Sommerschlussverkauf "Die Zeit der Grabbeltische ist vorbei"


Wie denn nun? Offiziell wurde der Sommerschlussverkauf vor drei Jahren abgeschafft, dennoch sieht man jetzt allerorts die SSV-Schilder in den Läden hängen. stern.de bat Jürgen Dax, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels, um Aufklärung.

Der Sommerschlussverkauf wurde eigentlich abgeschafft, dennoch liest der Kunde dieser Tage überall die berühmten drei Buchstaben SSV.

Es gibt zwei Gründe, warum nach wie vor ein SSV stattfindet. Erstens besteht eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit die Sommerware zu verkaufen. Die Einzelhändler müssen ihre Läden leer kriegen und brauchen Geld, um die neue Herbstware einzukaufen. Zweitens gibt es immer noch eine gewisse Erwartungshaltung seitens der Verbraucher. Der Begriff Schlussverkauf ist vielleicht etwas überholt, aber doch bei vielen im Hinterkopf. Die Kunden fragen gezielt danach. Das ist in gewissem Sinne gelerntes Verhalten.

Wie erklären Sie dem verwirrten Verbraucher, dass gerade Sommerschlussverkauf herrscht, wenn es doch das gesamte Jahr über Schnäppchen-Preise und Rabatt-Aktionen gibt?

Es ist tatsächlich schwierig, sich beim SSV auf einen Zeitraum festzulegen, da es ein großes Durcheinander der Termine gibt. Die einen haben bereits zum 23. Juli den SSV ausgerufen. Andere Läden preschen vorne weg und sind schon fertig, wenn es bei anderen erst los geht. Wir vom Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels haben den 30. Juli als Starttermin für den SSV empfohlen.

Mit welchen Preisnachlässen ist zu rechnen? Teilweise sieht man um bis zu 70 Prozent reduzierte Ware.

Wenn jemand etwas um 60 bis 70 Prozent reduziert kann er es aus betriebswirtschaftlicher Sicht auch direkt in die Tonne hauen. Beim Schlussverkauf geht es ja auch um die Liquidität des Handels. Daher sind meines Erachtens alle Reduzierungen über 50 Prozent nicht sehr realistisch. Die Kunden lassen sich oft nur von den Rabbatten leiten und fragen sich "Was kann ich sparen?". Wir empfehlen den Verbrauchern jedoch nicht auf den Rabatt, sondern auf den Preis zu schauen, wenn sie etwas kaufen.

Wo kann man Ihrer Einschätzung nach die günstigsten Produkte erwerben?

Die billigsten Teile gibt es natürlich bei Discountern wie Kik oder Takko et cetera. Aber der Verbraucher sucht zunehmend reduzierte Markenartikel. Die Zeit der großen Grabbeltische ist vorbei. Die Kunden wollen qualitativ hochwertige Markenware, aber eben zu einem reduzierten Preis.

Gibt es Ware, die im Frühjahr extra zurückgehalten wird, um sie später im SSV zu verkaufen?

Nein. In der Regel ist das Ware, die im Frühjahr in den Läden lag, aber nicht verkauft wurde. Dieses Jahr gibt es besonders viel Übergangsware, also leichte Mäntel oder Jacken. Da wir ja erst Winter und dann im April gleich sommerliche Temperaturen hatten. Es kommt auch darauf an, welche Waren die Lieferanten noch in ihren Lagern haben. Die Ware ist bereits produziert und wird den Händlern dann im Schlussverkauf für ihre Läden angeboten.

Wer profitiert mehr vom Schlussverkauf: große Ketten oder kleine Einzelhändler?

Die Motivation ist bei den Kleinen genau die gleiche wie bei den Großen und unterm Strich dürfte es auch was den Verdienst angeht, keinen großen Unterschied geben. Die großen Häuser haben natürlich den Vorteil, dass sie oft eine 1-A-Lage in der Innenstadt haben, wo viel Laufkundschaft vorbei kommt. Diesen Vorteil haben viele kleine Boutiquen nicht.

Haben Sie selbst auch schon etwas im Schlussverkauf erstanden?

Ganz ehrlich, ich hatte noch keine Zeit dazu.

Interview: Julia Mäurer


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