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Harte Tarifrunde: Metallbranche steht vor Streikwelle

IG-Metall-Chef Berthold Huber nennt es schlicht "eine Frechheit". Die Gewerkschaft sieht im ersten Angebot der Arbeitgeber in Höhe von 2,9 Prozent keine Basis für eine konstruktive Tarifrunde, hat sie doch selbst Lohnerhöhungen von acht Prozent gefordert. Nun steht die Metallbranche vor einer Warnstreikwelle.

IG-Metall-Chef Berthold Huber hat nach einem ersten Arbeitgeberangebot im Metalltarifstreit die Streikbereitschaft der Gewerkschaft unterstrichen. Zugleich äußerte er sich positiv über den Stahl-Abschluss von 5,2 Prozent, der zu Beginn des Jahres die Arbeitgeber aufgeschreckt hatte. Auf die Frage, ob dieser Abschluss die Messlatte sei, sagte Huber der "Bild"-Zeitung: "Das werden wir sehen."

Sicher sei, dass dieser Abschluss bei den Beschäftigten voll und ganz auf Zustimmung getroffen sei, sagte Huber weiter. Es müsse satte Einkommenszuwächse geben. "Sie schaffen neue Kaufkraft, die mehr Konsum auslöst und damit Wachstum und Wohlstand stärkt." Einen Abschluss unter einer Vier vor dem Komma werde die Gewerkschaft nicht aus der Tarifrunde gehen, betonte Huber.

Warnstreiks von Montag an

Huber kündigte eine Warnstreikwelle an. Erste Warnstreiks werde es in der Nacht zu Samstag geben, bekräftigte er. „Von Montag an folgt die eigentliche Welle - das ist nur eine Warnung. Wenn wir nicht zu einem Ergebnis kommen, könnte nach einer Urabstimmung Mitte November richtig gestreikt werden.“

In dem Tarifkonflikt hatten die Arbeitgeber am Donnerstag ein erstes Angebot vorgelegt: Es sieht 2,9 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 14 Monaten, zum Teil als Einmalzahlung, wie der Verhandlungsführer von Südwestmetall, Jan Stefan Roell, berichtete. Er sprach von einem "Signal der Fairness und Verantwortung in einer außergewöhnlichen Situation".

Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann wies die Offerte postwendend zurück. "Das Angebot ist eine Mogelpackung", sagte er in Fellbach. Er drohte mit Warnstreiks, falls bei den Gesprächen in den anderen Bezirken am Freitag keine Einigung erzielt werde.

Die Lohnerhöhung setzt sich laut Roell aus einer Einmalzahlung von 0,8 Prozent für November und Dezember und einer Gehaltssteigerung vom 1. Januar 2009 an um 2,1 Prozent zusammen. Die Laufzeit soll 14 Monate betragen.

Bezirksleiter Hofmann sagte: "Das bringt uns einer Lösung des Konfliktes keinen Schritt näher." Er berücksichtige keinerlei Impulse für die Binnenkonjunktur. Die Gespräche für die 800.000 Beschäftigten im Südwesten sollen voraussichtlich am 11. November fortgesetzt werden.

Die Gewerkschaft ist mit der Forderung nach acht Prozent mehr Geld für die insgesamt 3,6 Millionen Beschäftigten der deutschen Schlüsselindustrie in die Verhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber haben Lohnerhöhungen über drei Prozent bereits als schwierig bezeichnet.

Friedenspflicht läuft ab

Die ersten Warnstreiks sollen in der Nacht zu Samstag ablaufen, da um Mitternacht die Friedenspflicht ausläuft. Ab Montag sollen die Aktionen dann bundesweit in zahlreichen Betrieben stattfinden, nach und nach sollen auch die Großen der Branche einbezogen werden; darunter voraussichtlich auch die Automobilkonzerne und ihre Zulieferer, die derzeit von den Auswirkungen der Finanzkrise getroffen werden.

Huber drohte, bereits am Montag darauf, dem 10. November, könne der IG-Metall-Vorstand eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik beschließen. Er finde es "zum Kotzen, dass nicht nur die Steuerzahler, sondern auch noch die Beschäftigten über Lohnverzicht für den Casino-Kapitalismus geradestehen sollen".

"Nachdem Milliarden verzockt worden sind und nachdem der Staat für diese Geschichten mit 500 Milliarden Euro bürgt und direkte Finanzhilfen fließen, fragen sich unsere Leute zu Recht: Sind wir jetzt die letzten Idioten?" Außerdem sei eine gute Lohnerhöhung ein großes Programm, um die Nachfrage zu fördern, sagte Huber.

AP/DPA / AP / DPA