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Gefeilsche um Mietnachlass: Vermieter droht Berggruen mit Karstadt-Zerschlagung

Nicolas Berggruen wird bereits als Retter von Karstadt gefeiert. Doch in einem zentralen Punkt hakt es: bei den Mieten. Das Vermieterkonsortium Highstreet droht dem Investor bereits mit einer Zerschlagung der Warenhauskette. Dennoch hat der Berggruen den Kaufvertrag unterzeichnet.

Die Rettung der insolventen Warenhauskette Karstadt steht auch nach dem Zuschlag für den Investor Berggruen auf wackeligen Beinen. Größtes Problem: die Mieten, die aus Karstadt-Sicht deutlich gedrückt werden müssen. Bei diesem Thema gibt es noch keine Einigung mit dem Karstadt-Vermieter Highstreet. Das bestätigten Sprecher von Highstreet und Berggruen am Dienstag. Der Immobilienfonds Highstreet war am Montagabend mit einem eigenen Angebot im Bieterrennen um Karstadt nicht zum Zuge gekommen.

Bei Highstreet hieß es, man sei zu zusätzlichen Mietsenkungen bereit, wie sie auch in der Offerte für Karstadt angeboten worden seien. Zusätzlich zu dem bereits im Insolvenzplan zugesagten Sanierungsbeitrag von 160 Millionen Euro gehe es dabei um weitere Mietsenkungen von 230 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren. Davon will Highstreet offensichtlich nicht abrücken: Dieses Angebot habe für alle Bieter gegolten. Wenn es nicht angenommen werde, steige die Wahrscheinlichkeit einer Liquidation von Karstadt erheblich.

Eine ganze Reihe offener Fragen

Ein Berggruen-Sprecher wollte die genaue Höhe der von dem Investor geforderten Mietsenkungen nicht nennen. Bis zu einer Übernahme von Karstadt durch Berggruen müssten noch eine ganze Reihe offener Fragen geklärt werden.

Der Verkauf von Karstadt ist derweil besiegelt: Berggruen und Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg unterzeichneten einen notariellen Vertrag über den Verkauf des Traditionsunternehmens, wie der Insolvenzverwalter in Essen mitteilte. In dem Vertrag seien Bedingungen vereinbart worden, nach deren Umsetzung der Verkauf von Karstadt in Kraft trete. Der Kaufvertrag werde wahrscheinlich im Spätsommer vollzogen und damit rechtskräftig, teilte Görg mit.

Verdi: Noch nicht am Ziel

Der Privatinvestor Nicolas Berggruen will nach bisherigen Angaben keinen Personalabbau unter den 25.000 Karstadt-Beschäftigten vornehmen und die 120 Warenhäuser erhalten. Der angebotene Kaufpreis für Karstadt soll dem Vernehmen nach bei rund 70 Millionen Euro liegen. In den kommenden drei Jahren seien Investitionen von rund 240 Millionen Euro geplant, hieß es aus Kreisen.

Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane darauf hin, dass bei Karstadt noch nicht "alles in trockenen Tüchern" sei. "Wir sind noch nicht am Ziel, dass man sagen kann, jetzt hat das neue Kapitel endgültig angefangen, wir sind noch im Übergang, aber es ist eine wichtige Etappe", sagte sie. Die Gewerkschaft Verdi hatte sich am Montag bei der entscheidenden Sitzung des Gläubigerausschusses öffentlich für den Investor Berggruen ausgesprochen.

DPA / DPA