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Gefahr für die Weltwirtschaft: USA üben scharfe Kritik an deutscher Handelspolitik

Die NSA-Affäre belastet die amerikanisch-deutschen Beziehungen. Nun gibt es erneut scharfe Kritik: Laut US-Finanzministerium ist die deutsche Wirtschaftspolitik eine Gefahr für die Weltwirtschaft.

Das US-Finanzministerium hat Deutschland wegen seiner hohen Handelsbilanzüberschüsse scharf kritisiert. Die hohen deutschen Ausfuhren würden sowohl die Stabilisierung in Europa als auch die Weltwirtschaft behindern, heißt es in einem am Mittwochabend veröffentlichten halbjährlichen Bericht des Ministeriums an den US-Kongress. Eine weitere Entspannung in der Euro-Schuldenkrise werde so verzögert.

Derzeit versuchen die Krisenländer der Eurozone, ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnzurückhaltung und Strukturreformen zurückzugewinnen. "Um diesen Anpassungsprozess zu erleichtern, sollten Länder mit großen und anhaltenden Überschüssen Maßnahmen zur Stützung der Binnennachfrage ergreifen", schreibt das Finanzministerium. Eine stärkere deutsche Binnennachfrage könnte dazu beitragen, die Ungleichgewichte in der Eurozone zu vermindern.

Deutschlands Handelsüberschuss größer als der Chinas

Deutschland habe während der gesamten Schuldenkrise einen hohen Überschuss in der Handelsbilanz erzielen können. In dem Bericht heißt es: "Deutschlands anämisches Wachstum der Binnennachfrage und seine Exportabhängigkeit hat ein Ausbalancieren in einer Zeit behindert, in der viele andere Länder der Eurozone stark unter Druck standen, die Nachfrage zu bremsen und Importe zurückzufahren."

Deutschland würde mit seiner Politik deflationäre Tendenzen in der Eurozone als auch in der Welt auslösen, so der Vorwurf. Unter einer Deflation wird ein Prozess anhaltend sinkender Preise verstanden. Ökonomen sehen darin eine Gefahr für das Wirtschaftswachstum. Der Bericht verweist darauf, dass der Überschuss Deutschlands im vergangenen Jahr sogar über dem von China gelegen habe.

Die Kritik aus den USA an Deutschland ist nicht neu, wurde aber in der Vergangenheit nicht so scharf geäußert. Bisher war in den Berichten vor allem China kritisiert worden. Der Vorwurf: Peking manipuliere die heimische Währung, um Vorteile im internationalen Wettbewerb zu erzielen. Auch im aktuellen Bericht wird der Yuan als "merklich unterbewertet" bezeichnet.

amt/DPA / DPA
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