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Goldman Sachs: Dämon der Wall Street

Zeitenwende an der Wall Street: Die Klage der Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs markiert ein neues Kapitel der Finanzkrise. Die Obama-Regierung will endlich durchgreifen.

Von Sebastian Bräuer, New York und Sabine Muscat, Washington

Es war eine der typischen Partys im New Yorker Finanzzentrum. Banker standen bei Champagner und Erdbeeren in Schokosoße zusammen, die Herren in Nadelstreifen, die wenigen Damen in kurzen Röcken, man verlor sich im unverbindlichen Small Talk.

Einzig Alexander Dibelius, Deutschlandchef von Goldman Sachs , nutzte die Gelegenheit zu einem wichtigen Statement. Das Topmanagement habe auf einen Teil der Boni verzichtet und für wohltätige Zwecke gespendet. "Was sollen wir denn noch machen?", fragte er. Dibelius erwartete, dass nun Schluss sei mit dem Herumgemäkel an den Milliardengeschäften seiner Bank.

Das war im Februar, als für Goldman alles noch prächtig lief. Als die Bank noch dachte, sich irgendwie freikaufen zu können. Und als die Welt noch dachte, daran nichts ändern zu können.

Geschichten über Gier und Gaunerei

Und nun kommt die SEC. Die US-Börsenaufsicht klagt die Bank wegen mutmaßlichen Betrugs an. Es geht um Hypothekenprodukte, die absichtlich so konstruiert worden sein sollen, dass das Verlustrisiko außerordentlich groß ist. Paulson & Co, einer der weltgrößten Hedge-Fonds, soll das Portfolio mit ausgewählt und gleichzeitig gegen die Positionen gewettet haben - während Goldman für sie Werbung machte.

Es ist einer dieser Fälle in der seit drei Jahren herrschenden Finanzkrise, die wieder alles erbeben lassen. Oft hatte man gedacht, dass der Höhepunkt erreicht ist, dass die großen Geschichten über Gier und Gaunerei erzählt sind. Immer wieder aber tun sich alte und neue Abgründe auf, die den Glauben an die Institute erschüttern.

Die Ermittlungen der SEC beleuchten einen dieser Abgründe. Waren Banken die Diener zweier Herren? Haben sie Schrottpapiere verkauft und an Wetten gegen diesen Schrott mitverdient? Die Klageschrift der SEC gegen die größte und mächtigste Bank der Wall Street lässt Böses erahnen - auch wenn unklar ist, ob die Dr.-Jekyll-and-Mr.-Hyde-Strategie ein Einzelfall ist - oder das Komplott System hatte.

US-Regierung will Gunst der Stunde nutzen

Dabei hätte es eine schöne Woche für die Finanzmärkte werden können: Ein Milliardengewinn der Citigroup als Tusch zum Wochenauftakt, heute ebenso tolle Zahlen von Goldman. Eine Woche voller Glanz und Geld, die Finanzkrise mit ihren ganzen CDOs und CDS schien Vergangenheit. Auch die Pläne zur Bankenregulierung der US-Regierung dämmerten vor sich hin.

Die Klage gegen Goldman hat die Situation schlagartig geändert. Nicht nur, weil sie der ohnehin nicht ruhmreichen Geschichte der Banken in der Krise ein schäbiges Kapitel hinzufügen will. Auch das Reformpaket der Obama-Regierung könnte härter ausfallen. Langjährige Beobachter sprechen von einer Zeitenwende. Die SEC, wegen ihrer passiven Rolle in der Finanzkrise selbst immer wieder in der Kritik, zieht in die Schlacht: "Die SEC war lange Zeit nicht selbstbewusst genug, es mit Goldman Sachs aufzunehmen", sagt Donald Langevoort, Juraprofessor an der Georgetown University. "Jeder weiß: Wenn Goldman sich wehrt, wird es ein Krieg." Jetzt hat Amerika den Kasinobanken den Kampf angesagt. Jamie Dimon, Chef der Großbank JP Morgan Chase , warnt schon vor einer "Dämonisierung" der Banken, die die wirtschaftliche Erholung abwürgen könne.

Die US-Regierung aber will die Gunst der Stunde nutzen und durchgreifen. "Wir können nicht länger warten", donnerte Präsident Barack Obama am Wochenende. "Es ist an der Zeit, dass wir die großen Banken zur Rechenschaft ziehen." Und via Youtube schimpfte er: "Die Finanzindustrie und ihre mächtige Lobby widersetzen sich selbst bescheidenen Schutzmaßnahmen gegen die leichtsinnigen Risiken und schlechten Praktiken, die zu eben dieser Krise geführt haben." Am Donnerstag will er mit einer Rede in New York nachlegen.

Der fabelhafte Fab

Das Kreditpaket, das im Zentrum des Aufruhrs steht, hat einen seltsamen Namen: Abakus. So heißen die Rechenschieber, mit dem Kinder in der Grundschule zählen lernen, anhand von Kugeln an kleinen Eisenstangen. Das Abakus-Paket von Goldman war längst nicht so harmlos. In Verkaufsprospekten pries das Institut Abakus als Möglichkeit an, in den US-Häusermarkt zu investieren. Keine Rede davon, dass Hedge-Fonds-Milliardär John Paulson auf einen Kollaps des Marktes wettete. Und erst recht nicht, dass er an der Auswahl der Kreditverbriefungen beteiligt war, wovon die SEC heute ausgeht. Die deutsche Mittelstandsbank IKB fiel herein, investierte 150 Millionen Dollar. Das Geld ist heute fast komplett verloren.

Die niederländische ABN Amro versenkte deutlich mehr. Natürlich sind Investoren wie die IKB nicht nur Opfer - sie waren auf der Suche nach hohen Renditen. Längst aber wussten Eingeweihte, wie riskant der US-Immobilienmarkt war. Der Abakus-Fall illustriert das besonders anschaulich, weil die synthetischen Schrottpapiere hier ein Gesicht haben: Fabrice Tourre, ein Goldman-Angestellter, der das Paket mit schnürte - und auf dessen E-Mails sich die SEC stützt: "Das ganze Kartenhaus wird in sich zusammenkrachen", schrieb er laut Klageschrift bereits im Januar 2007 an einen Freund. "Der einzige mögliche Überlebende ist der fabelhafte Fab."

Der Kampf zweier Denkweisen

Tourre, inzwischen 31 Jahre alt, machte bei Goldman als Experte für Collateralized Debt Obligations (CDOs) eine steile Karriere. Typen wie er waren gefragt. Nebenbei feierte er Partys in seiner Wohnung in Manhattan, die so ausschweifend waren, dass sich die Nachbarn beschwerten, und auf denen er damit prahlte, aus einer vornehmen französischen Dynastie zu stammen. Heute arbeitet er in London, in einem luxuriösen Gebäude an der Fleet Street. Simon Johnson, ehemaliger Chefvolkswirt beim Internationalen Währungsfonds, vergleicht die kriminelle Energie im US-Finanzsystem mit der in Entwicklungsländern. "Das Verhalten der größten Banken ist außer Kontrolle geraten", sagt er. "Sie werden sich nur besser verhalten, wenn es strafrechtliche Verurteilungen gibt."

Die Beobachter an der Wall Street sind sich einig: Das Ganze hat System. "Sobald man in dieser Sache tiefer einsteigt, wird man wahrscheinlich viele andere Leute finden, die ähnliche Dinge gemacht haben", sagt Thomas Adams, Ex-CDO-Experte bei Anleiheversicherern und heute Partner bei Paykin Krieg & Adams LLP. "Dieses Vorgehen war relativ weitverbreitet." Zu einem ähnlichen Urteil kommt auch Oppenheimer-Analyst Chris Kotowski.

Damit steht die Auseinandersetzung zwischen Goldman und der SEC für einen Kampf zweier Denkweisen. Es geht darum, ob sich Banken in erster Linie um ihre Kunden sorgen müssen - oder um das eigene Geschäft. "Vor ein paar Jahren dachte jeder, dass die Märkte sich selbst korrigieren und disziplinieren und dass die Leute an der Wall Street besser darin sind, das Finanzsystem zu schützen als die Regulierer", sagt Aufsichtschefin Mary Schapiro . "Auch die SEC hat sich von dieser Philosophie vereinnahmen lassen." Jetzt steuert sie mit aller Macht dagegen.

Banken müssen entscheiden, ob sie Banken sein wollen

Goldman klammert sich in seiner Stellungnahme, in der die Bank die Vorwürfe bestreitet, an das alte Denken. Tenor: Die Investoren hätten ja gewusst, auf was sie sich einlassen. Für Obama und die Demokraten kommen die Goldman-Enthüllungen wie ein Geschenk. Das Weiße Haus hat angekündigt, dass der Präsident in den nächsten Wochen im ganzen Land für seine Reformpläne werben will - ähnlich wie er es in den Wochen des Countdowns zur Abstimmung über die Gesundheitsreform getan hatte. Das Gesetz, über das der US-Senat in dieser Woche seine Beratungen aufnehmen will, soll die Bildung gefährlicher Spekulationsblasen verhindern. Es sieht etwa die Einrichtung einer Konsumentenschutzbehörde vor, die dafür sorgt, dass Käufer von Finanzmarktprodukten besser vor Risiken geschützt werden. Allerdings soll die Behörde der Fed unterstellt werden - ein Zugeständnis an die Republikaner.

Kompromisse halten die Demokraten jetzt kaum mehr für nötig. Er werde "ein Veto gegen ein Gesetz einlegen, das den Markt für Derivate nicht unter Kontrolle bringt", hat Obama verkündet. Auch Finanzminister Timothy Geithner hat klargestellt, dass er beim Thema Derivate nicht einknicken will. Als Blaupause gilt ein Vorschlag der demokratischen Senatorin Blanche Lincoln. Danach hätten Institute, die mit den komplexen Produkten handeln wollen, weder Zugang zur staatlichen Einlagensicherung noch zu den Notkreditlinien der Fed. Die Banken müssten entscheiden, "ob sie Banken sein wollen oder sich an den riskanten Transaktionen beteiligen wollen, die den Kollaps von Unternehmen wie AIG verursacht haben", sagt Lincoln.

Für die Opposition wird es schwieriger, ihre Blockade gegen eine strengere Regulierung aufrechtzuerhalten. Gerade noch hatten 41 Republikaner gedroht, das Gesetz im Senat mit einem sogenannten Filibuster zu blockieren. Sie wehren sich vor allem gegen die geplante Einrichtung eines 50 Mrd. $ schweren "Bailout-Fonds", in den die Banken einzahlen müssten. Es gibt erste Anzeichen, dass die Front bröckelt. Am Montag traf sich Geithner mit der republikanischen Senatorin Susan Collins aus Maine. Sie war die Letzte, die den Protestbrief der 41 unterzeichnet hatte. Vielleicht hat sie ja ihre Meinung geändert.

FTD
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(