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HANDEL: Rabattgesetz: Wann geht es los?

Der angepeilte Starttermin liegt im Spätherbst, aber es geht auch anders: fast 40 Prozent der Verbraucher haben letztes Jahr höhere Rabatte als die erlaubten drei Prozent ausgehandelt.

Der Countdown läuft und läuft und läuft - aber der Zeitpunkt für den Start ins neue Schnäppchen-Zeitalter steht immer noch nicht fest. Der angepeilte Termin: wahrscheinlich Oktober 2001. Dann soll der Bundestag das angestaubte Rabattgesetz von 1933 Handeln Sie - oder sind Sie zu schüchtern dazu? Erzählen Sie es uns im Wirtschaftsforum... endlich entsorgen und damit offiziell das Preise-Feilschen eröffnen. Auch wenn Händler und Verbraucher seit Monaten auf die versprochene Reform warten - von Ärger oder Frust ist bisher nichts zu spüren.

Verzögerung ist nicht dramatisch

»Für die großen Händler ist die Verzögerung nicht dramatisch. Es ist ja ziemlich sicher, dass die Reform noch in diesem Jahr kommt«, so Olaf Roik vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. »Probleme könnten höchstens ein paar kleine Unternehmen bekommen, die sich ganz auf das Rabattgeschäft ausgerichtet haben«.

Umstellung der Kundenkarten auf Zuruf

Auch Karstadt-Sprecher Michael Scheibe gibt sich gelassen. Der Konzern ist auf den Tag X vorbereitet - nun warte man geduldig ab. »Wenn es losgeht, wird unsere Bonus-Kundenkarte sofort auf ein neues Prämiensystem umgestellt. Das bringt dann Rabatte deutlich über drei Prozent.« Schon jetzt sind fünf Millionen Kundenkarten im Umlauf, mit dem neuen Rabattsystem könnten es bis Ende des Jahres zehn Millionen sein. Kosten seien bisher kaum entstanden. »Richtig teuer wird das Marketing für das neue Prämiensystem. Aber damit starten wir erst, wenn das Gesetz verabschiedet ist«, sagt Scheibe.

Frühstarter Media-Markt

Der Elektronik-Riese Media-Markt war schneller - vielleicht zu schnell. Seit kurzem läuft ein kostspieliger Werbefeldzug Dauerniedrigpreise contra Rabattgesetz. »Ein fixer Zeitpunkt ist nicht so wichtig«, sagt Pressesprecherin Janina Knab. »Wir wollen den Kunden darüber informieren, dass wir immer günstig sind, unabhängig von Gesetzesreformen. Vielleicht wird die Kampagne auch wiederholt.«

Im Herbst besser als im Sommerloch

Entspanntes Warten auch im Internet: Die Chefetage von Rabatte.de, einer Website, die Surfer durch die Welt der Rabatte-Anbieter navigiert, baut voll auf den Herbst. »Das Frühjahr wäre natürlich optimal gewesen, aber gut, dass die Reform nicht genau ins Sommerloch fällt. Dann hätte niemand darüber berichtet, und kaum jemand Notiz von unserem Angebot gemacht.« Das Motto des Rabatte.de-Chefs Raymond Wiseman ist lieber warten und dann richtig durchstarten. Wenn das Rabattgesetz erst einmal gefallen ist, rechnet er mit monatlich drei Millionen Besuchern.

Bereits Zustände wie am Basar

Und der Verbraucher ist offenbar einen Schritt weiter als der Gesetzgeber. In manchen deutschen Geschäften geht es längst zu wie auf einem arabischen Basar. Fast 40 Prozent der Verbraucher haben im vergangenen Jahr erfolgreich höhere Rabatte als die gesetzlich erlaubten drei Prozent ausgehandelt, zeigt eine Studie der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände. Besonders beliebte Feilschobjekte waren Autos, Elektrogeräte und Kleidung.

Kein Wunder, dass auch die Verbraucherzentralen eher leise treten. »Natürlich sind wir nicht glücklich über die Verzögerung, aber die Studie zeigt, dass es eben auch so geht,« sagt Helga Zander-Hayat von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. »Die Reform muss nun aber bald kommen, damit es endlich Rechtssicherheit beim Rabattkauf gibt«.

Ralf Kühn

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