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Gestiegene Pastapreise: Italiener proben den Nudelstreik

Die steigenden Lebensmittelpreise schaffen in Italien Wundersames: Eine nationale Protestallianz über alle ideologischen Grenzen hinweg. Pasta soll 20 Cent pro Kilo teurer werden - und schon kämpfen katholische Minister und Kommunisten Seit' an Seit'.

Von Luisa Brandl, Rom

Alles kann man den Italienern zumuten. Lehrermangel an den Schulen, Chaos auf den Flughäfen, die Rente erst mit 61 Jahren. Aber eins können sie partout nicht verdauen: die Erhöhung der Nudelpreise. 20 Cent pro Kilo ist die Leibspeise der Italiener teurer geworden. Zusammen mit den Preisaufschlägen für andere Grundnahrungsmittel lässt eine Familie damit im Jahr glatt 700 Euro mehr an der Supermarktkasse liegen. Aus Protest haben die Südländer heute den Nudelstreik ausgerufen.

Pasta-Essen hält Leib und Land zusammen

Eigentlich ist es eine höchst unwahrscheinliche Protestallianz: Verbraucherschützer, Landwirte, die katholischen Minister für Justiz und Gesundheit, Gewerkschafter, Altkommunisten - sie liegen normalerweise immer im Clinch. Doch heute schmachten sie vereint nach den begehrten Spaghetti & Co. Im Namen eines höheren Ziels. Sie werden, darbend vor Hunger, auf dem Platz vor der Abgeordnetenkammer in Rom demonstrieren.

Denn die Pasta vereint das Land wie sonst nur die Nationalelf der Azzurri. 28 Kilo davon verputzt der Südländer pro Jahr. Italiener, die mit dem Auto ins Ausland reisen, packen nicht selten ein paar Tüten in den Kofferraum. Denn die moderne Welt der Mobilität ist ja schön und gut, aber ohne Penne und Fusilli? Und jeder Reisebericht beginnt mit dem Satz: "Es war ja sehr schön, aber das Essen..."

Nein, bei der Pasta lassen sie nichts auf sich kommen, die Italiener. Auch die Verhandlungen des Industrieministers mit Vertretern des Nudelvertriebs konnten den Prostest nicht eindämmern. Immerhin wurde am vorigen Dienstag vereinbart, dass die Preiserhöhungen bei den Teigwaren bis zum Jahresende innerhalb der voraussichtlichen Inflationsrate von 1,7 Prozent liegen müssen. Die Finanzpolizei soll bei spekulativen Verteuerungen einschreiten.

Verbraucherschützer fordern Pasta-Fabrikverkauf

Das Problem sei die Preisschere zwischen Herstellung und Vertrieb, erklären die Verbraucherschützer. Brot und Nudeln kosten zwölf beziehungsweise 20 Prozent mehr im Endverkauf. Deshalb schlagen sie vor, einmal pro Woche einen Direktverkauf ab Fabrik einzuführen. Das würde die Konkurrenz beleben.

Doch das Magendrücken bei den Nudeln hat längst weite Kreise gezogen. Italien will unabhängig sein von den Preissteigerungen am internationalen Markt. In Brüssel fordern die Italiener deshalb die Erlaubnis ein, rund drei Millionen Hektar gesetzlich festgelegtes Brachland in Getreidefelder umwandeln zu dürfen.

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