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HANDEL: Fünf Mark für eine Kiste Bier

Deutsche Bierbrauer kämpfen mit dem Überangebot und dem harten Wettbewerb, nun stiegen auch Handelketten in den Billigpreis-Ring.

Fünf Mark für eine Kiste Bier? Dieser Traum eines jeden Gerstensaft-Fans, wurde kürzlich bei der Eröffnung einer neuen Filiale der Handelskette »Globus« Wirklichkeit. Für die deutsche Braubranche ist es eher eine Horrorvorstellung. Die hat derzeit mit einem steigendem Preisdruck zu kämpfen, sagt Erich Dederichs, Sprecher des Deutschen Brauer-Bunds. Die deutschen Brauerein leiden sowieso schon unter dem harten Wettbewerb und dem Überangebot. Nun ziehen auch noch Handelsketten die Preisschrauben an Kaufen Sie mehr bei sinkenden Preisen? Diskutieren Sie in unserem Wirtschaftsforum... locken mit billigem Bier die Kunden in ihre Filialen. Der Bundesverband des Lebensmittelhandels (BVL) führt den Rückgang der Bierpreise dagegen nur auf saisonale Schwankungen zurück.

Es wird weniger Bier getrunken

»Der Biermarkt ist eine Branche mit Überkapazitäten. Zusammen mit der Konzentration im Handelssektor führt das zur Produktion im Grenzkostenbereich«, erläutert Dederichs. Sein Kollege vom Bayerischen Brauer-Bund, Lothar Ebbertz, spricht von einem harten Verdrängungswettbewerb: »Die hohe Zahl von Brauereien müssen sich einen immer enger werdenden Markt teilen.« Im vergangenen Jahr gab es nach Verbandsangaben 1.270 Braustätten in Deutschland. Der Bierverbrauch pro Kopf fiel 2000 auf 125,5 Liter von 127,5 Liter im Jahr zuvor. Für die einzelne Brauerei ist das Wachstum deshalb nur noch auf Kosten des Wettbewerbers möglich, erläuterte Ebbertz. Und auf Grund der großen Vielfalt haben die Brauereien eine schwache Stellung gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel.

Markenbier zu Dumping-Preisen

Inzwischen leiden auch Markenbiere unter den Dumping-Preisen, zu denen Groß- und Supermärkte den Gerstensaft teilweise anbieten. Handelsketten wie die Metro-Tochter real und der US-Konzern Wal-Mart boten Biere mittelständischer Brauereien wie das Münchener »Augustiner Hell«»oder «Hofbräu» vorübergehend für unter 17 beziehungsweise 16 DM pro Kiste an, die in der Vergangenheit um die 20 DM gekostet hatten. Niedrige Bierpreise eignen sich nun mal besonders in Frühling und Sommer, um Kunden in die Supermärkte zu locken.

Gezielter Druck auf kleinere Brauereien

Dass Handelsketten gerade mittelständische Brauereien gezielt unter Druck setzten und mit Schleuderpreisen dem Image von Markenbieren schaden wollten, wies der Einzelhandelsverband zurück. Es könnte zwar schwarze Schafe geben, eine gängige Praxis sei das aber nicht, sagt Sprecherin Ursprung. »Die Preisschraube kann nicht grenzenlos angezogen werden. Falls der Bierpreis verfällt, muss man sich Gedanken machen«, fügt sie hinzu.

Wer sich wehrt, verliert

Die Bremer Pilsbrauerei Beck & Co., die sich im vergangenen Juni gegen den Trend wehrte und ihre Preise erhöhte, musste diese Entscheidung bei den Händlern nach eigenen Angaben mühsam durchsetzen. »Das hat auch vorübergehend zu Auslistungen geführt«, sagt Beck?s-Sprecherin Ulrike Grünrock-Kern. Die Folge waren Rückgänge bei den Margen. Genaue Zahlen über die Absatzeinbußen will Beck?s erst im Dezember bekannt geben. Selbst Billig-Anbieter wie die Oettinger Brauerei zeigten sich besorgt über den Bierpreis. Der Vertriebspreis von rund zehn DM pro Kiste kommt hauptsächlich durch den Verzicht auf Zwischenhandel und Werbung zustande, sagt Oettinger-Vorstand Günther Kollmar.

Die Globus Handelshof GmbH erklärt den Preis von fünf Mark für eine Kiste Bier, den Brauer-Bund-Vertreter für wirtschaftlich unmachbar halten, mit einem befristeten Eröffnungsangebot. Die Brauereien, die für Globus das Billigstbier herstellen, gibt das Handelsunternehmen aber nicht preis. »Auf Dauer könnten wir diesen Preis nicht durchhalten«, sagt eine Sprecherin. Auf Bierpreise, die dauerhaft unter dem Flaschenpfand liegen, kann der Verbraucher also nicht hoffen.

Jens Hack