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Getränke: Wer greift nach Holsten?

Kaum hat die belgische Interbrew-Gruppe die Bremer Traditionsbrauerei Beck's und die Gilde-Brauerei in Hannover übernommen, brodelt die Gerüchteküche wegen der traditionsreichen Holsten-Brauerei.

Der deutsche Biermarkt kommt nicht zur Ruhe. Kaum hat die belgische Interbrew-Gruppe die Bremer Traditionsbrauerei Beck's und die Gilde-Brauerei in Hannover übernommen, da rückt mit Holsten ein weiterer großer Bierkonzern in den Fokus ausländischer Unternehmen. Das Hamburger Unternehmen wird schon seit langem in den einschlägigen Internet-Foren und Anlegermagazinen als Übernahme- Kandidat gehandelt. Nun kommt Bewegung in die Sache.

Aktienpaket kam auf den Markt

Die Commerzbank zeigte in der vergangenen Woche offiziell an, dass sie sich von ihrem Holsten-Aktienpaket von 13,84 Prozent vollständig getrennt habe. Schon im Dezember soll ein weiteres großes Paket von 1,8 Prozent der Aktien außerbörslich den Besitzer gewechselt haben. Und schließlich ist der Holsten-Aktienkurs seit Mitte Dezember von 18 bis 19 auf über 23 Euro gestiegen - ein Indiz, dass ein Aufkäufer über die Börse größere Stückzahlen der Aktie einsammelt. «Der Kursanstieg kann aber auch an unserem positiven Quartalsbericht liegen», sagt Holsten-Sprecher Udo Franke.

Guter Übernahmekandidat

Holsten eignet sich mit seinen attraktiven Marken König-Pilsener, Holsten Pilsener, Lübzer Pils und Licher Pilsner für eine Übernahme wie kaum ein zweiter Bierkonzern in Deutschland. Mit einem Bierabsatz von weltweit 10,2 Millionen Hektoliter und einem Anteil von mehr als acht Prozent am deutschen Biermarkt ist Holsten der dickste Fisch, den ein ausländischer Konzern an Land ziehen könnte. Denn der Biermarkt ist trotz einiger Übernahmen und Fusionen nach wie vor zersplittert. Es gibt mehr als 1.200 Brauereien, aber nur wenige starke nationale Marken. Der durchschnittliche Biertrinker nimmt das Gebräu aus der Nachbarschaft.

Ordentliche Dividende

Zudem schrumpft der Markt von Jahr zu Jahr, während Mineralwasser und Fruchtsäfte zulegen. Holsten konnte sich bislang wacker halten und bis auf das Jahr 2001, als ein teures Auslands-Abenteuer in Polen beendet wurde, jedes Jahr eine ordentliche Dividende ausschütten. Gegenwärtig leidet das Hamburger Unternehmen unter dem Dosenpfand, weil es stärker als viele Konkurrenten auf die Dose gesetzt hat. Knapp ein Viertel der Belegschaft in den Braustätten arbeitet kurz.

Keine Übernahme gegen Großaktionär

Größter Einzelaktionär bei Holsten ist die Tivoli Werke AG mit knapp 35 Prozent. Dahinter steht die deutsch-amerikanische Familie Eisenbeiss. Der New Yorker Investmentbanker Christian R. Eisenbeiss steht dem Holsten-Aufsichtsrat vor und hat sich noch nicht zu seinen Absichten geäußert. Ohne oder gegen diesen Großaktionär ist eine Übernahme nicht zu machen. Ein weiteres großes Paket von knapp 15 Prozent liegt schon seit langem bei der Ursula Lange Stiftung. Weitere 37 Prozent sind Streubesitz.

Outet sich der Käufer?

Nun wartet die Branche gespannt darauf, dass sich der Käufer des Commerzbank-Paketes outet. In Branchendiensten und anderen Medien werden fast alle internationalen Bierkonzerne als mögliche Interessenten genannt, von Carlsberg, Heineken und Anheuser-Busch bis hin zu Miller, Interbrew und dem britischen Getränkeriesen Scottish Newcastle Brewery. Für die ausländischen Konzerne ist der Kauf eines Unternehmens die einzige Chance, einen Fuß in den deutschen Markt zu bekommen, weil die deutschen Biertrinker mit Miller Light oder Budweiser nicht zu gewinnen sind. Lange kann es nicht mehr dauern, bis das Geheimnis gelüftet wird: Wer mehr als fünf Prozent an einer Aktiengesellschaft hält, muss das offiziell anzeigen.