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Großaktionär: Post steht vor Einstieg bei Deutscher Bank

Die Deutsche Bank wird die Übernahme der Postbank zu einem größeren Anteil mit eigenen Aktien bezahlen als bisher geplant. Dadurch könnte die Post laut Medienberichten künftig knapp zehn Prozent an dem Geldinstitut halten - und würde größter Aktionär der Deutschen Bank. Damit wäre indirekt auch der Staat an Ackermanns Finanzkonzern beteiligt.

Die Post steht zur Absicherung des Postbank-Verkaufs Kreisen zufolge vor einem Einstieg bei der Deutschen Bank. Darauf liefen die derzeitigen Nachverhandlungen über die Postbank-Transaktion wohl hinaus, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Die Deutsche Bank bezahle demnach die Übernahme des größten deutschen Filialinstituts zu einem größeren Anteil mit eigenen Aktien als bisher geplant. Dadurch bekäme die Post bereits im ersten Quartal einen Anteil von knapp zehn Prozent und würde größter Aktionär der führenden deutschen Bank. Damit wäre indirekt auch der Staat an der größten deutschen Privatbank beteiligt. Am vereinbarten Transaktionsvolumen ändere sich aber nichts, sagte eine der eingeweihten Personen.

Die Deutsche Bank schont so in der Finanzkrise ihre Kapitalbasis. Im Gegenzug zieht die Bank den Kreisen zufolge die Übernahme der gesamten Postbank vor. Ursprünglich war dies erst in einigen Jahren angepeilt, nachdem bis Ende März 2009 zunächst nur ein knapp 30-prozentiger Anteil erworben werden sollte. Das Modell eines Kaufs in zwei Schritten sei nach dem derzeitigen Stand der Gespräche nicht mehr in Stein gemeißelt, sagte ein Insider. Einem Vorab-Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge kauft die Deutsche Bank der Post den gesamten 62-prozentigen Anteil an der Postbank bereits im ersten Quartal ab. Die Aktien würden aber erst im Sommer übertragen, damit erst dann ein Pflichtangebot an die restlichen Aktionäre nötig werde.

Beide Seiten streben den Kreisen zufolge eine rasche Einigung an. Der Post-Aufsichtsrat könnte sich bereits am Mittwoch mit den neuen Konditionen befassen, hieß es aus dem Umfeld des Kontrollgremiums. Bei einer solchen Vereinbarung wäre indirekt auch der Bund an dem größten deutschen Geldhaus beteiligt, da er über die Förderbank KfW 31 Prozent an der Post hält. Der Post-Anteil an der Deutschen Bank hätte nach aktuellem Kurs einen Wert von unter 1,4 Milliarden Euro.

Ein Sprecher der Deutschen Bank bekräftigte lediglich, dass die Bank weiter im ersten Quartal den Einstieg bei der Postbank abschließen werde. Auch die Post wollte sich zum Stand der Verhandlungen nicht äußern. "Es gilt weiterhin: Ziel der Postbank-Transaktion ist es, aus dem Finanzsektor auszusteigen und uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren", sagte eine Sprecherin. Damit dürfte klar sein, dass die Post nur vorübergehend bei der Bank einsteigen will.

Grund für die Nachverhandlungen war der mehr als 60-prozentige Kursrutsch der Postbank-Aktie seit Bekanntgabe des Deals vor vier Monaten. Zudem erwartet die Postbank mittlerweile hohe Verluste für 2008. Die Deutsche Bank drängte daher auf bessere Konditionen beim Kauf. Hinzu kommen erwartete hohe Belastungen bei dem Frankfurter Institut im vierten Quartal, die möglicherweise den finanziellen Spielraum einengen.

Die Papiere der Postbank zogen gegen den Markttrend um mehr als elf Prozent an, während Deutsche-Bank-Aktien 0,9 Prozent verloren. Auch Post-Titel gaben deutlich um mehr als sechs Prozent nach.

Reuters/DPA / DPA / Reuters