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Niedersachsen Grüne wollen Online-Handel am Sonntag verbieten - eine ganz dumme Idee

Online Einkaufen am Sonntag? Das muss doch verboten werden, finden Niedersachsens Grüne.
Online Einkaufen am Sonntag? Das muss doch verboten werden, finden Niedersachsens Grüne.
© Pixelfit/Gettyimages
Der Sonntag ist der Tag des Herren, das haben auch die Grünen in Niedersachsen gemerkt. Daher wollen sie am Sonntag den Online-Handel lahmlegen. Der grüne Verbotsreflex soll den lokalen Geschäften helfen, wird es aber nicht.

Der Kampf um das Einkaufen am Sonntag ist voll entbrannt. Einige Städte und Unternehmen wollen die bisherigen strikten Regeln kippen. Auch in Deutschland soll man in Zukunft am Wochenende da einkaufen können, wo man will. Für den Konsumenten ist der Sonntag ein attraktiver Einkaufstag. Doch lange Zeit waren sich die Geschäftsinhaber uneins, ob sie überhaupt die Türen aufsperren sollten. Die Läden müssten einen Tag mehr öffnen, dabei ist es aber fraglich, ob sie wirklich mehr Umsatz machen. Oder ob die Einkäufe nur von anderen Tagen verschoben werden. Schließlich haben die Kunden nicht automatisch mehr Geld im Portemonnaie, nur weil die Öffnungszeiten der Läden länger werden.

Diese alten Bedenken gelten nicht mehr. Im Internethandel gibt es kein Verkaufsverbot am Sonntag und immer mehr Umsatz wandert vom stationären Handel ins Internet ab. Also wollen einige niedergelassene Händler Waffengleichheit. Aus gutem Grund: Ein Geschäft bietet ein sinnliches Einkaufserlebnis und das lässt sich am besten an einem Tag genießen, an dem man nicht unter Zeitdruck steht – also am Sonntag. Denn Einkaufen in der realen Welt kostet Zeit, Online-Shopping kann man mit dem Handy in ein paar Minuten erledigen, während man auf die Bahn wartet.

Verbot ist keine Lösung

Gewerkschaften und Kirchen sehen diese Pläne naturgemäß skeptisch.  Nun haben sich auch die Grünen in die Debatte eingemischt. Energisch wollen sie "den Sonntag verteidigen," so Stefan Körner, Landeschef der Grünen in Niedersachsen.

Und zwar mit Verboten für den Onlinehandel. Ein entsprechender Änderungsantrag soll in das Landtagswahlprogramm für Niedersachsen einfließen, über das die Delegierten am Wochenende abstimmen wollen. Geht es nach dem Antrag, dürfen die Kunden in Zukunft auch am Wochenende munter in den Online-Katalogen herumklicken – aber am Sonntag darf mit der Bestellung nichts weiter geschehen. Im Duktus der Obrigkeitsstaat befindet Stefan Körner: "Es ist aber ausreichend, wenn die Bearbeitung der Bestellung am Montag passiert. Die Mitarbeiter müssen nicht das ganze Wochenende bereitstehen." 

Erinnerung an den Zwangs-Veggie-Day 

"Ausreichend" – die Grünen wissen mal wieder genau, was der Bürger will beziehungsweise wollen sollte. Ganz wie mit dem Projekt des Zwangs-Veggie-Days für Kantinen aus dem Jahr 2003. Damals sollten Currywurst und Schnitzel dem Brokkoli-Auflauf weichen - staatlich verordnet. Und nun heißt es: Anstatt mehr Shopping soll es weniger Einkaufsmöglichkeiten geben. Den Sinn der Maßnahme kann man bezweifeln. Was würde passieren, wenn diese Idee Wirklichkeit würde?

Große Internethändler wie Amazon würden ihre Versandcenter im noch größeren Maßstab nach Polen verlegen. Da sind die Löhne niedriger und es wird auch am Sonntag eingepackt. Auf lange Sicht wird des noch attraktiver, die Picker, die heute durch die Hallen eilen, durch Roboter zu ersetzen. Damit wäre das Problem der Sonntagsarbeit auch gelöst. 

Versender, die sich einen Umzug nicht leisten können, und dem Gesetz gehorchen müssen, würden die ehemalige Sonntagsarbeit auf den Montag verlegen und zwar ab Mitternacht. Auch so wird dem christlichen Gebot Rechnung getragen, doch ob die Mitarbeiter von der grünen Vorsorge begeistert sind?

Noch mehr Verbotsideen

Aber der Regulierungsstaat könnte in Deutschland noch weitere Neuerungen behindern. Schaltet man Tinder am Wochenende ab, müssten die Leute zwecks Kontaktanbahnung in die Kneipe gehen. Das Angebot dort ist sicher auch "ausreichend"- zumindest nach nach grünen Maßstäben.

Das Internet ist voll von Kuriositäten. Davor ist auch Branchengigant Amazon nicht gefeit. Absurde Produkte ziehen dort regelmäßig den Spott der Online-Community auf sich. Beispiel gefällig? Dieser Fernmeldepanzer, für Kinder ab 36 Monaten, sorgt dafür, dass Kinder per Elektromotor durch den Garten rollen. Der Gesichtsausdruck des Jungen lässt jedoch Zweifel daran aufkommen, dass die 285 Euro gut investiert sind. Ein weiteres Must-have ist die "Akasha Säule". Laut Beschreibung dient sie der Harmonisierung der Umgebung und dem Schutz vor Chemtrails. Sie wandelt demnach negative Energie um und schafft einen energetischen Ort der Erholung und Entspannung – und das für lediglich 4450 Euro. Wer einen großen Freundeskreis hat, für den ist der XXXL-Kicker für 22 Mann ein echtes Highlight. Der 7,4 Meter lange Tisch benötigt einen recht großen Hobbyraum, doch dafür kostet er im Angebot nur 3.989 Euro. Wer möchte, kann sich aber auch einen lebensgroßen T-Rex in Angriffshaltung in den Garten stellen. Mit einer Länge von 8,5 Metern und einer Höhe von knapp vier Metern sorgt der Raubsaurier definitiv für Aufsehen in der Nachbarschaft – und das für gerade einmal 24.000 Euro. Für Kunden, die auf schnelles Geld aus sind, empfiehlt sich dagegen der Kauf von 500.000 D-Mark als Schreddergeld. Nach dem Kauf für läppische 19,95 Euro, benötigt man dann nur noch eine ausgesprochen kundenorientierte Bank. Oder sehr viel Geduld.
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