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Gewinneinbruch: Krise durchkreuzt Lufthansa-Pläne

Finanzkrise und Konjunktureinbruch setzen auch der Lufthansa zu: Nach einem Gewinneinbruch im dritten Quartal hat die größte deutsche Fluggesellschaft ihre Erwartungen für das laufende Jahr zurückgeschraubt. Wichtige Wachstumspläne streicht die Airline zusammen.

Die Lufthansa macht wegen der schwachen Konjunktur Abstriche an ihren Wachstumsplänen. Das Angebot im Passagiergeschäft werde in diesem Jahr nur um 5,2 Prozent und nicht wie bisher geplant um 7,1 Prozent wachsen. 2009 will die größte deutsche Fluggesellschaft (ohne die Tochter Swiss) ihre Kapazitäten - gemessen an Sitzplatzkilometern - nur um 0,8 Prozent ausbauen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Damit reagiert die Lufthansa auf den erwarteten Nachfragedämpfer. 2008 werde das operative Ergebnis im weitaus wichtigsten Geschäftsfeld, der Passagierbeförderung, trotz vieler Sparmaßnahmen deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen.

Nach einem Gewinnrückgang im dritten Quartal hat die größte deutsche Fluggesellschaft ihre Erwartungen für das laufende Jahr zurückgeschraubt und rechnet nun mit einem operativen Gewinn von rund 1,1 Milliarden Euro. Zuvor hatte Lufthansa 1,38 Milliarden Euro anvisiert. Zu schaffen machen dem Unternehmen vor allem die hohen Treibstoffkosten, die im dritten Quartal allein ein Viertel des Umsatzes verschlangen. Für 2008 rechnet die Lufthansa jedoch wegen des deutlich gefallenen Ölpreises mit Kerosinausgaben von 5,4 Milliarden Euro, 160 Millionen Euro weniger als zuletzt.

Auch im Frachtgeschäft rechnet Lufthansa im weltweiten Wirtschaftsabschwung mit weiteren Rückgängen. Im Gesamtjahr sollen Umsatz und operatives Ergebnis dennoch deutlich über Vorjahr liegen.

Übernahmen erst nach dem Sturm

Durch die Krise an den Finanzmärkten und die Wirtschaftsflaute ergäben sich "deutlich spürbare" Belastungen für Lufthansa, sagte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber. Daher liege sein Augenmerk zunächst darauf, das Ergebnis abzusichern. Dennoch hat er auch Zukäufe im Visier. Voraussichtlich im Januar werde Lufthansa die Mehrheit an BMI übernehmen. Deren Großaktionär Michael Bishop, der rund 50 Prozent an BMI hält, habe im Oktober eine entsprechende Option ausgeübt. Damit kommt Lufthansa dann auf rund 80 Prozent an dem Unternehmen, das begehrte Start- und Landerechte am Flughafen in London-Heathrow besitzt. Derzeit sei Lufthansa im "Dialog über die zukünftige Struktur und Optionen von BMI".

Weitere Wachstumschancen prüfe das Management sorgfältig. "Sobald die Schlechtwettergebiete umflogen sind, haben wir die Kapazitäten, wieder Schub zu geben und die maximale Reisegeschwindigkeit wieder aufzunehmen", heißt es plakativ im Bericht zum dritten Quartal. Lufthansa hat Interesse an Austrian Airlines, Alitalia und Branchenkreisen zufolge auch an SAS.

Reuters/DPA / DPA / Reuters