HOME

Gipfel in Hamburg: Wer zahlt die Zeche für die G20-Party der Mächtigen?

Die Hamburger sind vom G20-Gipfel genervt. Sie müssen sich stark einschränken. Ladenbesitzer haben Umsatzeinbußen, weil sie ihre Geschäfte vorsichtshalber schließen. Klar ist: Der Gipfel ist teuer. Bezahlen müssen alle.

Fakten zum Gipfel in Hamburg: Das sind die kuriosen Ausmaße des G20-Gipfels in Zahlen

Am Sonntag war der Regen Schuld. Nur an drei Tischen saßen Gäste beim Eckitaliener "Tratorria Remos" auf St. Pauli. Am frühen Abend hatte es wie aus Kübeln geschüttet. Wer nicht musste, blieb zu Hause. Und so langweilten sich die Kellner und das Personal in der Küche, der Chef saß an einem Tisch, trank Wasser und schaute sich Bundesliga-Partie aus der Vorsaison auf dem Fernseher über der Antipasti-Truhe an. Ob er kommende Woche sein Geschäft schließen würde? "Warum?", fragt er zurück. Naja, es sei ja schon G20. "Ja, gerade deshalb", antwortet er. Aber all die Demonstranten. Und rund 20.000 Polizisten, ob er sich keine Sorgen machen würde. "Nein, warum? Die brauchen doch was zu essen." 

Dieses Restaurant bleibt also geöffnet - andere Ladenbesitzer sind sich da nicht so sicher. Die Betreiber des Cafés Mamalicious fragten die Facebook-Fans, ob sie öffnen sollen. Das kleine Geschäft liegt am Rande der Schanze, nicht direkt in der Gefahrenzone, aber doch ziemlich nah dran. Der Tenor: Macht dicht. Viele Hamburger würden aus der Stadt fliehen, die anderen sich mit Lebensmitteln eindecken. Für ein Stück veganen Kuchen würden die wenigsten in die Schanze kommen.

G20 in Hamburg: Umsatzeinbußen durch den Gipfel

G20 spaltet auch die Ladenbesitzer: Öffnen oder schließen? Umsatz oder Absturz? Die großen Ketten in der Innenstadt verbarrikadieren ihre Schaufenster, zusätzliches Sicherheitspersonal soll den Schutz der Kunden und Mitarbeiter gewährleisten. Andere Läden machen gar nicht erst auf. Auch die Supermärkte in der Nähe des Tagungsortes machen früher dicht. Die Rindermarkthalle - ein Einkaufsort mit Budni, Aldi, Edeka, Bio Company und weiteren Läden - macht am Donnerstag schon um 17 zu. Grund dafür ist eine angekündigte Demo mit möglicherweise gewaltbereiten Demonstranten. In vielen Hamburger Hotels sind noch Betten frei. "Diese Tage bedeuten konkrete Umsatzeinbußen für den Einzelhandel, das Gaststättengewerbe und die Kulturbetriebe. Ob das Image der Stadt langfristig davon positiv beeinflusst wird, hängt nicht zuletzt vom Verlauf dieser Woche ab", sagt Norbert Aust, Vorstand des Hamburger Tourismusverbandes, zum stern. Der Gipfel sei eine der größten Herausforderungen für die Stadt, so Aust weiter.

Budni in der Schanze schützt sein Schaufenster mit Brettern

Die Drogeriekette Budni in der Schanze schützt sein Schaufenster mit Brettern

Das zeigt sich auch an den Hotels in der Hansestadt. Auf der einen Seite sind noch einigen Betten frei - und das zu besten Reisezeit in den Sommerferien. "Die Stadt ist nicht ausgebucht", heißt es auch auf stern-Nachfrage beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Hamburg. Wer Hamburg besuchen wolle, sei auf andere Wochenenden ausgewichen. Auf der anderen Seite bieten etliche Hotels Polizisten Unterkünfte. Und das kostet richtig Geld: Um die 15.000 Polizisten (und rund 4000 Bundespolizisten) unterzubringen und zu verpflegen, müssen mindestens sechs Millionen Euro aufgewendet werden. Dazu kommen die Kosten für die Beamten selbst. 15 Millionen Euro wird das kosten, so schätzt das "Abendblatt". Nicht eingerechnet sind die Aufwendungen für 153 Diensthunde und 61 Polizeipferde, die Kosten für Spezialeinheiten und besondere Ausstattung, so das "Abendblatt". Der Bund verzichtet sogar darauf, die eigenen Sicherheitskosten (Kosten für Bundespolizisten währen des G20-Gipfels) in Rechnung zu stellen. Außerdem hat der Bund der Hansestadt pauschal 50 Millionen Euro überwiesen. Doch das dürfte knapp werden.

G20-Gipfelkosten explodieren

Denn Hamburg hat noch weitere Ausgaben. So wurde aus dieser Summe bereits die Sicherheitsmaßnahmen für das Treffen der OSZE-Außenminister im vergangenen Dezember finanziert. Für die Unterkünfte in den Luxushotels kommen die Staatsgäste und ihre Delegierten selbst auf, die Stadt hatte nur bei der Vermittlung der Hotels geholfen. 

Klar ist: Die Kosten für solche Treffen explodieren regelmäßig. So waren die Kosten für das G7-Treffen im bayerischen Schloss Elmau 2015 auf 112,64 Millionen Euro beziffert worden. Der Bund der Steuerzahler zweifelt daran, laut eigenen Berechnungen habe der Politik-Gipfel 350 Millionen verschlungen. Bayern hatte im Vorfeld des Gipfels Plätze und Straßen saniert, Polizeifahrzeuge und Computer angeschafft - doch wo fangen Ausgaben für den Gipfel an und wo höheren allgemeine Ausgaben in die Infrastruktur von Städten und Polizei auf?
Der G20-Gipfel in Toronto im Jahr 2010 war mit 179 Millionen Euro veranschlagt worden. Am Ende hatte die Veranstaltung knapp eine Milliarde Euro gekostet, allein rund 400 Millionen Euro entstanden durch die Sicherheitskosten. In Hamburg sollen Gesamtkosten von rund 130 Millionen Euro zu Buche schlagen. Ein Großteil der Kosten trägt der Bund als Gastgeber. Im Bundesetat sind rund 200 Millionen Euro dafür veranschlagt. Bis zu 400 Millionen Euro könnte der Gipfel dennoch kosten, fürchten Kritiker. Und: In diese Rechnung ist noch nicht eingeflossen, wie viel Geld nicht verdient wurde, weil Geschäfte nicht öffnen können oder Betriebe ihren Mitarbeitern zum G20-Gipfel freigegeben haben. Diese Beträge sind kaum zu greifen - und reißen doch ein Loch in die Bilanz der Händler. "Die tatsächlichen Kosten des G20-Gipfels stehen noch nicht fest", heißt es bislang aus der Senatskanzlei Hamburg.

kg