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Hannover Messe 2008: Technologieschau setzt auf Energiethemen

Mit dem traditionellen Rundgang von Bundeskanzlerin Merkel hat in Hannover die weltgrößte Industriemesse ihre Tore geöffnet. Und die Branche kann nicht klagen: Die deutsche Industrie trotzt der Finanzmarktkrise, die Maschienenbauer haben volle Bücher und die Stahlindustrie brummt.

Mal streichelt Bundeskanzlerin Angela Merkel einen als Maschinenmenschen gestalteten Roboter. Mal begutachtet sie bei ihrem Rundgang über die Hannover Messe fachkundig elektronische Bauteile, die in Microsekunden-Abständen Maschinen überwachen. In knapp zwei Stunden besucht Merkel am Montagmorgen bei ihren Messerundgang zehn Unternehmensstände und eröffnet die Sonderausstellung des diesjährigen Messe-Partnerlandes Japan. Die Ausstellung zeige auf "was Japan kann, und dass es ein echter Wettbewerber ist", sagt Merkel.

Zukunftstechnologien im Mittelpunkt

Die Messe gilt als weltweit bedeutendstes Schaufenster des Maschinenbaus und anderer Industriezweige. 5100 Unternehmen aus 62 Ländern präsentieren fünf Tage lang Zukunftstechnologien für Produktion und Infrastruktur. Im Mittelpunkt der Leistungsschau stehen Erzeugnisse der Energie- und Automatisierungstechnik.

"Sehr beeindruckt" zeigt sich die Kanzlerin aber auch vom deutschen Maschinen- und Anlagenbau, der immer mehr modernste Elektronik einsetzt. Wie sich durch Kombination von Maschinenbau und Elektronik Energie einsparen lässt, studiert Merkel in einem "Energieeffizienztunnel" in der Messehalle 6. Experten des Verbandes deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) haben den Tunnel gemeinsam entworfen. Bei einer Pumpe, die nicht mehr mechanisch, sondern elektronisch geregelt werde, sinke der Energieverbrauch um bis zu 70 Prozent, erläutert ZVEI-Umweltexperte, Otmar Frey, der Kanzlerin. Auch bei vielen anderen industriellen Vorgängen wie dem Verdichten, Befördern, Heizen oder auch in der Beleuchtung gebe es Möglichkeiten, um Energie und Geld einzusparen. Auch die Kanzlerin sieht ungenutzte Möglichkeiten: "Die Technologie ist viel weiter fortgeschritten als die Erneuerung alter Industrieanlagen", sagt sie.

Mit Autoreifen und Straßenbelag Energie sparen

Dass effizienten Energieeinsatz auch bei der Erzeugung von Kälte gefragt ist, führt ihr der Klimagerätehersteller Rittal vor. Ein Kühlgerät für die Industrie hat nach Angaben der Firma einen um 30 Prozent höheren Wirkungsgrad und kann so Energiekosten von 120.000 Euro pro Jahr einsparen. Zwtl: Mittelstand ist Träger der Innovation Rund 11.000 Mitarbeiter habe das Unternehmen weltweit, davon 5000 in Deutschland, der Umsatz wachse um 15 Prozent im Jahr, berichtet Rittal-Geschäftsführer Norbert Müller. "Sehr gut, herzlichen Glückwunsch - man muss schneller sein als die anderen, dann hat man auch gute Marktchancen", erwidert Merkel.

Dass sich mit neuen Technologien auch die Energieeffizienz des Straßenverkehrs erhöhen lässt, führt die aus der Ruhrkohle hervorgegangene Evonik AG der Kanzlerin vor. Evonik-Chef Werner Müller präsentiert Energie sparende Autoreifen und einen Energie sparenden Straßenbelag. "Um acht Prozent kann man den Verbrauch von Autos allein durch die Reifen senken", sagt er. Station macht die Kanzlerin auch beim Weltmarktführer für sehr große Schiffsschrauben, der Mecklenburger Metallguss GmbH. Der weltweit größte Schiffspropeller mit einem Gewicht von 131 Tonnen stammt aus Waren an der Müritz. "Der Mittelstand ist der Träger der Innovation", stellt Merkel am Ende ihres Rundgangs fest. In vielen mittelständischen Betrieben seien in den letzten Jahren Hunderte, zum Teil Tausende Menschen neu eingestellt worden.

Nach Einschätzung des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) droht Deutschland allerdings den Anschluss in der Mikroelektronik zu verlieren. "In Sachen Mikroelektronik ist der Standort am Scheideweg", sagte VDE-Vorsitzender Hans Heinz Zimmer zu Beginn der Messe. Grund sei die wachsende Konkurrenz aus Fernost. "Allein in Asien sind zurzeit 74 neue Halbleiter-Fabriken geplant, in der EU nur fünf, davon lediglich zwei in Deutschland." Die Vorzeigeregion Sachsen - das sogenannte "Silicon Saxony" - sei im globalen Ranking bereits von Platz 5 auf Platz 8 abgerutscht. Zimmer forderte ein stärkeres staatliches Eingreifen. Den Beweis für den Sinn von Subventionen sieht er in Dresden geliefert, dem Zentrum des "Silicon Saxony". Zwei Milliarden Euro Strukturfonds- Mittel hätten hier zu 10 Milliarden Euro Steuereinnahmen und Sozialabgaben geführt. In der Region sind mit AMD, Infineon und Qimonda drei große Chipkonzerne vertreten.

Lesen Sie nebenstehend, was sie über die thematischen Schwerpunkte der Industriemesse wissen müssen.

Energie und Energieeffizienz

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und steigender Rohstoffkosten ist Energieeffizienz ein Top-Thema der Hannover Messe. Eine Sonderschau zeigt Beispiele zur effizienten Energienutzung in der industriellen Produktion. Experten gehen davon aus, dass es noch immense Energiesparpotenziale gibt. Die Kraftwerksbranche will neue Entwicklungen zeigen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei der Energieversorgung auf der Basis von Wasserstoff und Brennstoffzellen. Auf einem "World Energy Dialogue" diskutieren Fachleute über die Themen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit.

Automatisierung und Robotik

Industrieroboter werden zunehmend in der Produktion und im Service eingesetzt und immer leistungsfähiger. Bei der Fabrikautomation geht der Trend nach Branchenangaben zu vernetzten Lösungen, etwa durch den verstärkten Einsatz von IT und mobilen Robotern.

Miniaturisieurung

Die Produkte im Maschinenbau und in der Elektrotechnik werden immer kleiner. Die Fachmesse "MicroTechnology" zeigt zum Beispiel den Einsatz von Lasertechnologien für die Mikromaterialbearbeitung sowie neue Entwicklungen in der Nanotechnologie.

Nachwuchsmangel

Die Industrie beklagt zunehmend einen Fachkräftemangel, es fehlten tausende Ingenieure. Um mehr Jugendliche für Technik zu begeistern, hat die Hannover Messe die Initiative TectoYou ins Leben gerufen. Ein Schwerpunkt dabei soll sein, mehr Mädchen für technische Dinge zu interessieren. Für die Initiative hat die Messe eine ganze Halle bereitgestellt.

DPA/AP / AP / DPA