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VW-Hauptversammlung: Die trügerische Ruhe bei Volkswagen

Es waren turbulente Wochen bei Volkswagen. Beim Treffen der Aktionäre blieb der große Knall aus. Doch Ruhe kehrt nicht ein - schon kommende Woche könnte es zum Showdown kommen.

Von Jan Boris Wintzenburg

Bei Volkswagen blieb es auf der Hauptversammlung der Aktionäre ruhig. Doch schon kommende Woche könnte der Trubel bei VW weitergehen.

Bei Volkswagen blieb es auf der Hauptversammlung der Aktionäre ruhig. Doch schon kommende Woche könnte der Trubel bei VW weitergehen.

Schon bei der Einlasskontrolle war man um Deeskalation bemüht: Selbst Äpfel wurden aus den Taschen der Besucher der Volkswagen-Hauptversammlung in Halle 2 der Hannover-Messe entfernt. Begründung: Man könne sie ja als Wurfgeschosse nutzen. Nach den bewegten letzten Wochen, in denen Vorstandschef Martin Winterkorn und der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech in beispielloser Weise miteinander rangen, hielt man offenbar Gewaltausbrüche für möglich.

Bitte keine Fragen zu Piech

Das war unbegründet, denn die Veranstaltung lief fast wie geplant: Schon kurz vor neun Uhr startete Konzernchef Winterkorn, Sieger im Machtkampf mit dem inzwischen zurückgetretenem Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, zum Rundgang durch die große Fahrzeugausstellung vor dem Sitzungssaal. In einem Pulk von Kameras und Mikrofonen ging er betont gelassen mit Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Porsche, Piechs innerfamiliärem Gegenspieler, von Marke zu Marke. Es geht wieder um Autos, war die klare Botschaft. Nur um Autos! Zu Fragen der Führung wollte keiner in Winterkorns Tross Stellung nehmen.

Nur Winterkorn selbst bezog sich in seiner Rede kurz auf den Konflikt mit seinem Ziehvater Piech: Er bekundete Respekt vor dessen Lebensleistung und sagte: "Wir haben bewegte Tage hinter uns. Es ist gut, dass wir wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen."

Gute Zahlen und handfeste Probleme

Zuvor hatte Arbeitnehmervertreter Berthold Huber kommissarisch den Vorsitz der Hauptversammlung übernommen. Es war wohl das erste Mal, dass bei einem deutschen Weltkonzern ein ehemaliger Gewerkschaftsboss – Huber war IG-Metall-Vorsitzender – die Geschäfte auf einem Aktionärstreffen führte. Er betrachte dies als Beitrag, die Gemüter zu beruhigen und den Aufsichtsrat von der Pflicht zu befreien, schnell einen Nachfolger für Ferdinand Piech finden zu müssen, erklärte er umständlich. Huber versicherte noch, "im Sinne der Aktionäre zu handeln". Auch ein Satz, der ihm nicht leicht über die Lippen gegangen sein dürfte.

Es folgten gute Zahlen, glänzende Zukunftsvisionen und die Versicherung, die im Konflikt mit Piech offenbar gewordenen Probleme seien längst adressiert. Zu größeren Aufwallungen aus Richtung der Aktionäre kam es nicht.

Kommt es zum Showdown?

Das dürfte am Mittwoch in einer Woche in Stuttgart ganz anders werden. Dort treffen sich die Aktionäre der Porsche SE zur Hauptversammlung. #link;www.stern.de/wirtschaft/eroeffnung-vw-flagship-store-in-berlin-martin-winterkorn-zurueck-im-rampenlicht-und-robbie-williams-tanzt-2190526.html;Auch dort ist Martin Winterkorn Vorstandsvorsitzender#. Auch dort sitzt Wolfgang Porsche im Aufsichtsrat, ist sogar Vorsitzender des Gremiums. Und dort ist Großaktionär Ferdinand Piech noch nicht aus dem Aufsichtsrat zurück getreten. Das bedeutet: Er müsste am Mittwoch eigentlich mit seinen beiden Kontrahenten auf dem Podium sitzen. Und bei der Aufsichtsratssitzung am Vorabend hätte er sogar reichlich Gelegenheit für Wortgefechte mit ihnen.

Schwer zu sagen, ob es dazu kommt: Aus Unternehmenskreisen hört man, Piech habe angekündigt, mit seinem Cousin Wolfgang Porsche nicht mehr im selben Raum sitzen zu wollen. Dass es in Stuttgart so ruhig zu geht, wie heute in Hannover ist kaum anzunehmen.