Getränke Wie Bier wieder trendy wird


Die gesamte Branche klagt über den sinkenden Bierabsatz, nur eine Bremer Brauerei stimmt nicht in das Klagelied mit ein: "Beck's Gold" mischt mit transparenten Flaschen und geschicktem Marketing die Branche auf.

Die Brauer-Branche klagt: Auch im ersten Quartal dieses Jahres ist der Bierabsatz in Deutschland weiter zurück gegangen. Nicht nur das Dosenpfand, auch der Trend macht den Bierproduzenten zu schaffen. Vor allem junge Leute scheinen moderne Mixgetränke einem gepflegten Pils vorzuziehen. Doch die Bremer Brauerei Beck's zeigt der Branche, wie man aus einem ganz normalen Bier mittels neuer Verpackung eines der derzeit angesagtesten Szene-Getränke machen kann.

Seltenheit machte es zum Renner

"Der Verkauf von Beck's Gold läuft fantastisch", erzählt denn auch Unternehmenssprecher Michael Hoffmann begeistert, "die Absatzsituation ist weit über unseren Erwartungen". Absolute Zahlen nennt die Brauerei wohlweislich nicht: Das erste deutsche Bier in einer transparenten Flasche scheint vor allem deswegen so begehrt zu sein, weil es bis vor kurzem noch Seltenheitswert besaß. "Es soll vorgekommen sein, dass kurz nach der Einführung Beck's Gold bei E-bay versteigert wurde - weil es so selten zu bekommen war", berichtet Hoffmann stolz.

Geschmack gemildert

Das Geheimnis der neuen Marke ist im Grunde recht unspektakulär: Weil die Brauerei, die mittlerweile zum belgischen Interbrew-Konzern gehört, vor einigen Jahren herausgefunden hatte, dass viele Verbraucher das ursprüngliche Beck's-Bier als zu herb empfinden, musste eine mildere Sorte her. Die Brauerei hätte das Bier jetzt einfach in die üblichen grünen Flaschen füllen und neben das normale Pils in die Supermärkte stellen können. Wahrscheinlich wäre nicht viel passiert.

Verpackung ist Teil des Wettbewerbs

Aber Verpackung ist Teil des Wettbewerbs, und Beck's hat sich offenbar von den in der Gastronomie seit langem sehr beliebten mexikanischen Bieren inspirieren lassen, die in transparenten Flaschen serviert werden. Bislang war das für deutsche Brauereien nicht möglich, da das Reinheitsgebot den Zusatz von Konservierungsstoffen unmöglich macht. Die grünen und braunen Flaschen der deutschen Brauereien sind ein wichtiger Lichtschutz. Die neuen schicken "Beck's Gold"-Mehrweg-Flaschen besitzen dagegen einen integrierten UV-Schutz.

Szenepublikum braucht kein Glas

Dass die Marke als Fassbier nicht wirken würde, ist dabei kein Problem. Während es früher als absolut unfein galt, Bier aus der Flasche zu trinken, ist das heute eher der Normalfall. "Bei jungen Szenegängern können Sie mit Gläsern nix mehr reißen", weiß ein Branchenkenner. "Versuchen Sie heutzutage mal, in einem Club zu einer Flasche Beck's Gold ein Glas dazu zu bestellen, da können Sie gleich wieder gehen."

Zunächst nur in 'ausgewählten' Clubs

Neidisch blickt man in der Branche auf das "eingespielte Distributionsnetz" der Bremer Brauerei, sprich: auf die zahlreichen Gaststätten, die Beck's ausschenken. Besonders in den Großstädten gilt die Marke als angesagt. Vor allem in Berlin ist Beck's in vielen Clubs die Standard-Biermarke. Genau dieses Netz hat die Brauerei bei der Markteinführung geschickt genutzt. So gab es das trendige neue Bier seit Juni letzten Jahres zunächst nur in 250 "ausgewählten" Clubs und Gaststätten zu trinken. Streng limitiert sozusagen - wie begehrte Luxus-Armbanduhren. Das weckte natürlich Begehrlichkeiten: Als das Produkt, das übrigens genau wie das herkömmliche Beck's im obersten Preissegment rangiert, im Februar endlich in die Supermarktregale kam, war der Markt längst da. Hin und wieder kommt es sogar zu Lieferschwierigkeiten, weil die Brauerei nach eigenen Angaben nicht mit diesem Erfolg gerechnet hatte.

'Sonderedition' darf ruhig teuer sein

Branchenkenner warnen schon seit längerer Zeit davor, Brauereien nur nach den abgesetzten Hektolitern zu beurteilen. Entscheidend sei doch, wie erfolgreich die Unternehmen sich auf dem Markt behaupten würden. Erfolgreich heißt dabei auch, ein Bier nicht unbedingt massenweise, aber dafür teuer genug abzusetzen. Das macht sich dann auch für Brauereien bezahlt, die zu einem speziellen Anlass eine Bier-"Sonderedition" herausbringen, wie beispielsweise Weihnachts- oder Schützenfestbier. Die Erfahrung zeigt: Diese Biere sind erstens sehr teuer und zweitens ziemlich schnell ausverkauft.


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