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Einzelhandel: Schluss mit dem Schlussverkauf

Das große Wühlen nach Plan hat ein Ende: Am Montag beginnt zum letzten Mal ein Schlussverkauf. Nach dem neuen Rabattgesetz können sich nun Händler jederzeit Preisschlachten liefern.

Das große Wühlen nach Plan hat ein Ende: Am Montag beginnt zum letzten Mal ein Schlussverkauf. Nach dem neuen Rabattgesetz können sich Händler jederzeit Preisschlachten liefern, nun verschwinden auch die Ausverkaufs-Klauseln aus dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) - und damit die SSV- und WSV-Schilder aus den Läden. Die Deutschen verabschieden sich von einer fast 100- jährigen Institution: Die zweiwöchigen Sommer- und Winterschlussverkäufe waren für die Nation eine Zeit des frühen Aufstehens, unerbittlicher Kämpfe mit gespitzten Ellbogen und Freude über günstig erstandene - wenn auch häufig nutzlose - Schnäppchen.

Start war 1909

Die Geschichte der Schlussverkäufe begann am 7. Juni 1909 - ebenfalls mit einer UWG-Neufassung. Jahrelang hatte der Textilhandel über zunehmenden Behörden- und Werkhandel geklagt. Beamte und Werksangestellte bekamen günstige Waren oder Einkaufsmöglichkeiten. Zudem nahmen Sonderveranstaltungen wie Mantel- oder Kostüm-Wochen überhand. Die Verbraucher deckten ihren Bedarf nur noch bei Sonderaktionen - eine vernünftige Preisorientierung gab es nicht mehr. Um der Wettbewerbsverwilderung ein Ende zu setzen, wurde das bereits 1896 erlassene UWG geändert.

Modedesigner entwarfen mehr als zwei Kollektionen

Die Neufassung regelte Zahl, Zeit und Dauer der Saisonverkäufe. Auch das Sortiment wurde festgelegt. Vor allem Textilien, Schuhe, Lederwaren und Sportartikel werden seitdem reduziert. 1911 empfahl der Textilverband, die Saisonverkäufe im Januar und Juli zu starten und 14 Tage dauern zu lassen: WSV und SSV waren geboren. Die Schlussverkäufe durchlebten längst eine tiefgreifende Wandlung weg vom Grundgedanken, die Lager zum Saisonwechsel von Winter- oder Sommerware freizuräumen. Die Modedesigner begannen, mehr als zwei Kollektionen pro Jahr herauszubringen. Reisen wurde zum Volkssport, an Badehosen musste auch im Herbst das rote Preisschild hängen.

Vollendete Tatsachen

Eigentlich sollte die Neuregelung zur Abschaffung der Schlussverkäufe zum 1. Januar in Kraft treten - doch wegen einer Terminplanänderung des Bundestages bekamen sie noch eine letzte Schonfrist. Nun soll die Novelle im Frühjahr starten. Ob das Ende der Schlussverkäufe die Situation verbessert, darüber gehen die Meinungen der Händler weit auseinander. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) etwa will die Marke "Schlussverkauf" gesetzlich schützen und auch künftig nur zwei Mal im Jahr damit werben lassen. Der Handelsverband BAG ist dagegen. Große Handelskonzerne schaffen eigene Tatsachen: Karstadt beispielsweise wirbt mit dem Slogan "KSV" - KarstadtSchlussVerkauf.

Kathrin Schulte-Bunert, DPA / DPA
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