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Geldtransport "Heros": Mit Betrug zum Branchenprimus

Es könnte sich um einen der größten Kriminalitätsfälle Deutschlands handeln: Mitarbeiter der Geldtransporter "Heros" sollen 300 Millionen Euro unterschlagen haben. Nun drohen sogar Bargeld-Engpässe an den Geldautomaten.

Der Zusammenbruch der größten deutschen Geldtransportfirma Heros wegen eines beispiellosen Betrugsfalls könnte die Bargeldversorgung in ganz Deutschland beeinträchtigen. Mitarbeiter der Firma sollen in den vergangenen Jahren rund 300 Millionen Euro an Kundengeldern unterschlagen haben.

Heros hat das Geld offenbar in die Firma investiert. Mit dieser "Quersubvention" konnte das Geldtransportunternehmen günstigere Preise offerieren als seine Mitbewerber. Heros soll seine Dienste um bis zu 60 Prozent günstiger als andere Firmen angeboten haben und hätte so manchen Konkurrenten aus dem Geschäft gedrängt, hieß es. Mittlerweile ist Heros die Nummer 1 unter den deutschen Geldtransportnern und führt rund die Hälfte aller Transporte durch.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe am Montag meldete das Unternehmen für alle 23 Tochterunternehmen Insolvenz an. Die Folgen könnten Bundesbürger in den nächsten Tagen zu spüren bekommen - etwa durch leere Geldautomaten.

Die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste will ihre "gesamten personellen und technischen Kapazitäten bis zur Grenze der Belastbarkeit zur Verfügung stellen", um mögliche Versorgungsengpässe mit Bargeld weitestgehend zu vermeiden. Die Bundesbank wies ihre Filialen an, alles zu tun, um eine stabile Bargeldversorgung zu gewährleisten. "Alle Filialen wurden aufgefordert, ihre Öffnungszeiten flexibel - je nach lokalem Bedarf - auszuweiten, sofern dies notwendig werden sollte", hieß es.

Heros belieferte auch Banken und Geldautomaten

Das Problem: Die Geldtransporter bringen sowohl zu den Banken als auch zum Einzelhandel das Bargeld. Heros mit seinen mehr als 50 Prozent Marktanteil in Deutschland hat dies für viele Unternehmen erledigt. Ob und wie viele der Heros-Firmen, für die Insolvenz angemeldet wurde, nun noch tätig sein werden, war zunächst unklar. Der Sparkassen- und Giroverband erklärte am Abend auf Anfrage, rund 60 Sparkassen seien als Heros-Kunden betroffen. Sprecher Stefan Marotzke betonte aber: "Die Bargeldversorgung ist absolut gewährleistet." Der Geldtransportverband BDGW habe bestätigt, dass ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stünden und kurzfristig verfügbar seien. Ein Sprecher der Dresdner Bank sagte, das Haus arbeite nur in zwei Bundesländern mit Heros zusammen. Die Bargeldversorgung der Filialen und Geldautomaten sei gesichert.

Täglich 600 Millionen Euro transportiert

Nach Angaben aus Handelskreisen transportierte Heros täglich rund 600 Millionen Euro. Dabei sollen die Mitarbeiter im Laufe mehrerer Jahre Kundengelder in dreistelliger Millionenhöhe entnommen haben. Das Geld sollen sie teils in die eigene Tasche gesteckt und "in ganz erheblichem Umfang" auch für die eigene Firma ausgegeben haben, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten. Bei einer Razzia am vergangenen Freitag war in den niederrheinischen Städten Viersen und Frechen sowie in Hamburg und Hannover in 25 Firmen und Privatwohnungen umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe meldete Heros gegen 14.30 Uhr beim Amtsgericht Hannover Insolvenz für alle 23 Tochterfirmen an.

Zu den Opfern des Betrugsfalls gehören Deutschlands große Handelskonzerne wie Metro und Karstadt ebenso wie die großen Banken. Der Metro-Konzern, mit seinen Töchtern Kaufhof und real, stellte bereits am Freitag jede Zusammenarbeit mit Heros ein, wie Sprecher Jürgen Homeyer der AP mitteilte. "Die sind komplett raus." Das Unternehmen habe für derartige Situationen Notfallpläne in den Schubladen. Der Schaden halte sich in geringen Grenzen. Auch Karstadt-Sprecher Jörg Howe räumte ein: "Es sieht so aus, als wären wir auch betroffen." Wegen des Verdachts der schweren Untreue und des bandenmäßigen Betrugs waren laut Landeskriminalamt Düsseldorf am Wochenende vier Mitarbeiter der Heros-Tochter Nordcash verhaftet worden.

AP / AP