite große deutsche Bank.

Lange scheint's her. Inzwischen wirkt der Deal wie aus einer anderen Zeit, einer Zeit, in der es noch Geld und große Pläne gab. Vier Monate später ist aus dem Meilenstein ein Mühlstein geworden, der die Commerzbank in die Tiefe zu reißen droht.

Beide Banken mussten Milliarden abschreiben, die Kernkapitalquote sinkt bedrohlich, die Commerzbank plant als erstes deutsches Institut eine staatlich garantierte Milliardenanleihe. Bereits zum zweiten Mal verhandelt Blessing über Staatshilfen aus dem Bankenrettungsfonds. Sein Haus hat bereits staatliche Garantien von 15 Milliarden Euro und eine Kapitalspritze von 8,2 Milliarden Euro erhalten. "Diese Hilfen könnten nun für die Zeit nach dem Dresdner-Kauf nicht mehr ausreichen", sagt ein Insider. Blessing, im Herbst noch gefeiert, ist entzaubert.

Im Rückblick scheint es manchmal, als sei von Anfang an der Wurm drin gewesen. Bereits am Tag der Verkündung des Mega-Deals wurde bekannt, dass die Fusion nicht in harmonischem Einvernehmen besiegelt worden war. Im Gegenteil: Fast der gesamte Dresdner-Bank-Vorstand hatte sich wegen fehlender Jobgarantien bis zuletzt vehement gewehrt. Man fühlte sich von der Allianz verraten und verkauft.

Commerzbank als Eisbrecher

Schnell war klar, dass es sich nicht um eine Fusion, sondern um eine Übernahme handelt - die viele Mitarbeiter der Dresdner Bank auch heute noch als feindlich ansehen. Vor einigen Tagen erst wurde das wieder deutlich: Die Arbeitnehmervertreter verweigerten Blessing die Wahl in den Vorstand der Dresdner Bank - dieser besteht voraussichtlich noch bis März, wenn die Dresdner Bank in der Commerzbank aufgeht.

Vor allem aber ist es die Finanzkrise, die dem Projekt zusetzt: Nur zwei Wochen nach der Feier in Frankfurt geht Lehman Brothers pleite, die Erschütterungen jagen um den Globus. Als in Deutschland die Hypo Real Estate wankt, spannt die Regierung einen Rettungsschirm für die Banken. Es ist ausgerechnet die Commerzbank, die im November als Erstes bei dem Sonderfonds - kurz Soffin - anklopft. Nach außen versucht man, das Ganze herunterzuspielen. "Die Commerzbank hat es sogar so verkauft, dass sie das Geld gar nicht wollte und brauchte, sondern die Regierung sie gedrängt hat", erinnert sich ein Banker. Die Commerzbank sollte demnach als Eisbrecher herhalten, um auch andere Banken anzuspornen, die Staatshilfen zu nutzen.

Folgenschwere Finanzspritze

Mit den acht Milliarden Euro an frischem Kapital und den Garantien, prognostizieren damals Bankenbeobachter, sei die Commerzbank ausreichend gestärkt, um die Finanzkrise durchzustehen - und die Übernahme der Dresdner zu verkraften. Offensichtlich eine Fehleinschätzung. Hinzu kommt: Für die Kapitalspritze muss die Commerzbank jedes Jahr 740 Millionen Euro Zinsen an Berlin zahlen.

Jedes Jahr startet das Institut also mit einem gigantischen Minus von 740 Millionen Euro, die erst einmal verdient werden müssen. Das ist in etwa so, als würde Eintracht Frankfurt jede Saison mit fünf Punkten Rückstand in die Bundesliga starten. Damit nicht genug: Irgendwann in den kommenden Jahren muss die Commerzbank das Eigenkapital an den Bund zurücküberweisen - und es durch Geld vom Kapitalmarkt ersetzen. Das könnte den Anteil der bisherigen Aktionäre verwässern - nicht gerade ein Grund, das Papier zu kaufen.

Auch die Milliardenabschreibungen der Institute gehen munter weiter. Der erwartete Wertberichtigungsbedarf - vor allem der Dresdner - ist so hoch, dass die aufsichtsrechtliche Kernkapitalquote von acht Prozent nach dem Zusammenschluss nicht mehr erreicht werden kann. Deshalb verhandeln die Banker erneut mit dem Soffin über eine erneute Eigenkapitalhilfe. Volumen: unbekannt.

Keine anderen Käufer in Sicht

Im Gespräch zwischen Soffin, Commerzbank und Allianz ist auch, dass der Versicherer Garantien für Wertpapiere der Dresdner Bank übernimmt. Das wäre ein Rückfall in Zeiten des vergangenen Herbsts: Damals hatten Allianz und Commerzbank vereinbart, dass sie gemeinsam einen Risikoschirm über 1,25 Milliarden Euro über die Ramschpapiere der Dresdner spannen. Die ersten 275 Millionen Euro Verlust sollte die Commerzbank tragen, für den Rest die Allianz geradestehen. Der im Dezember verkündete Verkauf der Dresdner für fünf Milliarden Euro - statt der ursprünglich geplanten 9,8 Milliarden Euro - machte diesen Schirm überflüssig.

Nun zeigt sich: Die Allianz wird ihr Problemkind Dresdner auch vier Monate nach dem besiegelten Verkauf nicht los. Für die Commerzbank könnte der Ärger erst richtig beginnen. Dass die beiden Banken über neues Eigenkapital verhandeln, überrascht Dieter Hein, Analyst bei Fairesearch, nicht: "Es musste der Commerzbank klar sein, dass die Übernahme der Dresdner für sie eine existenzbedrohende Gefahr birgt." Die Dresdner habe in den vergangenen sechs Jahren zusammengenommen vor und nach Steuern nur Verluste produziert. "Und das auch in guten Konjunktur- und Börsenphasen." Besonders Dresdner Kleinwort, in der milliardenschwere toxische Papiere liegen, belastet die Mutter - und damit künftig auch die Commerzbank.

Kaum noch Kredite

Wobei man den begriff "toxisch" inzwischen breiter definieren könnte. Das Institut ist neben der Royal Bank of Scotland einer von zwei Hauptgläubigern des am Dienstag verstorbenen Adolf Merckle. Die Fusionspartner sind zudem zwei von sechs Banken, die der Schaeffler-Gruppe einen 15 Milliarden Euro großen Kreditrahmen für die Continental - Übernahme gegeben haben. Ein veritables Klumpenrisiko.

Mancher Beobachter zeigt denn auch Verständnis, warum die Banken kaum noch Kredite vergeben. "Wie soll denn das gehen, bei dem Ausfallrisiko und dem Restrukturierungsbedarf, der da auf alle zukommt?", fragt ein Investmentbanker. Die Commerzbank hat angekündigt, die gemeinsame Bilanzsumme beider Institute von derzeit 1.100 Milliarden auf 800 Milliarden Euro abzuschmelzen. Das geht nicht, ohne die Kreditvergabe drastisch zurückzufahren.

Die Rezession birgt weitere Risiken: Die Commerzbank erwirtschaftet mindestens 70 Prozent ihrer Erträge auf dem heimischen Markt. "Die Bereiche, die bislang gut gelaufen sind bei der Commerzbank, werden künftig problematischer sein", sagt Analyst Hein. Dazu gehören das Osteuropa-, das Mittelstands- und das Privatkundengeschäft.

Regierung will zweite große Bank

Die Ausfallrate bei Krediten dürfte in diesem Jahr drastisch ansteigen, was die Commerzbank hart treffen wird. "Die haben richtig Gas gegeben im Kreditgeschäft, vor allem in den Branchen Automotive und Maschinenbau, die jetzt enorm unter der Wirtschaftskrise leiden", sagt ein Frankfurter Investmentbanker, der beide Häuser gut kennt. Er prophezeit wegen der Rezession einen "signifikanten Wertberichtigungsbedarf".

Ist nun also die gesamte Fusion in Gefahr? "Nie im Leben würde die Bundesregierung das zulassen", sagt ein Insider. "Dann würde hier alles zusammenbrechen. Dafür ist die Fusion auch schon zu weit fortgeschritten." Berlin wollte und will eine zweite große Bank. Nicht ohne Grund ist die China Development Bank, die ebenfalls Interesse an der Dresdner hatte und sogar einen höheren Preis zahlen wollte, nicht zum Zuge gekommen.

Zumindest bei der Integration der neuen Mitarbeiter scheint man auf einem guten Weg. Anfang Februar lädt die Commerzbank alle Angestellten - auch die der Dresdner - zu einem Kinobesuch in über ein Dutzend Filmtheater ein. Inhalt des Streifens: die Firmenkultur. Die Werte, die der Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller in Auftrag gegeben hat, umfassen fünf Eckpunkte: Integrität, Marktorientierung, Leistung, Respekt/Partnerschaftlichkeit und Teamgeist. Darüber werden sich besonders die Kollegen der Dresdner freuen. Im Zuge der Verschmelzung werden sie wie Neueinstellungen behandelt.

FTD
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.